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Thun verliert Spielzeugmuseum an Spiez

Nach längerem Hin und Her hat der Gönnerverein den Mietvertrag für das Spielzeugmuseum in Thun nicht verlängert und zieht Mitte September nach Spiez.

Das grosse Mehrfamilienhaus an der Oberen Bahnhofstrasse 60: In die Räumlichkeiten des einstigen Niesenstübli (vordere Ecke mit den Gitterfenstern) wird der Verein Spielzeugmuseum Thun ab Mitte September einziehen. Die Eröffnung ist für Ende Jahr vorgesehen.
Das grosse Mehrfamilienhaus an der Oberen Bahnhofstrasse 60: In die Räumlichkeiten des einstigen Niesenstübli (vordere Ecke mit den Gitterfenstern) wird der Verein Spielzeugmuseum Thun ab Mitte September einziehen. Die Eröffnung ist für Ende Jahr vorgesehen.
Fritz Lehmann

«Wir sind überglücklich und erleichtert, dass wir für das Spielzeugmuseum Thun nach langem Suchen neue Räumlichkeiten in Spiez gefunden haben», sagt Elisabeth Affolter. Rein zufällig hat sie das Telefonat im Haus zum Engel an der Burgstrasse 15, wo sich das Museum befindet, am Dienstag entgegengenommen. Das Muse­um ist dienstags üblicherweise geschlossen, und sie hat nur rasch das turbulente Einrichten an der Oberländischen Herbstausstellung (OHA) unterbrochen, um einiges Spielzeug zu holen.

Ausser Atem erklärt sie: «In einer Halle auf dem Expo-Areal sind wir zusammen mit der Ludothek präsent.» Der Verein Spielzeugmuseum Thun beteilige sich mit einer Spielecke, einem Ausstellungsbereich und einem Flohmarkt.

Der Verein hat am Dienstag eine Mitteilung verschickt und kündigt an, dass das Spielzeugmuseum nach zwölf Jahren von Thun nach Spiez zieht. Er mietet an der Oberen Bahnhofstrasse 60 die Räume des einstigen Niesen­stübli, wo sich bis vor kurzem der Jugendtreff der christ­lichen Gemeinschaft Bewegung plus befand. Der letzte Öffnungstag des Museums in Thun ist der 15. September – und Ende Jahr soll in Spiez die Neueröffnung über die Bühne gehen.

Keine Einigung über die Miete

Der Grund für den Umzug sind seit längerem anhaltende Differenzen zwischen dem Vorstand und der Hausbesitzerin Edith Schönholzer, die das Museum 2005 initiiert und bis vor zwei Jahren vor allem auch geleitet hat. Bereits die Hauptversammlung im Januar endete im Unfrieden und mit einer Miet­erstreckung bis Ende Oktober. Die 76-jährige Watten­wilerin hat das Museum mit Elisabeth Affolter und anderen engagierten Beteiligten aufgebaut und laufend erweitert, ebenso kurz nach der Eröffnung den Gönnerverein ins Leben geru­fen.

Als Grund für die definitive Trennung schreibt der Verein in seiner Mitteilung: «Da keine Einigung betreffend Mietvertrag erzielt werden konnte, sah sich der Vorstand gezwungen, der ausserordentlichen Mitgliederversammlung die Schliessung des Museums zu beantragen.» Im Mietvertrag sei eine Mietzinserhöhung vorgesehen, weshalb sich der Vorstand gezwungen sehe, den Vertrag abzulehnen. «Die neuen Mietbedingungen können wir dem Verein gegenüber nicht verantworten», präzisiert Elisabeth Affolter.

Die hauptsächliche ­Differenz gegenwärtig ist das Café, welches im Museumsbereich integriert ist. «Im neuen Vertrag hätte der Verein die volle Verantwortung dafür tragen sollen», erklärt ­Affolter.

Café als Hauptstreitpunkt

«1200 Franken Miete für das Café sind zu viel», sagt sie. Alle, die es bisher betrieben hätten, hätten nicht existieren können – und der Verein könne und wolle weder das Café untervermieten noch diesen Betrag zusätzlich zur ­Miete von 1000 Franken für die zwölf Museumsräume inklusive Lagerraum und Dachgeschoss tragen. «Wir sind keine Wirts­leute, sondern wollen das Spielzeug­museum weiterhin ehrenamtlich betreiben», sagt Elisabeth Affolter.

Nach dem einstimmigen Ja an der ausserordentlichen Versammlung zum Umzug nach Spiez ziehe der Vorstand einen Schlussstrich unter die Geschichte. «Wir sind alle motiviert für einen Neustart und schauen nach vorne», sagt die Thunerin.

Alle Räume in Spiez seien im Gegensatz zum Haus zum Engel ebenerdig. «Unser zukünftiger Ort ist zentral beim Bahnhof gelegen, und die Gemeinde Spiez wie auch die Tourismusorganisation freuen sich auf das Spielzeugmuseum», sagt sie. Das grosse Mehrfamilienhaus ist weitherum auch deshalb bekannt, weil einst auch das legendäre Dancing Niesenbar Tanzfreudige von nah und fern angelockt hat. Die Liegenschaft gehört heute einem pensionierten Pfarrer, der in Spiez wohnt.

Fünferteam packt Umzug an

Nicht alle wertvollen und teils ­antiken Puppenstuben, Spielsachen und Figuren aus dem Museum werden nach Spiez gezügelt. Denn einige der Objekte und auch Mobiliar gehören Edith Schönholzer und auch Leihgebern. «Noch werden wir das Konzept und unsere Besetzung neu aufgleisen», kündigt Affolter an. «Wir sind zudem mit einem Architekten in Kontakt, da wir die Räume in Spiez nach unseren Bedürfnissen anpassen und nutzen können.»

Affolter spricht im Namen des heute fünfköpfigen Vorstands des Vereins Spielzeugmuseum Thun, der gut 250 Mitglieder zählt und seit zwei Jahren auch den Betrieb des Museums ohne Edith Schönholzer leitet. Zusammen mit Christine Hiltbrunner, Elisabeth Gfeller, Christine van Vloodorp und ­Susanne Luginbühl packt das Fünferteam den Neustart an.

«Jetzt muss ich aber dringend gehen», sagt Elisabeth Affolter, die unbedingt zurück zum OHA-Stand und beim Einrichten helfen will. «Wir freuen uns auf Spiez», sagt sie einzig noch – und schon ist die Leitung still.

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