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Szenischer Rundgang mit Thuner Original

Das Spiezer Gschichtewyb Eva Frei hat die Geschichte von Dora Wüthrich alias Geissetrine aufgearbeitet und am Wochenende in einem Rundgang erstmals in Thun inszeniert.

Das Spiezer Gschichtewyb Eva Frei alias Geissetrine bei ihrem Auftritt im Pärkli neben dem Thunerhof.
Das Spiezer Gschichtewyb Eva Frei alias Geissetrine bei ihrem Auftritt im Pärkli neben dem Thunerhof.
Christoph Gerber

34 Jahre lang arbeitete Dora Wüthrich als Hirtin von Ziegen und Rindern auf der Alp Hinterälpital etwas unterhalb des Stock-horns. Von den meisten wurde sie früher nur Trini genannt. Nachdem ein Besucher auf dem Stockhorn gefragt hatte, wo denn die Trine mit den Geissen wohne, wurde sie fortan nur noch Geissetrine genannt.

2003 wurde sie zum «TT-Kopf des Jahres» gewählt, und 2006 beehrte Alt-Bundesrat Adolf Ogi die 90-Jährige mit einem Besuch. Ihre Freundin Marianne Walker hat die nicht ganz einfache Kindheit, die Erlebnisse auf der Alp und die Zeit, in der Geissetrine letztendlich im Lerchenfeld wohnte, in einem Büchlein zusammengefasst.

Nach intensiven Recherchen hat das Spiezer Gschichtewyb Eva Frei nun das ­Leben von Geissetrine zu einem szenischen Rundgang aufgearbeitet und – nach der Premiere in Spiez – am Wochenende erstmals in Thun aufgeführt.

Schwierige Kindheit

Gespannt warteten gut zwei Dutzend Gäste auf dem Plätzli neben der Oberen Schleuse auf das Erscheinen der Protagonistin des Anlasses. Geissetrine alias Eva Frei kam mit Schellen in der Hand und lockte ihre Geisslein: «Chömet, Geissli, chömet, mir gö uf d Weid.»

Im Pärkli neben dem Thunerhof erzählte sie, dass sie es als zweites von vier Kindern nicht leicht gehabt habe. Der Vater habe getrunken, habe ihre Mutter und ihre Geschwister ­geschlagen. «Mit sechs Jahren kam ich mit meinem zwei Jahre jüngeren Bruder Wernerli ins Kinderheim Bethanien in Bern. Wir hatten grosse Sehnsucht nach unserer Mutter», mimte Eva Frei mit traurigem Blick.

Sonst hatte es den beiden gut gefallen, denn sie mussten keine Angst mehr vor einem besoffenen Vater haben. Etwas Spezielles sei die «Haarwäschete» gewesen, die zweimal im Jahr stattgefunden habe. «Eis nach em angere het dr Gring müesse häre ha zum Yschume u Acherible», resümierte Frei.

Mit leichtem Kostümwechsel und viel Mimik erzählte Frei, dass Trini nach zwei Jahren als Haushaltshilfe in Bern ins Welschland kam. Unaufgeklärt, wie sie war, wurde sie ungewollt schwanger. Sie sei an allem schuld gewesen, und Heiraten sei überhaupt nicht infrage gekommen: «So nes jungs Tüpfi us dr Dütschschwiz u de no reformiert – ne nei, das chasch vergässe», jammerte das Gschichtewyb als Geissetrine. 1936 kam Kurt-André zur Welt, aber Trini musste weg, und das Kind kam ins Kinderheim.

Grosse Liebe am Stockhorn

Nach zwei nicht sehr glücklichen Ehen bewarb sich Trini 1969 auf ein Inserat, in welchem ein Senn für die Alp Hinterälpital gesucht wurde – und bekam die Stelle. Mit Blick aufs Stockhorn konnten die Besucher bei der christkatholischen Kirche hören, wie Geissetrine 34 Jahre auf der Alp zurechtkam – ohne Licht, mit einer alten «lodeligen» Bettstatt und einem antiken Funkgerät.

Von Männern habe Geissetrine nichts mehr wissen wollen. Ihre Kontaktpersonen seien höchstens der Wildhüter oder der Jäger gewesen. «Ihre grosse Liebe gehörte den Ziegen, Glücksgefühle haben bei ihr die frühen Morgenstunden oder ein sternenklarer Nachthimmel erweckt», erzählte Eva Frei, die sich enorm freute, Geissetrines Schwiegertochter Verena Dumas und deren Tochter Jeannette in der Besuchergruppe zu entdecken.

Beim Brand 2003 konnte Geissetrine die Tiere noch retten, aber die Hütte, die bereits einen andern Besitzer hatte, wurde vollständig zerstört. Danach lebte sie lange Zeit noch mit sieben Zwerggeissen in ihrem Häuschen im Lerchenfeld.

Weitere Aufführungen von Eva Frei in Thun: Do, 26. 7., 17.30 Uhr, Sa, 25. 8., 9.30 Uhr, und Fr, 14. 9., 17.30 Uhr. Treffpunkt zwischen Göttibachsteg und oberer Schleuse. www.eva-frei.ch

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