Dürre vermiest Feuerwerksfreuden

In Teilen des Kantons Bern darf am 1. August kein Feuerwerk gezündet werden. Wir erklären, wo was erlaubt ist – und was man mit den bereits gekauften Raketen nun tun kann.

Die Waldbrandgefahr ist zu gross: Dieses Bild wird am kommenden 1. August eher selten.

Die Waldbrandgefahr ist zu gross: Dieses Bild wird am kommenden 1. August eher selten.

(Bild: Keystone)

Die Hitzewelle hält an – und mit ihr bleibt die Gefahr von Waldbränden bestehen. Das hat Folgen für den Nationalfeiertag. Nach der Stadt Bern hat am Montag auch Muri sein Feuerwerk abgesagt. Das 1.-August-Feuer wird aber angezündet.

In Teilen des Kantons Bern ist nach einer neuen Lagebeurteilung sogar das verboten. Konkret haben die Regierungsstatthalter am Montag für die Verwaltungskreise Obersimmental-Saanen sowie für den Berner Jura ein generelles Verbot von Feuerwerk sowie von 1.-August-Feuern verhängt.

Im Gegensatz zum Mittelland und zu den Voralpen, wo lediglich in Wald und Waldesnähe ein Feuer- und Feuerwerksverbot gilt, sind im Saanenland und im Berner Jura also jegliche Knallereien tabu. «In diesen Gebieten hätten alle geplanten Höhenfeuer in Waldnähe stattgefunden», sagt Regierungsstatthalter Christoph Lerch. Man habe sich deshalb gleich für ein allgemeines Verbot entschieden.

Auch im Mittelland bleibt die Lage angespannt. «Die Niederschläge vom letzten Samstag konnten nur die oberste Bodenschicht befeuchten», so Lerch. Er ruft zu «grösster Vorsicht im ­Umgang mit Feuer» auf.

Eine kurze Übersicht dazu, was am Nationalfeiertag nun eigentlich wo genau erlaubt ist und was nicht, gibt es hier:

  • 1. Meine Gemeinde plant eine Bundesfeier mit Höhen­feuer. Darf dieses jetzt überhaupt noch angezündetwerden?
    Das kommt darauf an. Im Saanenland und im Berner Jura sind sämtliche Höhenfeuer verboten. Im Mittelland und in den Voralpen sind sie grundsätzlich erlaubt – allerdings nur, wenn als Sicherheitsmassnahme die Feuerwehr vor Ort ist. Im Wald und bis 200 Meter davon entfernt sind sie ganz verboten. Ausnahmen sind die Verwaltungskreise Thun, Frutigen-Niedersimmental und Interlaken-Oberhasli, wo selbst im Wald Feuer erlaubt sind.
  • 2. Gibt es Arten von Feuerwerk, die verboten sind, und solche, die erlaubt sind?
    Zwischen einzelnen Arten von Feuerwerk wird nicht unterschieden. In den Gebieten mit ­generellem Verbot kommt es also nicht darauf an, ob eine Rakete, ein Vulkan oder auch nur ein Knallteufel abgelassen wird – dort ist alles untersagt.
  • 3. Darf man zu Hause überhaupt noch grillieren?
    Ja, grillieren ist im eigenen Garten nach wie vor erlaubt, selbst in den Gebieten mit generellem 1.August-Feuerverbot. Auch dort ist es aber nur im Siedlungsgebiet erlaubt. Die Behörden empfehlen zudem die Verwendung von Elektro- und Gasgrills. In den Gebieten, wo lediglich in Wald und Umgebung ein Feuerverbot gilt, darf auch im Freien in fest eingerichteten Feuerstellen grilliert werden. Bei starkem Wind sollte man aber darauf ­verzichten. Brennende Zigaretten oder Zündhölzer sollten keinesfalls weggeworfen werden.
  • 4. Ich wohne direkt an einem See. Darf ich vom Ufer aus eine Rakete ins Gewässer hinaus abfeuern?
    Wenn das Gewässer in Waldesnähe ist oder sich in einem der Gebiete mit generellem Feuerwerksverbot befindet, muss darauf verzichtet werden. Denn selbst wenn eine Rakete in Richtung See gerichtet ist, könnten beim Abbrennort unter Umständen gefährliche Funken springen – und im schlimmsten Fall in der trockenen Umgebung einen Brand auslösen.
  • 5. Ich habe bereits Feuerwerk gekauft. Was kann ich nun damit machen?
    Sowohl bei der Migros als auch Coop kann man bereits gekauftes Feuerwerk zurückbringen und erhält das Geld zurück. Man muss den Umtausch aber in derselben Filiale abwickeln und dazu den Kassabon vorweisen. Bei Coop kann man dies nur bis zum 2. August tun. Eine andere Möglichkeit ist, das Feuerwerk zu be­halten und es an Silvester zu verpulvern.

(Christoph Albrecht/skk)

Langenthal und Herzogenbuchsee: Feuerwerk abgesagt

Langenthal und Buchsi verzichten angesichts der Trockenheit auf den grossen Knall. Der Statthalter belässt es derweil beim Verbot in Waldesnähe. «Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen», sagte Reto Müller (SP) am Montag. Schon kurz nach dem Mittag teilte der Stadtpräsident mit, dass Langenthal auf das traditionelle Feuerwerk am 1. August verzichtet. «Es ist einfach zu trocken, auch der Regen vom Samstag hat die Situation nicht entschärft.»

Auch kleinere Feuerwerkskörper sind auf dem Festareal bei der Markthalle deshalb untersagt. Der Abbrennplatz stehe in diesem Jahr nicht zur Verfügung, schrieb der Gemeinderat am Nachmittag in seiner Mitteilung. Es ist nicht die einzige Massnahme der Stadt: Angesichts der Trockenheit würden weiter die öffentlichen Brunnen vom Versorgungsnetz genommen, einzig die von der Halsi­quelle gespeisten blieben weiterhin in Betrieb.

Auch die Gemeinde Herzogenbuchsee hat am Montag bekannt gegeben, an ihrer Bundesfeier vom 31. Juli kein 1.-August-Feuer zu zünden. Die Festbesucher werden gebeten, auf das Abbrennen von Feuerwerkskörpern auf dem Festgelände zu verzichten.

Solothurn greift durch

Während der benachbarte Kanton Solothurn das Feuerwerksverbot am Montag aufs gesamte Siedlungsbegbiet ausgedehnt hat, sieht das Regierungsstatthalteramt Oberaargau von einem absoluten Feuerverbot weiterhin ab. Tatsächlich habe keine Entschärfung stattgefunden, berief sich der stellvertretende Statthalter Christian Aebersold am Montag auf die Einschätzung der beigezogenen Fachstellen. Die Situation habe sich aber auch nicht verschärft.

Wie in den grössten Teilen des Kantons bleibt es deshalb beim Feuerverbot im Wald und in Waldesnähe. Auch das Regierungsstatthalteramt appelliert allerdings, private Feuerwerkskörper nur zurückhaltend, ausschliesslich auf befestigtem Untergrund und nicht in der ­Nähe von Stoppelfeldern abzufeuern. (pd/bey/khl)

Emmental: Einigen ist das Risiko zu gross

Obwohl im Verwaltungskreis Emmental nur in Waldesnähe kein Feuer gemacht werden darf, blasen auch dort einige Gemeinden ihre 1.-August-Feuer ganz ab. Den Behörden der Gemeinde Langnau wäre es recht, wenn die Bevölkerung darauf verzichten könnte, ihrer Freude am Nationalfeiertag mit Feuerwerken Ausdruck zu geben. Sie gibt aber lediglich eine entsprechende Empfehlung heraus. Auch die Gemeinden Affoltern*, Alchenstorf und Ersigen bitten bloss darum, keine Raketen und Ähnliches zu zünden.

Was Langnau, Ersigen und Alchenstorf darüber hinaus gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass sie ihre geplanten 1.-August-Feuer nicht anzünden werden. Zu gross erscheint ihnen das Risiko, dass Stoppelfelder, Bauernhäuser oder Wälder in Flammen aufgehen könnten. Auch der Verkehrs- und Verschönerungsverein von Kirchberg teilt mit, dass er auf das Anzünden eines Höhenfeuers auf dem Höchfeld werde wegen der grossen Waldbrandgefahr dieses Jahr verzichtet. (sgs)

Biel: Das leise Feuerwerk kann stattfinden

Dem See sei Dank: Biel kann am Dienstagabend sein Feuerwerk in die Luft schiessen. Es ist aber leiser als bisher. Erneut werden der Luzerner Pyrotechniker Toni Bugmann und seine Leute ab halb elf Uhr Bild um Bild in den Nachthimmel von Biel steigen lassen. Und erneut werden Tausende das Spektakel mitverfolgen, das jeweils in der Nacht auf den 1. August über die Bühne geht. In der Stadt selber genauso wie auf den Anhöhen rundherum.

Die Organisatoren profitieren davon, dass sie nicht vom Land aus operieren. Das Bieler 1.-August-Feuerwerk wird traditionellerweise auf Pontons aufgebaut, die fix im See vertäut sind. «Das Wasser hilft uns, dass wir besondere Effekte gestalten können und keine Angst vor einem springenden Funken haben müssen, der einen Brand auslöst», sagte Bugmann dazu am Wochenende im «Bieler Tagblatt».

Bei aller Tradition – in einem Punkt wird sich das Feuerwerk von den bisherigen Ausgaben abheben. Am Anfang stand ein Vorstoss der Grünen im Stadtparlament. Sie regten Massnahmen gegen das laute Knallen an, der Gemeinderat zeigte sich offen und versprach, «über ein geräusch­armes Feuerwerk zu diskutieren».

Das hat nun Folgen. «Wir werden am Anfang und am Schluss auf die lauten Böller verzichten», erklärt Tourismusdirektor Oliver von Allmen im Namen der Organisatoren. Zudem werde es beim zweiten Bild etwas leiser zu- und her­gehen als gewohnt. Nach dem Motto «Probieren geht über Studieren» komme man den Grünen gerne entgegen, wobei: Bilder in eine Höhe von 60 bis 70 Metern zu schiessen, sei ohne Lärm nicht zu machen. «Das knallt so oder so». (skk)

* In einer ersten Version dieses Artikels hiess es, dass die Gemeinde Affoltern ein absolutes Feuerverbot ausgesprochen hat. Darauf hin präzisierte die Gemeinde am Donnerstagmorgen: «Da nur die Regierungsstatthalterämter ein absolutes Feuerverbot erlassen dürfen, verzichtet die Gemeinde Affoltern, aufgrund der Medienmitteilung des Kantons, auf das absolute Feuerverbot».

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