Ärzte wollen Spital in Saanenmöser

Saanenland

Nach der Kritik des Zweisimmner Grossrats Hans-Jörg Pfister zur Konzentration der Akutversorgung in Saanen melden sich die regionalen Ärzte zu Wort. Sie stellen sich hinter den STS-Verwaltungsrat – und ein Spital in Saanenmöser.

24 der 26 Ärzte des Obersimmentals und des Saanenlandes akzeptieren den Entscheid des STS-Verwaltungsrats. Die Verantwortlichen der Spital Simmental–Thun–Saanenland AG wollen ab Ende 2009 die Akutversorgung für das Obersimmental und das Saanenland im Spital Saanen konzentrieren. Zweisimmen soll zu diesem Zeitpunkt ein Kompetenzzentrum für Menschen im dritten Lebensabschnitt werden. Vehement gegen diese Pläne ist der Zweisimmner FDP-Grossrat Hans-Jörg Pfister (siehe BO vom Samstag). Er findet es zudem falsch, dass die regionalen Ärzte über den Standort mitreden durften. Nun meldet sich der Lenker Arzt Beat Haehlen. Er wurde von der Ärzteschaft zum Sprecher für das Thema «Spitalstandort Obersimmental–Saanenland» bestimmt.

Beat Haehlen, warum melden sich die Obersimmentaler und Saaner Ärzte zu Wort?

Weil wir der Bevölkerung einiges mitzuteilen haben. Zum Beispiel, dass 24 der 26 Obersimmentaler und Saaner Ärzte erst seit Ende September mit dem Verwaltungsrat der STS?AG zusammenarbeiten. Vorher plante die STS völlig unabhängig. Die regionale Ärztegruppe akzeptiert den Entscheid des STS-Verwaltungsrats, in Saanen eine Akutversorgung und in Zweisimmen ein Kompetenzzentrum für das dritte Lebensalter zu schaffen.

Warum?

Weil der STS AG dieser Entscheid zusteht. Dies auf Grund des kantonalen Spitalversorgungsgesetzes. Dieses sagt, dass die Kompetenzen weg von den Standortgemeinden zum Kanton gehen. Der vom Regierungsrat eingesetzte Verwaltungsrat einer Spital AG hat weit gehende Kompetenzen. Unter anderem entscheidet er auch über den Spitalstandort. Dies haben die Petitionäre vergessen, als sie Unterschriften für ein neues Akutspital in Zweisimmen sammelten.

Sie kritisieren die Petition «für ein neues Akutspital in Zweisimmen». Immerhin haben 12000 Leute unterschrieben!

Ich habe persönlich beobachtet, wie an einer Sesselbahn-Talstation im Gedränge Unterschriften gesammelt wurden. Die angesprochenen Skifahrer hatten nie die Möglichkeit, sich seriös mit dem Petitionstext zu beschäftigen. Von anderer Seite habe ich gehört, dass viele Unterschreibende gar nicht aus der Region stammen und zum Teil sogar ausländische Gäste waren. Das ist ein Nebenschauplatz. Wichtiger scheint mir, dass gezielt desinformiert wurde: Mit dem Hinweis auf Verlust von Arbeitsplätzen, was absolut nicht stimmt. In Saanenmöser bliebe der Grossteil der Arbeitsplätze erhalten; Arbeitnehmer aus Zweisimmen würden weiterhin dort wohnen und auch dort Steuern bezahlen. Auch ein neues Spital am alten Standort stand nie zur Diskussion, wie es die Petition vorgab. Das ist eine bewusste Falschinformation.

Sie kritisieren die Petition, nicht aber das Gutachten von Gesundheitsökonom Willy Oggier. Dieser schlägt an Stelle der heutigen beiden Akutspitäler zwei Gesundheitszentren vor.

Willy Oggier ist ein absolut anerkannter Gesundheitsökonom. Seine Sicht war ausschliesslich betriebswirtschaftlich. Der einzige Vorwurf war, der Verwaltungsrat nehme zu viel Rücksicht auf die Volkswirtschaft der Region.

Denkt die regionale Ärzteschaft auch volkswirtschaftlich?

Ja, natürlich. Beide Akutspitäler zu schliessen, wäre eine Katastrophe für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung. Der Verlust von Arbeitsplätzen wäre schlecht für die Volkswirtschaft. Mit dem Entscheid für ein Spital Saanen wurde ein wichtiges Ziel erreicht.

Sie haben weitere Ziele?

Ja. Wir regionalen Ärzte akzeptieren den Standort Saanen für die Akutversorgung. Aber für das Obersimmental ist Saanen wegen der grossen Distanz nicht optimal. Saanenmöser wäre sieben Kilometer näher. Hier könnte man ein modernes, patientengerechtes Spital bauen.

Wie vehement werden sich die 24 Ärzte, die Sie vertreten, für den Spitalneubau in Saanenmöser einsetzen?

Wir haben unsere Meinung dem Verwaltungsrat der STS AG mitgeteilt. Aber zuerst muss der politische Widerstand beendet werden. Er beginnt zu bröckeln...

Wie stellen Sie dies fest?

Der STS-Verwaltungsrat will eng mit dem Vorstand der Bergregion Obersimmental–Saanenland zusammenarbeiten. Dieses Gremium hat die Weitsicht, sich für den optimalen Standort Saanenmöser einzusetzen. Auch der Gemeinderat Lenk ist dafür; dies weiss ich aus sicherer Quelle. Zwar akzeptiert man das Szenario Saanen, aber man würde Saanenmöser bevorzugen: Lenk– Saanenmöser sind 20, Lenk– Thun sind 55 Kilometer.

Genügen diese Argumente?

Es gibt noch viele: Die Angestellten der Spitäler Saanen und Zweisimmen – viele leben seit Jahrzehnten in der Region – sollen ihre Arbeitsplätze behalten können; nicht zuletzt sind es gute Steuerzahler. Ein weiteres Argument sind die Kosten: Wir haben bereits ein ganzes Jahr verloren. Vollbetrieb in Zweisimmen und Saanen bedeutet rund vier Millionen Franken Defizit pro Jahr, ohne Mehrwert für die Bevölkerung! Einen Neubau – irgendwo in Saanenmöser – zu boykottieren, bedeutet, gegenüber den Patienten und aus volkswirtschaftlicher Sicht verantwortungslos und dumm zu handeln! Die Gesundheitsversorgung in Saanenmöser sichert Arbeitsplätze im Obersimmental und im Saanenland, und es fallen für über 20 Millionen Franken Bauarbeiten für das lokale Gewerbe an. Ein einziger Akutbetrieb rund um die Uhr in Saanenmöser hilft Geld sparen ohne Qualitätsverlust. Zudem ist Saanenmöser ein günstiger Standort für die Ambulanz beider Regionen.

Berner Oberländer

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