«Die Art der Unterbringung ist aussergewöhnlich»

Adrian Arbogast, ­operativer ­Leiter des Bundesasylzentrums in Thun, betreut seit zwanzig Jahren Asylbewerber. Er lobt die neuen Erkenntnisse vom Betrieb in einer riesigen Halle.

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Was sagen Sie zum Betrieb eines Asylverfahrenszen­trums in einer riesigen ­Halle?Adrian Arbogast:Nach gut drei Monaten Betrieb wissen wir, dass dies auch in einer Halle gut und für die Flüchtlinge in akzeptablem Rahmen möglich ist.

Ist das Zentrum in den beiden Panzerhallen in Thun sozusagen eine Art Übungshalle?Ja, schon. Diese Art der Unterbringung ist tatsächlich aussergewöhnlich. Die positive Bilanz hat aber allen Beteiligten gezeigt, dass es funktioniert.

Die Schweiz wäre also für Flüchtlings­anstürme gerüstet?Das kann ich so nicht beantworten, weil ich da nicht die zuständige Person bin. Doch sicher sind unsere Erfahrungen hier wichtig, und aus unserer Sicht kann ich sagen: Wir können hier von der Abwicklung her wichtige Erfahrungen sammeln – und ja, wir wären für einen solchen Fall gerüstet.

Welche Vor- und Nachteile sehen Sie dabei?Der Betrieb in einer Halle ist logischerweise anders als in einem Gebäude mit geschlossenen Räumen. Die Vorteile sind, dass wir näher bei den Flüchtlingen sind und bei Problemen rascher reagieren können.

Und die Nachteile?Den grössten Nachteil tragen die Asylsuchenden: die fehlende Privatsphäre. Klar ist, dass der Lärm in einer offenen Halle für alle deutlich stärker ist als in geschlossenen Räumen.

In Thun gab es bekanntlich Zwischenfälle und Schlägereien innerhalb und ausserhalb des Zentrums.Wir haben nach jedem einzelnen Zwischenfall mit kleinen Massnahmen reagiert. Trotz den wenigen Zwischenfällen funktioniert aber der Betrieb bestens.

Eine solche Massnahme war die Trennung von Ethnien und Sprachgruppen auf beide Hallen. Führt dies nicht zu Parallelgesellschaften?Die Trennung hat sich bewährt und die Lage entspannt.

Was ist das Wichtigste beim Betreuen von Flüchtlingen?Etwas vom Wichtigsten sind die Beschäftigungsprogramme.

Was ist Ihre Motivation für Ihre Arbeit im Asylwesen?Nach zwanzig Jahren im Asylwesen, drei davon als operativer Leiter für das Bundesmandat der ORS Service AG, ist es für mich die Liebe zu den Menschen geblieben. Die schweren Schicksale berühren mich immer wieder aufs Neue und motivieren mich zugleich für die Arbeit in diesem Tätigkeitsbereich.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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