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«Schiessen ist Leistungssport»

Ueli Brügger dachte früher, er schiesse gut. Heute weiss es der Hilterfinger besser. Als Präsident der Vereinigten Schützengesellschaften Thun konnte er die Veränderungen über dreissig Jahre lang beobachten.

Gabriela Sterchi
Ueli Brügger vor der Schiessanlage Guntelsey. Er war Präsident der Vereinigten Schützengesellschaften Thun.
Ueli Brügger vor der Schiessanlage Guntelsey. Er war Präsident der Vereinigten Schützengesellschaften Thun.
Patric Spahni

«Vor 200 oder 300 Jahren wurde im Lachen noch Richtung See geschossen. Damals war der Thunersee noch der Kugelfang», sagt Ueli Brügger (72), ehemaliger Präsident der Vereinigten Schützengesellschaften Thun (VSGT).

Vor etwa 100 Jahren wurde im Glütschbachtal die «alte Guntelsey» gebaut – dort haben vorerst nur die Schützenvereine aus dem Gwatt und dem Strättligen geschossen. 1967 wurde dann am selben Ort die jetzige Guntelsey errichtet.

«Als die Armee dann eine grössere Schiessanlage brauchte, hat man die Guntelsey gemeinsam mit der Stadt Thun realisiert», erklärt Brügger. Ab diesem Zeitpunkt mussten alle 13 Vereine der Gemeinde Thun in der Guntelsey schiessen. Die Stadt habe wegen der Kosten und des Lärms nur noch die eine Anlage unterhalten wollen, sagt er weiter.

Schützen betreiben häufig Leistungssport

«Für unsere Grossväter bedeutete Schiessen, dass man das Gewehr nimmt und für die Armee üben geht», sagt der ehemalige Präsident der Guntelsey. Heute sei das nicht mehr so: «Schiessen ist zum Leistungssport geworden.» Die 10-Punkte-Fläche musste sogar in Hundertstel unterteilt werden, weil viele Schützen in diesen Bereich treffen.

«Ansonsten könnten keine Ranglisten mehr erstellt werden», erklärt der in Hilterfingen Wohnende. Wenn ein Sportschütze nicht mindestens eine Zehn schiesse, so sei dies ein Fehlschuss für ihn, ist Brüggers Meinung.

Der Schütze erinnert sich, dass für ihn ein Zehner-Treffer stets ein «Kribbeln» ausgelöst habe, weil er sich so freute, in die Mitte zu treffen. «Ich dachte früher, ich hätte gut geschossen», ergänzt der Schütze lachend.

Es gebe heute wesentlich mehr Schützen, die ambitionierten Schiesssport betrieben. Gleichzeitig lassen sich heute jedoch kaum noch junge Leute finden, die bereit seien, in einem Verein anzupacken, gibt er zu. Von den einst dreizehn Schiessvereinen in Thun sind noch acht übrig geblieben: «Wenn es irgendwann keinen Nachwuchs mehr hat, müssen noch mehr Vereine ihre Tätigkeiten aufgeben», sagt er.

Eine Metropole für Schützen

Die Schiessanlage Guntelsey in Allmendingen ist die grösste Freiluft-Schiessanlage der Schweiz und eine der grössten permanent betriebenen auf der Welt. Die Anlage gehört zu 60 Prozent der Stadt Thun, der restliche Anteil von 40 Prozent ist im Besitz der Schweizer Armee. Viele nationale und internationale Anlässe werden dort durchgeführt. «Die Guntelsey ist auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Thun. In der Regel sind die Hotels während solcher Anlässe ausgebucht», sagt Ueli Brügger.

Es hätten bereits Anlässe abgesagt werden müssen, aufgrund der ausgebuchten Hotelzimmer. Mitorganisiert werden Anlässe immer von den VSGT und somit bis zu diesem Jahr auch von Vereinspräsident Ueli Brügger.

Die VSGT sind zwar ein Verein, jedoch kein Schiesssportverein. Sie sind eher ein Verwaltungsverein und verantwortlich für die Organisation rund um die Guntelsey. «Wir sind zuständig dafür, dass die zivilen sowie die nationalen und internationalen Anlässe aneinander vorbeikommen», so der Hilterfinger.

«Ich wollte eigentlichfrüher aufhören»

«Ich bin kein typischer Schütze», sagt Ueli Brügger über sich. Mit dem Schiessen habe er dazumal durch das Militär begonnen. Einen gewissen Plausch am Schiessen habe er zwar gehabt, doch seine Motivation sei eine andere gewesen: «Ich bin Offizier, und als solcher hatte ich das Gefühl, ich müsse meinen Rekruten das Schiessen beibringen können», sagt er.

Brügger ist seit Jahren mit der Guntelsey verbunden: Als Schiesssekretär war er bei der Feldschützen-Gesellschaft Gwatt 12 Jahre lang zuständig für die Durchführung des obligatorischen Schiessens der Rekruten. 1996 wurde Ueli Brügger dann angefragt, ob er im Vorstand der VSGT arbeiten möchte: «Damals dachte ich, dass ich für vier bis fünf Jahre bleibe.»

Schlussendlich war er nun knapp 23 Jahre Präsident der Gesellschaft und trat im Frühjahr 2019 zurück. «Ich wollte eigentlich früher aufhören», gibt er zu, doch nun möchte er bis und mit nächstem Jahr noch seinem Nachfolger Kaspar Knaus zur Seite stehen, bevor er mit der Guntelsey abschliesst.

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