Stiftung verzichtet auf Standort Weststrasse

Thun

Sie hatte sich gegen die Absage der Stadt Thun gewehrt und am Vorhaben festgehalten, neben dem Schulhaus Neufeld ein Alterspflegeheim zu errichten. Nun verzichtet die Stiftung WIA aber definitiv auf das Neubauprojekt an der Weststrasse.

Vorsitzender der Geschäftsleitung Stephan Friedli (l.), Stiftungsratspräsident Beat Straubhaar, Gemeinderat Konrad Hädener (CVP)

Vorsitzender der Geschäftsleitung Stephan Friedli (l.), Stiftungsratspräsident Beat Straubhaar, Gemeinderat Konrad Hädener (CVP)

Rund ein Jahr ist es her, dass die Stadt der Stiftung WIA – Wohnen im Alter (WIA) – ihrem Vorhaben für ein neues Alterspflegeheim an der Weststrasse eine Absage erteilte. Noch im Herbst liess die Stiftung verlauten, dass sie dennoch an dem geplanten Projekt auf der Parzelle Tiefengraben neben dem Schulhaus Neufeld festhalten wolle. Nun aber hat sie ihre Strategie geändert.

In einer am Freitag versandten Medienmitteilung schrieben die Verantwortlichen, dass sie nach dem negativen Entscheid der Stadt den vorhandenen Plan B umsetzen würden, da es keinen Sinn mehr mache, weitere Gespräche mit den Behörden anzugehen. Damit lässt die Stiftung die Pläne für das Wohnheim an der Weststrasse und mit ihnen auch ihre bevorzugte Liegenschaftsstrategie fallen.

Warum hat die Stiftung WIA nun doch die Reissleine gezogen und das Projekt Weststrasse endgültig beerdigt? «Wir haben nach dem ersten abschlägigen Entscheid der Stadt noch einmal einen Anlauf beim Gemeinderat genommen», sagt Stephan Friedli, Vorsitzender der Geschäftsleitung.

Der Gemeinderat habe in Aussicht gestellt, das Projekt noch einmal zu prüfen, und schliesslich im Mai zum zweiten Mal eine Absage erteilt. Wie es in der Medienmitteilung heisst, können die WIA-Verantwortlichen «den Entscheid der Thuner Stadtbehörden, ihnen einen Neubau an der Thuner Weststrasse zu verwehren, noch immer nicht nachvollziehen».

«Der Gemeinderat hat seinen Entscheid mit dem Bau der Dreifachturnhalle auf der Burgerallmend neben der Stockhorn-Arena begründet», sagt Stiftungsratspräsident Beat Straubhaar. «Wir sehen darin keinen Zusammenhang zu unseren Plänen auf dem Areal neben dem Neufeldschulhaus.»

Indirekter Zusammenhang

Vor einem Jahr hatte die Stadt ihren ersten negativen Entscheid bereits damit begründet, dass sie die Parzelle Tiefengraben für zwanzig Jahre für eine Schulraumerweiterung und als Landreserve für sich beanspruchen will. Der Zusammenhang, den Gemeinderat Konrad Hädener am Freitag auf Anfrage ausführte, ist ein indirekter: «Mit der geplanten städtebaulichen Entwicklung des Siegenthalerguts wird sich der Bedarf der Schulanlage Neufeld verdoppeln», sagt Hädener.

Die geplante Dreifachturnhalle neben der Stockhorn-Arena befinde sich nahe genug vom Neufeldschulhaus, sodass eine gemischte Nutzung für Schul- und Wettkampfsport infrage komme. Falls die Dreifachturnhalle aber nicht gebaut werden könne, stehe die Stadt trotzdem in der Pflicht, genügend Platz für den schulischen Sportunterricht anzubieten. «Dann bräuchten wir den Platz auf der Parzelle Tiefengraben erst recht», sagt Hädener.

Nichtsdestotrotz: Gemäss Testplanung der Stiftung WIA bietet die Parzelle genügend Platz für Schulraumerweiterung und Alterspflegeheim. Doch hierzu meint Hädener: «In dieser Testplanung rechnete die Stiftung mit Annahmen, die sie selbst getroffen hatte.»

Aufwendiger und teurer

Die Parzelle an der Weststrasse hatte die Stiftung WIA vor allem deshalb bevorzugt, weil sie wegen der bereits passenden Bauzone rasch bebaubar gewesen wäre. Sämtliche Bewohner und Mitarbeiter des Martinzentrums wären 2021 in den Neubau an der Weststrasse gezogen. Das dringend sanierungsbedürftige Martinzentrum hätte dann in einer einzigen Etappe saniert und umgebaut werden können.

«Nun ist alles viel komplizierter, viel aufwendiger, viel teurer», sagt Stephan Friedli und fügt an: «Im Martinzentrum ist die Haustechnik derart veraltet, dass wir mit der Sanierung nicht mehr warten können.» Der Plan B sieht vor, im kommenden Frühling mit den Bauarbeiten zu beginnen und sie in vier Phasen zu gliedern. Die etappierte Sanierung während des laufenden Betriebs dauert bis Sommer 2022. Nebst den negativen hat die neue Strategie für die WIA aber auch positive Aspekte. Anstatt den Standort Sonnmatt aufzugeben, wird dieser nun als Abschluss der gesamten Strategie saniert, sobald der Neubau auf der Hoffmatte bezogen werden kann. Die Sonnmatt am See sei ein sehr beliebter Standort, sagt Friedli. «Mit der neuen Strategie sind wir zudem unabhängiger von städtebaulichen Hindernissen.»

Bis 2025 will die WIA nur noch drei statt wie heute vier Alters- und Pflegeheime betreiben. Die Standorte Lädelizentrum und Hohmadpark werden aufgegeben. Insgesamt hat die neue Liegenschaftsstrategie den Abbau von 20 Pflegebetten und rund 15 Arbeitsplätzen zur Folge. «Diese können jedoch über natürliche Abgänge aufgefangen werden», sagt Beat Straubhaar.

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