Verhandlung geschwänzt – trotzdem verurteilt

Thun

Am Mittwoch sollte ein Beschuldigter wegen ­diverser Diebstähle vor dem Regionalgericht Oberland erscheinen. Doch er tauchte nicht auf – und wurde trotzdem zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

Der Angeklagte ist am fälligen Tag nicht im Gericht erschienen. (Symbolbild)

Der Angeklagte ist am fälligen Tag nicht im Gericht erschienen. (Symbolbild)

(Bild: Patric Spahni)

Vor dem Gerichtssaal warteten zwei Privatkläger, ein Anwalt, und zwei Pressevertreter. Nur der Beschuldigte war nicht anwesend. Nach einer kurzen Wartezeit wurde die Verhandlung aufgenommen, die Gerichtspräsidentin beantwortete die Fragen der Privatkläger und entschied dann, dass der Strafbefehl zum Urteil erhoben werde.

Stadtbekannter Täter

Beim Beschuldigten handelt es sich um einen Vietnamesen, der in vielen Geschäften in Thun bekannt ist, weil er dort immer wieder Sachen stiehlt. Ein Privatkläger erzählte nach der Verhandlung, der Mann habe bei ihm mehrmals gestohlen. Das Personal kenne den Mann, der ein aggressives Verhalten zeige.

In der Anklageschrift waren 29 Diebstähle aufgelistet, die der Vietnamese zwischen Oktober 2017 und Februar 2018 begangen hatte. In 7 Fällen ging es um Waren mit einem Wert zwischen 350 und 560 Franken, in den anderen ­Fällen mal nur um rund 20 Franken, dann wieder um fast 200 Franken.

Gewalt und Drogen

Angeklagt war der Vietnamese auch wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte. Er hatte einen Polizisten, der ihn anhalten wollte, mit Fusstritten traktiert. Weitere Beschuldigungen lauteten auf Hausfriedensbruch, weil er Geschäfte trotz gültigem Hausverbot betreten hatte. Zudem wurde ihm der Kauf und der Besitz von Heroin und Kokain vorgeworfen.

Man hatte bei ihm 0,6 Gramm Heroingemisch gefunden. Gemäss Strafbefehl sollte er wegen all dieser Delikte zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten verurteilt werden, eine Busse von 2000 Franken und Gebühren von 1000 Franken bezahlen. Der Vietnamese hatte bereits früher eine Gefängnisstrafe verbüsst.

Kaum wieder in Freiheit, stahl er erneut. Die neue Freiheitsstrafe von fünf Monaten begründete die Staatsanwältin wie folgt: «Aufgrund der finanziellen und persönlichen Verhältnisse der beschuldigten Person ist zu erwarten, dass eine andere Strafe (Geldstrafe oder gemeinnützige Arbeit) nicht vollzogen werden kann. Eine zu vollziehende Freiheitsstrafe erscheint als notwendig, um die beschuldigte Person vom Begehen weiterer Delikte abzuhalten», heisst es im Straf­befehl.

Urteil in Abwesenheit

Obwohl er nicht zur Hauptverhandlung erschienen war, wurde der Vietnamese am Mittwoch von der Einzelrichterin zur fünfmona­tigen Freiheitsstrafe verurteilt. Wer gegen einen Strafbefehl Einsprache macht, weil er diesen nicht akzeptiert, muss zur Verhandlung erscheinen. Kommt es wegen Nichterscheinens nicht zu einer Gerichtsverhandlung, gilt die Einsprache als zurückgezogen und der Strafbefehl wird zum Urteil.

Thuner Tagblatt

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