Testkäufe stossen Wirten sauer auf

Thun

Alkoholtestkäufe von Jugendlichen sind in der Region Thun in den letzten Jahren zu einem probaten Mittel für die Behörden geworden, die Wirte zu kontrollieren. Das stösst einigen sauer auf.

Mindestens 16 Jahre alt muss sein,?wer sich legal ein Bier ausschenken lassen will.

Mindestens 16 Jahre alt muss sein,?wer sich legal ein Bier ausschenken lassen will.

(Bild: Patric Spahni)

«Mich stört nicht, dass wir kon­trolliert werden», sagt Bruno ­Carizzoni, Direktor des Hotels Krone in Thun. «Aber die Art und Weise finde ich daneben.» Seine Kritik zielt auf die Alkoholtestkäufe von Jugendlichen (vgl. Kasten). Aber der Reihe nach: Im Rahmen der Thuner Fasnacht versuchten drei Testkäuferinnen an einem Stand, den das Hotel Krone betrieb, an einen Glühwein zu kommen.

Der Mitarbeiter machte im ersten Schritt alles richtig, verlangte den Ausweis. Dann machte er in der Hektik einen fatalen Fehler. Er überprüfte nur den Jahrgang, nicht aber den Geburtsmonat. Die jungen Frauen werden zwar heuer 16-jährig, aber erst im Herbst. Damit war die Abgabe des Glühweins illegal. «Unser Mitarbeiter hat einen Fehler gemacht», sagt Carizzoni. «Da gibt es nichts zu beschönigen.»

Werden Jugendliche benutzt?

Er ärgere sich über das eigene fehlbare Verhalten. «Aber noch mehr ärgere ich mich über die Testkäufe mit Minderjährigen.» Er empfindet das Vorgehen der Behörden als einen Verstoss gegen Treu und Glauben. «Jugendliche werden benutzt, um ­Gewerbetreibende hinters Licht zu führen.» Dass Vergehen behördenseitig durch diese Handlungsweise provoziert würden, sei einfach nicht korrekt.

«Kein seriöser Gastronom will Umsatz durch illegales Handeln erzielen», betont Carizzoni weiter. «Schon gar nicht zulasten der Gesundheit von Jugendlichen.» Wirte würden heute aber bereits sehr viel zur Durchsetzung von gesetzlichen Regeln tun. «Wir sind schon fast ein verlängerter Arm der Behörden.»

«Bitterer Nachgeschmack»

In die gleiche Kerbe schlägt Daniela Liebi. «Hier wird versucht, die Wirte in die Pfanne zu hauen», sagt die Präsidentin von Gastro Thun und Umgebung und Besitzerin des Landgasthofs Rothorn in Schwanden. «Die Alkoholtest­käufe haben einen ganz bitteren Nachgeschmack.» Nicht zuletzt, weil Jugendliche – von den Behörden angestiftet – versuchten, die Wirte aufs Glatteis zu führen. «Wer sucht, der findet», sagt Liebi, die vor einigen Jahren auch schon getestet wurde, im Gegensatz zu Branchenkollege Carizzoni aber den Test bestanden hat.

Beim Verband Gastro Thun und Umgebung seien die Verkäufe ein wiederkehrendes Thema, sagt Liebi. Sie sei überzeugt, dass es bessere Möglichkeiten gebe, die Einhaltung des Jugendschutzes zu überprüfen. «So wie es jetzt läuft, wird die Korrektur eines gesellschaftlichen Problems einfach auf die Wirte abgewälzt», sagt Liebi. Aus ihrer Sicht müsste man die Verantwortung unter anderem auch im Elternhaus suchen.

Ein gewisses Dilemma

Es liegt in der Natur der Sache, dass der Thuner Polizeiinspektor Peter Schütz die Angelegenheit ganz ­anders einschätzt. «Die Testkäufe haben sich bewährt.» Dank ihnen seien die negativen Testkaufergebnisse gesunken (vgl. Kasten). Den Vorwurf, Jugendliche würden missbraucht, lässt Schütz nicht gelten. «Die freiwilligen Testkäufer setzen sich vorgängig mit der Thematik vertieft auseinander. Sie werden nicht dazu angestiftet.»

Die Jugendlichen würden zudem bei den Testkäufen durch Erwachsene eng begleitet. «Weiter liegt das Einverständnis der Eltern vor», sagt Schütz. Und auch die Frage der Verantwortung beurteilt Schütz anders. Wenn Minderjährige mit einem Vollrausch in die ­Notfallstation eingeliefert werden müssten, würden die untätigen Vollzugsbehörden beschuldigt und nicht die Verursacher.

«Ein gewisses Dilemma zwischen dem Schutz der Jugendlichen vor Alkoholmissbrauch und der Anwendung verdeckter Testkäufe, um Gesetzesverstösse zu ­erkennen, liegt in der Natur der ­Sache», erläutert Gemeinderat Peter Siegenthaler (SP), Vorsteher der Direktion Sicherheit und ­Soziales.

«Aber es gibt keinen Anlass, die Testkäufe einzustellen, denn wir haben unser Vorgehen stets kritisch überprüft», macht Siegenthaler klar. Das Polizeiinspektorat werde gemeinsam mit Nachbargemeinden und dem Blauen Kreuz die Präventionsarbeit noch verstärken.

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