Zum Hauptinhalt springen

Sind Frauen über 50 out?

Welche Perspektiven haben Frauen über fünfzig? Wird ihr Potenzial ausgeschöpft? An einem Netzwerkabend im Hotel Seepark gab es Antworten.

Die Teilnehmer am Anlass «Sind Frauen über fünfzig out?» (v.l.): Petra Stute, Anna Barbara Remund, Bettina Baur, Martin Strehlund Claudine Esseiva.
Die Teilnehmer am Anlass «Sind Frauen über fünfzig out?» (v.l.): Petra Stute, Anna Barbara Remund, Bettina Baur, Martin Strehlund Claudine Esseiva.
Margrit Kunz

Zwei Thuner Clubs, die Business Professional Women BPW Thun und der Serviceclub Soroptimist International Thun, organisierten am Mittwoch gemeinsam einen öffentlichen Abend zur Frage, ob Frauen über 50 out sind. Über siebzig Frauen folgten den interessanten Ausführungen. Bettina Baur, Direktorin Metaberatung und Expertin für Talentauswahl und -entwicklung, berichtete im Einstiegsreferat aus ihrem Berufsalltag. Sie sagte, dass Frauen oft der Mut fehle, aus der Komfortzone hinauszugehen. Oft wissen Frauen auch nicht, was sie wollen, aber sie wissen, was sie nicht wollen.

Positiv beurteilt Bettina Baur, dass Frauen über fünfzig über viel Erfahrung verfügen. Oft seien Frauen in den Wechseljahren aber für andere auch irritierend. Die Hormone spielen verrückt. Die Stimmungen schwanken. Sie rät, Frauen sollen sich für sich selber hübsch machen, das mache sie in der Gesellschaft sichtbar. Will eine Frau im Beruf vorwärtskommen, muss sie bis vierzig die untersten Karrierestufen alle genommen haben. Mit Teilzeitarbeit unter 50 Prozent sei keine Führungsposition zu erreichen, sagt Baur. «Hat man sich für die Karriere entschieden, dann heisst es beissen, nicht verkrampft, sondern mit Charme.»

Was muss Frau machen?

Alle Podiumsteilnehmerinnen – Mann inklusive – waren sich einig: Frauen über fünfzig sind nicht alt. Frauen dürfen den Faden zur Berufswelt nie abreissen lassen, sie müssen fachlich dranbleiben. Familienzeit mache krisenresistent, das könne ein gutes Bewerbungskriterium sein. Wichtig sei, das berufliche Netzwerk zu pflegen und beim Wiedereinstieg diese Beziehungen auch zu nutzen. Und nicht zuletzt lautete die Forderung auf dem Podium: Ein bisschen mehr Bluffen und Gas geben.

Alles Experten

Das Podiumsgespräch, geleitet von BPW-Mitglied und FDP-Politikerin Claudine Esseiva vereinte drei Persönlichkeiten, alle gehören zur Gruppe der 50+: Sie hielten ihre wichtigsten Erkenntnisse fest. Petra Stute, (Professorin mit Spezialgebiet Endokrinologie) bestätigte die Bedeutung der Hormone für die Frauen. «Viele erleiden eine Art Kontrollverlust über ihren Körper, schlafen schlecht». sagte sie. Dies führe oft zur Selbstreflexion mit der Frage, «was will ich noch für mich in der Zukunft?». Eine weitere Herausforderung sei die Konkurrenz durch Jüngere.

Martin Strehl – unter anderem lange Jahre Mitinhaber der Thuner Schleuniger-Gruppe – erlebte gerade, wie es sich anfühlt als einziger Mann unter über siebzig Frauen. «Sonst ist es wohl eher umgekehrt, eine Frau unter lauter Männern.» Frauen über fünfzig sind für ihn als Unternehmer ein grosses Thema. Wegen der Demografie werden in den nächsten Jahren viele pensioniert. Sie können unter anderem ersetzt werden durch Frauen über fünfzig. Frauen, die Teilzeit unter 50 Prozent arbeiten, werden jedoch keine Karriere mehr machen. «Darum müssten Frauen mehr arbeiten», rät auch er. Leider würden sie durch unser gesellschaftliches System gebremst.

Anna Barbara Remund, Abteilungschefin Infrastruktur beim Bundesamt für Verkehr, muss wegen Pensionierungen viele Stellen neu besetzen. Das gebe ihr die Möglichkeit, Frauen aktiv zu fördern. «Das Arbeitspensum beträgt mindestens 60 Prozent, jedoch ist auch ein Tag pro Woche Homeoffice möglich», sagte sie. Sie stellt fest, dass Männer und Frauen über fünfzig, wenn sie es sich leisten können, nicht mehr voll berufstätig sein wollen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch