Temporäres Leben in luftiger Baumhöhe

Ferien in den Baumkronen sind es nicht. Stattdessen gibt es viele Er­lebnisse und Weiterbildung. Der Verein Outdoortech führt derzeit am Ufer der Rotache ein Baumhauslager durch.

Die beiden  Lagerleiter Christoph Berger (l.) und Lukas Nacht vor dem Baumhaus im Wald von Unterlangenegg.

Die beiden Lagerleiter Christoph Berger (l.) und Lukas Nacht vor dem Baumhaus im Wald von Unterlangenegg. Bild: Stefan Kammermann

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Es ist heiss am Ufer der Rotache. Abgelegen im Wald nehmen ein paar junge Menschen ein erfrischendes Bad im kühlen Bachwasser. Gleich daneben stehen mächtige Tannen und in luftiger Höhe ein temporäres Baumhaus mit gleich mehreren Etagen. «Die erste Etage hat eine Fläche von rund 80 Quadratmetern und dient als Aufenthaltsraum und Küche», sagt Lukas Nacht. Der 32-jährige Architekt ist gemeinsam mit dem 33-jährigen Bauingenieur Christoph Berger verantwortlich für die aussergewöhnlichen Installationen im Wald von Unterlangenegg.

Der sogenannte Aufenthaltsraum hängt mit kräftigen Seilen an Tannen befestigt rund fünf Meter über Boden. Zum Schutz vor Wind und Wetter sind als Dach vier fruchtfarbene Planen drübergespannt. Ein paar Meter höher sind auf der zweiten Etage die Schlafplätze eingerichtet, während der dritte Stock des Baumhauses noch etwas an Höhe gewinnt und einen ganz anderen Ausblick auf das gemütlich dahinplätschernde Flüsschen Rotache ermöglicht. «Wir haben keinen einzigen Nagel in einen der tragenden Bäume gehämmert», betont Lukas Nacht.

Ausbildung für Lagerleiter

Die Aktivitäten im Wald von Unterlangenegg dauern noch bis heute. In diesen Tagen steht der Abbau des mehrstöckigen Baumhauses auf dem Programm. Ein Programm, das vorab der Ausbildung von Lagerleitern dient. «Ziel ist es, Wissen und Kompetenz zu vertiefen für den ehrenamtlichen Einsatz in der Kinder- und Jugendarbeit», sagt Christoph Berger. Das heisst, künftige Leiterinnen und Leiter für Pfadi-, Jungschar- und andere Lager auszubilden. Dies unter der Organisation des Vereins Outdoortech aus Belp, der Wissen und Material zur Verfügung stellt, und der auf christlicher, ökumenischer basierenden Freiwilligenbewegung Cevi Schweiz.

«Wir haben keinen einzigen Nagel in einen der tragenden Bäume gehämmert.»Lagerleiter Lukas Nacht

20 junge Frauen und Männer aus der Deutschschweiz haben sich dem Abenteuer im Wald gestellt – trotz harter Arbeit beim Installieren des Baumhauses und zum Teil schlechter Witterung. «Für einen solchen Bau gelten Sicherheitsregeln, wie sie etwa auch im Gerüstbau angewendet werden», erläutert Christoph Berger. So werde darauf geachtet, dass keine Hektik entsteht und gewissenhaft gebaut wird. Vermittelt würden weiter Seil- und Pioniertechnik, Lagerbau, Selbstkompetenz, aber auch Krisenmanagement. Wenn das Baumhaus einmal gebaut sei, sei es kein Problem, Wind und Wetter standzuhalten.

Lagerplätze schwer zu finden

Wie Berger weiter ausführt, sind solche Lagerplätze zunehmend schwieriger zu finden. «Waldbesitzer sind sensibilisierter, weil es oft schwarze Schafe gibt, die im Wald eine Party veranstalten und nicht aufräumen», so der Lagerleiter weiter. In Unterlangenegg sei die Idee aber sehr wohlwollend aufgenommen worden. Zumal die Organisatoren vor zwei Jahren an gleicher Stelle ein ­ähnliches Weiterbildungslager durchführten.

Das Team rund um den Verein Outdoortech ist auch im Ausland tätig. So haben die Leute auch schon in Prag ein Baumhaus für 120 Personen gebaut. Nach dem Abenteuer am Flüsschen Rotache werden zwei Vereinsmitglieder nach Berlin aufbrechen und dort in einem ähnlichen Projekt ihr Wissen an junge Menschen weitervermitteln. Weitere Projekte mit Unterstützung von Outdoortech, die auf Freiwilligenarbeit basieren, sind auch in Holland, Dänemark und Finnland vorge­sehen.
www.outdoortech.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.08.2017, 07:53 Uhr

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