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Stiefvater wegen Sex verurteilt

Das Regionalgericht in Thun verurteilte einen Mann aus der Region wegen sexueller Handlungen mit seiner Stieftochter zu einer teilbedingten Strafe von 36 Monaten.

Der Verurteilte hatte sexuelle Kontakte mit seiner Stieftochter vor deren 16. Geburtstag abgestritten. Symbolbild: Fotolia
Der Verurteilte hatte sexuelle Kontakte mit seiner Stieftochter vor deren 16. Geburtstag abgestritten. Symbolbild: Fotolia

«Aussage gegen Aussage» prägte am Mittwoch die Gerichtsverhandlung in Thun. Das Gericht in Dreier­besetzung musste herausfinden, ob der Beschuldigte in der Zeit von September 2011 bis Sommer 2015 Sexualverkehr mit seiner Stieftochter hatte.

Keine Anzeige

Ein besonderer Anlass führte dazu, dass die Polizei einschritt: Die Tochter verbrachte im Sommer 2015 eine Woche in einem Lager. Dort fand sie einen Freund. Als der Stiefvater davon hörte, reagierte er unverhältnismässig heftig und beschimpfte das Mädchen. Später fand der Stiefsohn einen Abschiedsbrief, der Mann wollte sich das Leben nehmen.

Die Familie alarmierte die Polizei, und man suchte nach ihm. Nachdem er gefunden worden war, wurde er von der Polizei über die Gründe der Selbstmordabsicht befragt. Dort erzählte er von seiner engen Beziehung zu seiner Stieftochter. Gemäss den Akten soll er gesagt haben: «Wenn sie 18-jährig ist, lasse ich mich scheiden und heirate sie.» Die Polizistin schrieb ins Protokoll: «Wenn er von ihr sprach, wirkte er wie ein verliebter Teenager.»

Wegen dieser Aussagen wurde die Stieftochter vorgeladen, wo sie dann erzählte, dass sie seit etwa drei Jahren mit ihren Stiefvater Sexualverkehr habe. Zuerst sei es nur gelegentlich zum Sexualverkehr gekommen, später dann regelmässig etwa zwei- bis dreimal pro Woche. Sie habe dies nicht gewollt und sich schlecht gefühlt.

Das stimmt nicht

Der heute 55-jährige Stiefvater leugnete bis zuletzt, mit dem Mädchen vor dessen 16. Geburtstag geschlafen zu haben. Er beschrieb ihre Beziehung so: Zwischen ihm und ihr sei es die reine Liebe gewesen. Sie hätten sich umarmt, auch geküsst und gestreichelt. Erst nach ihrem 16. Geburtstag sei es zu sexuellen Kontakten gekommen. Die Initiative dazu sei vom Mädchen gekommen. Die Nachricht, sie habe einen Freund, habe ihn ein bisschen eifersüchtig gemacht.

Eine verräterische SMS

Bis bei der Kontrolle des Mobiltelefons der Stieftochter eine SMS auftauchte, hatten die Untersuchungsbehörden nur die Aussagen der beiden Beteiligten, die sich widersprachen, und man wusste nicht wirklich, was geschehen war. Die SMS kam vom Handy des Beschuldigten. Er fragte die Stieftochter: «Wotsch no vögle?» Die SMS war am 22. April 2014 gesendet worden, da war die Stieftochter 15 Jahre alt. «Dies ist der einzige Beweis dafür, dass es vor dem 16. Geburtstag zu sexuellen Handlungen gekommen sein muss», sagten sowohl der Staatsanwalt wie auch die Anwältin des Mädchens.

Der Staatsanwalt forderte deshalb eine Strafe von 32 Monaten, die Anwältin machte klar: «In diesem Fall darf es keine bedingte Strafe geben.» Der Verteidiger des Mannes aber verlangte einen Freispruch: «Es gibt kein Geständnis, und das Mädchen kann Daten auch verwechselt haben», begründete er seine Forderung.

36 Monate teilbedingt

Das Gericht glaubte dem Mädchen, nicht zuletzt wegen der SMS und auch der Wirkungen, die die sexuellen Handlungen auf die Stieftochter haben. Sie befindet sich seit mehr als einem Jahr in einer Psychotherapie und hat nach wie vor Angst- und Panikattacken.

Der Stiefvater wurde zu einer teilbedingten Strafe von 36 Monaten verurteilt. 12 Monate davon muss er absitzen, 24 Monate werden auf Bewährung ausgesetzt. Die Probezeit beträgt zwei Jahre. Der Verurteilte muss sämtliche Kosten tragen, auch die Anwältin der Stieftochter muss er bezahlen. Die Stieftochter bekommt eine Genugtuung von 30'000 Franken.

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