«Sturm und Drang» zum Jubiläum

Steffisburg

Ganz im Geiste des Sturm und Drang und mit einem Heimspiel für Cellist Andreas Graf: Das Kammerorchester feierte mit Konzerten in Steffisburg und Amsoldingen sein 40-Jahr-Vereinsjubiläum.

Das 40-jährige Kammerorchester Steffisburg mit Solist Andreas Graf (Cello) unter der Leitung von Dirigent Niklaus Vogel.

Das 40-jährige Kammerorchester Steffisburg mit Solist Andreas Graf (Cello) unter der Leitung von Dirigent Niklaus Vogel.

(Bild: Heidy Mumenthaler)

Seit 2018 steht das Kammerorchester Steffisburg unter der Leitung von Niklaus Vogel. Er ist der Nachfolger von Paul Moser, der das Orchesters 36 Jahre prägte. Dass der Dirigent wie sein Vorgänger selbst auch Geiger ist, war übers Wochenende in den Kirchen Steffisburg und Amsoldingen nicht zu überhören. In der über die Hälfte besetzten Steffisburger Kirche kamen die Zuhörenden in den Genuss eines festlichen Konzerts zum 40-jährigen Bestehen des Vereins.

Musizierfreudig und prägnant wurde eingestimmt. Die äusserst leidenschaftliche, düstere Musik schrieb der erst 17-jährige Wolfgang Amadeus Mozart in Salzburg. Es war seine erste Sinfonie in Moll (g-Moll), ein Werk ganz im Geiste des Sturm und Drang. Der schlanke, erfrischende und klare Streicherklang liess aufhorchen, ebenso Oboen und Fagott. Etwas gar massig wirkte das Hornquartett, welches keinen einfachen Part zu meisternhatte.

Freudiges Wiedersehen

Ein freudiges Wiedersehen gab es für Orchester und Publikum in Joseph Haydns Cellokonzert Nr. 1 in C-Dur. Das Kammerorchester konnte den in Steffisburg aufgewachsenen Cellisten Andreas Graf als Solisten gewinnen. Er wurde bereits zu Beginn seiner Kariere vor 10 Jahren als Solist engagiert. Prägnante Wechsel von Solo- und Tuttiblöcken erinnerten an ein Concerti. Die treibende Kraft im musikalischen Wettspiel versprühte Charme und Präsenz. Cellist und Orchester «stachelten» sich darin gegenseitig an. Eine Virtuosenpartie, wie sie in der aufblühenden Wiener Klassik immer beliebter wurde, kam charakteristisch zum Ausdruck. Ein höfischer Rahmen des Spätbarock im ersten Satz stand leidenschaftlichem Virtuosentum im Finale entgegen.

Elegant phrasiert präsentierte der Solist klangliche Facetten und dynamische Schattierungen. Eindrucksvoll wirkten seine brillanten musikalischen und virtuosen Fertigkeiten. Solist und Orchester verwoben sich brillant, rhythmisch biegsam, aber nie überspitzt. Nach cantabileartigem Mittelsatz überzeugte Andreas Graf mit rasanten Passagen und in der technisch anspruchsvollen hohen Lage. Alles bewegte sich spieltechnisch auf hohem Niveau, geradezu aufregend, wie das flinkfingrige Laufwerk imC-Dur Konzert über die Saiten abzischte.

Finale mit zwei Geigen

Die Abschiedssinfonie Nr. 45 mit der mürrischen Tonart fis-Moll gehört zu Haydns «Sturm und Drang»-Sinfonien der Jahre um 1770. Im stürmischen Dreiertakt erklang das erste Allegro. Störrische Synkopen untermalten Haydns Dreiklangthema. Generalpausen und überraschende Forte-Piano-Kontraste unterstrichen den Eindruck eines von Verzweiflung getriebenen Gemüts. Sforzato-Akkorde bündelten am Ende die angestaute Energie. Zwei Hörner hatten in fis-Moll und in höheren Passagen einiges zu überwinden. Ein wildes Presto liess im Finale an Carl Philipp Emanuel Bachs Stil erinnern.

Nach stürmisch bis trotzigen Passagen setzten Geigen und Bratschen Dämpfer auf die Saiten und stimmten im lieblichen Adagio in A-Dur ein galantes Thema an. In sanften Triolen verliessen vereinzelt Musiker mit ihren Instrumenten ihre Notenpulte und verschwanden nach dem anderen durch den Kirchenraum. Zuletzt blieben zwei einsame Geiger, Konzertmeisterin Debora Fracchiolla und Dirigent Niklaus Vogel, die wehmütig wie verschmitzt im Duett die Abschiedssinfonie zu Ende spielten.

Das gleiche Programm wird das Kammerorchester Steffisburg am 14. Dezember, 17 Uhr, im Rahmen der «Konzerte zum Wochenschluss» in der Johanneskirche Thun zu Gehör bringen. Weitere Infos: www.kammerorchestersteffisburg.ch

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