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Spielräume und Kreativität in der Langzeitpflege

Die Langzeitpflege soll kreativ sein, und es sollen neue Spielräume erkundet werden. An der 21. Thuner Alterstagung wurden praktische Erkenntnisse vermittelt. Nicht zu kurz kam auch die Wichtigkeit des Humors.

Stefan Knobel, Claudia Murk und Daniel Goeudevert.
Stefan Knobel, Claudia Murk und Daniel Goeudevert.
Hans Kopp

Das alles sei leichter gesagt als ­getan, meinte Stefan Knobel, Pflegeexperte, Kinaesthetics-Ausbildner und Kybernetiker aus Schübelbach gestern an der 21. Thuner Alterstagung im Con­gress Hotel Seepark. «Die Spielräume lägen in uns – sie wollen entdeckt werden», so eine seiner Feststellungen. «Wir müssen die Pflege neu denken», führte er unter anderem aus.

«Wir müssen die Pflege neu denken.»

Stefan Knobel

Um im Pflegealltag Freude und Kreativität zu leben, reichten Appelle an die Haltung der Pflegenden nicht aus, ist er überzeugt. Ein steiniger Weg liege vor uns, wenn wir dies in die Tat umsetzen wollen. Als Steine im Weg ortet der Pflegeexperte die beruflichen Denkmodelle. Es gelte, sowohl die Individualentwicklung (Ontogenese) wie auch die Krankheitsentwicklung (Pathogenese) einzubeziehen.

Unterstützung als Hauptaufgabe

Als Hauptauftrag in der Pflege bezeichnete Knobel die Unterstützung der Menschen in ihren alltäglichen Aktivitäten. Deshalb komme der Qualität der Unterstützung beim Waschen, Fortbewegen, Ankleiden et cetera eine enorme Bedeutung zu. «Das Kernprodukt der pflegerischen Tätigkeit, nämlich die individuelle Selbstständigkeit und Lebensqualität, bedingt aber das Verständnis für die Individualentwicklung», sagte Knobel.

Sie führe bereits nach dem von Knobel empfohlenen Prinzip, sagte eine Pflegedienstleiterin eines 90 Betten zählenden Pflegeheims auf Nachfrage dieser Zeitung. «Wir müssen alte Muster loslassen und die Pflegenden befähigen, Spielräume zu nutzen», lautet ihr Credo.

Ein Seitenhieb galt der Politik: «Sie können von Politikern nicht erwarten, dass sie wissen, was Pflege heisst», meinte Knobel. Die Langzeitpflege sei kein Problem für die Volkswirtschaft, sondern der wichtigste Teil der ­Lösung.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Mehr als nur eine Prise Humor brachte die Psychiatriepflegefachfrau und Gerontobeauftragte Claudia Murk aus dem bündnerischen Maienfeld.

In einem wahren, immer wieder von schallendem Gelächter begleiteten Feuerwerk zeigte sie den rund 200 in ­Alters- und Pflegeheimen, in Spitälern und bei der Spitex tätigen Mitarbeitenden aus allen Teilen der Deutschschweiz auf, wie sie den Humor in ihren Alltag integrieren können.

«Pflegen Sie den eigenen Humor.»

Claudia Murk

Gerade in schwierigen Situationen im Pflegealltag, die nicht zum Lachen seien, sei es eine besondere Herausforderung, gelassen zu bleiben und bestenfalls humorvoll zu reagieren. «Pflegen Sie den eigenen Humor, opfern Sie sich nicht auf, sondern entwickeln Sie einen positiven Egoismus», gab sie den Fachleuten zur Bewältigung des Alltags mit auf den Weg.

In der von Marcel Sonderegger (Schulung, Beratung und Entwicklung in Sursee) organisierten Tagung trat als einziger Nichtfachmann Daniel Goeudevert auf.

«Ihr habt einen Superberuf!»

Daniel Goeudevert

Der in Steffisburg lebende Industriemanager, Buchautor, ehemaliges Mitglied des Club of Rome und des Internationalen Grünen Kreuzes beleuchtete in seinem Referat Analogien und Parallelen zu den Institutionen Heim und Spitäler. «Ihr habt einen Superberuf!», machte er den Pflegeleuten Mut.

Neben den erwähnten Referaten wurden auch Themen wie Perspektivwechsel als Chance, Spielräume für die Selbstpflege und die Nutzung von Ressourcen im Alltag näher beleuchtet.

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