Rüegseggers «unglaubliche Tour»

Vor 150 Jahren

Der Thuner Bergwanderer Fritz Rüegsegger absolvierte eine Bergtour, für die er insgesamt 22 Stunden unterwegs war.

Die 22-stündige Wanderung von Fritz Rüegsegger führte ihn auch über die Grosse Scheidegg nach Grindelwald.<p class='credit'>(Bild: Bruno Petroni)</p>

Die 22-stündige Wanderung von Fritz Rüegsegger führte ihn auch über die Grosse Scheidegg nach Grindelwald.

(Bild: Bruno Petroni)

Dem «Thuner Blatt» war am 2. Oktober 1867 eine nicht alltägliche Bergwanderung folgende Meldung wert: «Der bekannte Bergwanderer Fritz Rüegsegger aus Thun machte letzten Sonntag diese unglaubliche Tour: Start um 1 Uhr morgens in Thun.

Schwarzenegg – Süderen – Schallenberg – Schangnau – Kemmeribad – Brienzergrat – Brienz – Meiringen – Grosse Scheidegg – Grindelwald – Wengernalp – Lauterbrunnen – Interlaken – Leissigen – Spiez – Thun.» Um 11 Uhr abends habe Rüegsegger sich wieder zu Hause in Thun eingefunden und sei am nächsten Morgen pünktlich zur Arbeit im «Büreau» gewesen.

Was vor 150 Jahren sonst noch für Schlagzeilen sorgte:
2.10.1867 Lebensmittelpreise in Thun. Anken in Ballen à 1 Pfd. Fr. -.95 bis 1. Kartoffeln per Zentner 3 bis 3.50. 9 bis 10 Eier für 60 Cts.

2.10.1867 Letzten Montag fand die grosse Hauptübung der Feuerwehr statt. Diese wurde an der Kreuzgasse durchgeführt, wo die Gasse am schmalsten und unzugänglichsten, die Häuser aber am höchsten und die Treppen am schmalsten sind.

2.10.1867 In einem Acker des Hrn. Baumann in Allmendingen, Unterweibel in Thun, wurden Erdäpfel von 1½ Pfund das Stück geerntet.

5.10.1867 Wie wir erfahren, soll von Interlaken aus an dem Zustandekommen einer Eisenbahn Thun – Interlaken gewirkt werden und eine französische Gesellschaft auf eigene Rechnung Pläne erstellt haben. 1) Dem linken Seeufer nach. 2) Von Thun durch das Kandergrien nach Hani und Reutigallmend und von da über die Simme und Kander gegen Spiez.

5.10.1867 Sl. Ummel, Uhrenmacher, gab Hrn. Carl Fues, Schneidermeister, unterm 24. Sept. abhin, wegen ihm zugefügter Ehrverletzung, resp. Creditschädigung, Genugtuung.

5.10.1867 Dampfbäder, probates Mittel gegen die Cholera, bei Rud. Immer-Gerber, Lampiste in Thun.

5.10.1867 Hr. Dr. Charbey, Zahnarzt aus Paris, ist in Thun eingetroffen und täglich von 8 Uhr morgens bis 5 Uhr abends in seinem Zimmer im Rathaus zu sprechen.

8.10.1867 Wir machen das Tit. Publikum besonders auf das heute Abend stattfindende Concert der Basler Capelle à la Strauss im unteren Falkensaale aufmerksam.

9.10.1867 Die Lehrlinge und Gehülfen des Handwerkerstandes, die sich am neuen Unterrichtskurs der Fortbildungsschule zu beteiligen wünschen, werden eingeladen, sich am 12. Oktober im Schulhaus auf dem Berg einzufinden und Freunde und Bekannte darauf aufmerksam zu machen.

12.10.1867 Während noch nicht alle Baumfrüchte eingeheimst sind und Kartoffeln, Rüebli und Kabis noch draussen stehen, hat es Donnerstag bereits den ganzen Tag geschneit. Dächer und Wiesen sind dicht mit Schnee überdeckt.

16.10.1867 Diejenigen Hausbesitzer Thuns und Umgebung, die im Falle der Ausführung der Wasserversorgung ihre Liegenschaft mit gutem Trinkwasser versorgen wollen, aber noch keine Formulare zur Einschreibung erhalten haben, können sich beim Unternehmer, B. Studer, Ingenieur, melden.

16.10.1867 Mit Rücksicht auf das Wegfallen des Viehmarktes am letzten Jahrmarkt in Thun wird die Abhaltung eines zweiten Jahrmarktes daselbst auf Montag, den 21., dies bewilligt, insofern dannzumal kein Stallbann und überhaupt kein gesetzliches Hindernis mehr bestehen werden.

19.10.1867 Bei Chr. Ebertz, Drechsler, gegenüber dem Ochsen in Thun, sind Stricknadeln von Bein und Holz zu billigen Preisen zu haben.

19.10.1867 Seit dem 15. Oktober verkehren die folgenden Züge nach Bern: Thun ab 7.42, 12.20, 4.55 und 7.15. Drei Schiffe fahren täglich nach Neuhaus: 7.50, 11.20 und 3.30 Uhr.

23.10.1867 G. Aeschbach zum Schwanen in Thun kauft fortwährend altes Eisen, Kupfer und ­Messing.

23.10.1867 Am Extramarkt waren Handel und Verkehr nur gering. Fremde Handelsleute waren so gut wie keine anwesend und die einheimischen voll Klagen. Der Viehmarkt war voll von oben bis unten, es standen auf dem Platz 1118 Stück, aber wegen der Abwesenheit der fremden Händler, besonders der Juden, wurde doch im ganzen wenig verkehrt.

23.10.1867 Nervöse Leiden, Fallsucht, Veitstanz, Schleim- und Nervenfieber, Melancholie, Engbrüstigkeit, Zittern, Magenkrämpfe, Herz- und Lungenkrankheiten und Cretinismus behandelt brieflich und wendet Scheu-fu und Tieng-kuei-sum und Kre-se-yu und Tung-tschen mit sehr befriedigendem Erfolg an. C. Greutel, Méd. Dr. Unterstrass, Zürich.

26.10.1867 Die wegen der Maul- und Klauenseuche verschobene Viehschau in Thun wird Freitag, den 8. Wintermonat, abgehalten.

26.10.1867 Johann Jenni, Bäckermeister an der Kasernenstrasse, hat das Pintenwirtschaftspatent von Gottl. Aeschbach, bisher im Haus von Schlossermeister Saml. Fritz ausgeübt, erworben. Er gedenkt, damit ab 11. November eine Wirtschaft in seinem neu erbauten Wohnhaus an der Kasernenstrasse auszuüben.

26.10.1867 Wegen Aufgabe des Geschäftes wird A. Moser, Speisewirt Zum kleinen Kreuz im Rosengarten, Mobiliar und Einrichtung aus freier Hand verkaufen.

30.10.1867 Diejenigen Personen, die für das Jahr 1868 eine Kaffee- oder Küchliwirtschaft auszuüben gedenken, haben sich bis und mit dem 9. November nächsthin auf der dasigen Gemeindeschreiberei anschreiben zu lassen.

Quelle: Stadtarchiv Thun

mbs

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt