Speisen und schlafen im Schloss Schadau

Thun

Das Schloss Schadau bleibt von Herbst 2017 bis Frühling 2019 für eine umfassende Sanierung geschlossen. Mit einem neuen Restaurant und Gästezimmern will die Stadt Thun das Schloss besser nutzen.

Das Schloss Schadau in der Abendstimmung: Nach einer Sanierung und einer Nutzungsänderung soll es noch attraktiver werden.

Das Schloss Schadau in der Abendstimmung: Nach einer Sanierung und einer Nutzungsänderung soll es noch attraktiver werden.

(Bild: Patric Spahni)

Das Schloss Schadau ist schon heute eines der aussergewöhnlichsten Gebäude der Stadt. Künftig soll es noch attraktiver werden und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dies will der Gemeinderat mit einer umfassenden Sanierung nun in die Wege leiten. Bereits vor einem Jahr war das Mietverhältnis mit dem aktuellen Betreiber des Restaurants Arts, Guy Friedli, per Ende Oktober 2017 aufgelöst worden.

Heute sind im denkmalgeschützten Gebäude ein Gourmetrestaurant, eine Wohnung und das Gastronomiemuseum untergebracht. Das Schloss Schadau ist seit 1925 im Eigentum der Stadt Thun. Seither wurde die Aussenhülle nach und nach saniert. Mit dem Einbau der Haustechnik hat die Stadt 1987 den Ganzjahresbetrieb ermöglicht.

Schlafen im Denkmal

«Im Hinblick auf eine Neuausrichtung liess der Gemeinderat den Thuner Markt analysieren und von Fachleuten ein Nutzungskonzept erstellen», hielt die Stadt gestern in einer Medienmitteilung fest. Gemeinsam mit der Denkmalpflege seien ­Lösungen gesucht worden, die gleichzeitig den Erhalt des Kulturgutes sowie dessen wirtschaftliche Zugänglichkeit ermöglichen sollen. Das Nutzungskonzept sieht vor, die Wohnung und das Gastronomiemuseum als Gästezimmer umzunutzen und so ein «Schlafen im Denkmal» zu ermöglichen. «Ein Hotel im klassischen Sinn ist angesichts der räumlichen Verhältnisse nicht möglich», präzisierte Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP).

Sechs bis neun Zimmer

Gemäss den Stadtratsunterlagen können im 1. und 2. Obergeschoss sechs bis neun Gästezimmer mit eigener Nasszelle eingebaut werden. Zu den eigentlichen Gästezimmern könnten zwei bis drei sogenannte Schaltzimmer dazugemietet werden, um eine Raumfolge (Familieneinheiten) zu bilden. Für die genaue Bestimmung der Anzahl Zimmer seien weitere bauliche Untersuchungen und denkmalpflegerische Abklärungen erforderlich. Die seeseitigen grosszügigen Räume im 1. Obergeschoss werden weiterhin dem Gastronomiebereich zugeordnet. Sie können flexibel als Seminarräume, für Privatanlässe und als Frühstücksräume dienen.

Während der heutige Gastronomiebetrieb konzept- und ­infrastrukturbedingt schwergewichtig auf geschlossene Anlässe und Bankette ausgerichtet sei, sollen künftig in einem offeneren Gastrokonzept vermehrt auch Tageskunden angezogen werden. Dies bedinge laut Experten eine Fertigungsküche im Erdgeschoss. Offen bleibe die Option, das Museum in das Gastronomiekonzept zu integrieren. Dadurch könnte das Museum auch nach der Sanierung im Schloss bleiben.

Kosten bis 11,4 Millionen

Für die Realisierung der Sanierung und die Neuausrichtung rechnet die Stadt mit Kosten von 7,6 bis 11,4 Millionen Franken. Die grosse Spannbreite der Kostenschätzung erklärt Lanz mit dem frühen Planungsstand. Zudem gebe es bei der Sanierung von historischen Bauten grössere Unsicherheiten als üblich. Offen sei auch, in welchem Rahmen sich die kantonale Denkmalpflege an der Sanierung beteiligen wird. «Wir werden auch abklären, ob von anderen Stellen wie etwa dem Lotteriefonds Beiträge zu erwarten sind», sagte Lanz.

Keine Minimallösung

Das Gebäude ist in mehreren Bereichen sanierungsbedürftig. Insbesondere die Lebensdauer der Lüftungs- und Heizungsanlage sei abgelaufen, weitere Installationen seien betrieblich nötig. Auch die Tapeten und die Decken der historisch wertvollen Innenräume müssten dringend saniert werden, um weitere Schäden zu vermeiden.

Gipser- und Malerarbeiten stehen an, und die kunstvolle Steintreppe soll fachgerecht restauriert werden. «Eine Minimalsanierung ohne betriebliche Änderungen wäre sicher günstiger zu haben», räumt Lanz ein. Man wolle aber die jetzige Chance für eine langfristige Neuausrichtung nutzen und «die Sanierung sehr sorgfältig machen», betonte Lanz. Deshalb solle nicht nur das Allernötigste gemacht werden.

Im Frühjahr 2019 fertig

Doch zuerst muss nun der Stadtrat sein Okay geben. Er befindet am 27. Oktober über den Investitionsanteil von 339 500 Franken. Die Gesamtkosten für Planung und Projektierung belaufen sich auf 970 000 Franken. Der Gemeinderat hat den Kredit für den baulichen Unterhalt von 630 500 Franken bereits gesprochen.

Stimmt der Stadtrat dem Planungs- und Projektierungskredit sowie im Herbst 2017 auch dem Ausführungskredit zu, solle unverzüglich mit den Bauarbeiten begonnen werden. Der neue Betrieb könnte dann im Frühjahr 2019 eröffnet werden. Die Ausschreibung eines neuen Pächtervertrags ist per Frühjahr 2017 vorgesehen. Das soll laut Lanz ermöglichen, den künftigen Betreiber in die Planung miteinzubeziehen. Gleichzeitig werde für die Bauzeit ein Übergangsangebot geprüft. «Da warten wir noch auf die zündende Idee», so Lanz.

Berner Zeitung

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