Thun hatte einst zwei Brauereien mitten in der Stadt

Thun

Im 19. Jahrhundert wurde in Thun gewerbsmässig Bier gebraut. Und das gleich an zwei Standorten.

Blick um 1900 vom Sternenplatz Richtung Schwäbis: Im Hintergrund links ist der Kamin der Brauerei Feller, rechts das Kornhaus erkennbar. In der Häuserzeile links ist heute die Coop-Filiale Kyburg untergebracht. In der Bildmitte steht das Pissoir, welches Gottfried Feller bauen liess.

(Bild: zvg / Stadtarchiv)

Auch wenn der Kanton Bern im 17. Jahrhundert erstmals in der Schweiz eine Bewilligung zur gewerbsmässigen Herstellung von Bier erteilte: In der Region Thun, wo damals vor allem Weintrauben angepflanzt wurden, dauerte es etwas länger, bis das Getränk, das bereits die alten Ägypter kannten, produziert wurde.

Mit Bier zu Ruhm und Ehre

«Die erste bekannte Thuner ­Bierbrauerei war die Biersieder-Compagnie von Johann Friedrich Deci, Johann Franz Heinrich Gysi und Friedrich Rudolf Kurz», erzählt der Thuner Lokalhistoriker Peter Küffer, welcher die Geschichte der Thuner Bierbrauereien vor einigen Jahren aufgearbeitet hat. Die drei Thunburger erwarben um 1800 eine Parzelle an der Schwäbisgasse gleich neben dem Schwäbistor. Dort, wo heute das Coop-City-Warenhaus Kyburg steht.

1838 übernahm Jakob Feller die Bierbrauerei und liess sie in den Folgejahren aufstocken und den Schwäbisturm zur Hälfte abtragen. 1850 kam ein Wohnhaus mit Brauereiwirtschaft und 1859 nach einer weiteren Vergrösserung ein Felsenkeller hinter dem Schlossberg zur Lagerung von Eis und gekühltem Bier hinzu.

1883 übernahm Sohn Gottfried Feller die Geschicke der Braue­rei. Dieser brachte es nach einer kaufmännischen Lehre und dem Besuch der Bierbrauereischule in Freising bei München zu Ruhm und Ehre: Feller war nicht nur freisinniger Thuner Gemeinderat, Gemeindepräsident, Grossrat und Nationalrat, sondern auch kantonaler Waffenchef der Kavallerie, Verwaltungsrat der Hotels Thunerhof und Bellevue, der Baugesellschaft Thun sowie der Spar- und Leihkasse Thun. Er starb am 22. Juni 1900 in London und liess sein Testament an alle Einwohner von Thun, Uebeschi und Noflen, wo er Burger war, abgeben.

Darin setzte Gottfried Feller das Kunstmuseum Bern als Haupterben seines Vermögens ein. Verschiedene Beiträge gingen aber auch an die Einwohnergemeinde Thun, wobei diese unter anderem den Auftrag erhielt, mit 58 000 Franken innert dreier Jahre Trottoirs und Strassen zu verbessern sowie drei Pissoirs zu bauen, eines davon an der Schwäbisgasse (siehe Foto).

Bereits 1897 hatte die Aktienbrauerei Thun die Brauerei Feller übernommen, die 1904 in die Hände der Basler Gesellschaft Zum Kardinal überging. Diese stellte den Betrieb an der Schwäbisgasse im gleichen Jahr ein. Das Restaurant Brauerei allerdings blieb noch bis 1968 in Betrieb.

Auch im Bälliz wurde gebraut

Thuner Bier wurde auch mitten im Bälliz gebraut: 1810 erwarb nämlich Abraham Dänzer, ein Fellhändler und Handelsmann aus Adelboden, am Ort des späteren Restaurants und Hotels Falken ein Doppelhaus mit Scheune, Stöckli und Garten. Er liess das Haus abbrechen und errichtete an dessen Stelle ein Wohnhaus mit Brauereien. 1816 erhielt er schliesslich vom Staat Bern die Konzession, um die Brauerei zu betreiben. Sein Schwiegersohn David Schmid-Dänzer liess die Gebäude 1835 aber abbrechen und den Gasthof Falken erstellen. Damit verschwanden die Brauereien aus dem Bälliz.

Nicht bekannt ist Lokalhistoriker Peter Küffer hingegen, ob Christian Dänzer, welcher 1841 die Bierbrauerei im Steffisburger Glockenthal eröffnete, aus derselben Familie stammte.

Jüngste Braugeschichte

Mitten in Thun wurde auch in jüngerer Vergangenheit Bier gebraut: Und zwar betrieb die ­Firma Back & Brau von 1995 bis 2001 eine Brauerei samt Restaurant im ehemaligen Bahnhof­buffet.

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