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Rochade schlägt hohe Wellen

In den Kommentarspalten dieser Zeitung und in sozialen Medien macht sich Unmut darüber breit, dass in Oberdiessbach Christoph Joss seinen Gemeinderatssitz Antonietta Arnet überlässt.

Malerisches Oberdiessbach: So idyllisch dieses Bild anmutet, so kontrovers wird die Gemeinderatsrochade der SP diskutiert.
Malerisches Oberdiessbach: So idyllisch dieses Bild anmutet, so kontrovers wird die Gemeinderatsrochade der SP diskutiert.
Patric Spahni

Von «faulem Zauber und Wahlbetrug» ist in sozialen Medien die Rede. Es wird die Frage aufgeworfen, warum man überhaupt wählen gehe. Jemand meint la­konisch: «Alle Macht den Parteifunktionären?»

Auf der Website dieser Zeitung schreibt ein Leser, Antonietta Arnet werde in Oberdiessbach «an die Macht geputscht»: Die Reaktionen waren zum Teil heftig, nachdem bekannt geworden war, dass Christoph Joss (SP) auf sein Amt als Gemeinderat verzichtet und so den Weg freimacht für die abgewählte Vorsteherin des Ressorts Bildung.

Proporz-Opfer

Rückblende: Am 25. September wurde Joss als bester SP-Vertreter wiedergewählt, Arnet fiel dem Proporz zum Opfer: Weil EVP und SVP ihren Wähleranteil zulasten von SP und FDP steigern konnten, fiel das Restmandat bei den Proporzwahlen anders als noch 2013 der SVP zu. Diese hat neu drei Vertreter im Rat. Die SP, die 2013 noch vom Restmandat profitierte, hat nur noch einen Sitz.

Verständnis bei den Parteien

Wie schon vor vier Jahren wählten die Oberdiessbacherinnen und Oberdiessbacher die einzige Frau im Rat ab ­– ein Umstand, der bereits bei der Bekanntgabe des Wahlresultates bei den Vertretern aller Parteien Unverständnis auslöste.

«Ich habe keine Freude, Christoph Joss als Ratskollegen zu verlieren. Aber ich freue mich, dass Antonietta Arnet Teil des Gremiums bleibt.»

Hanspeter Schmutz, EVP

Während im Volk – scheinbar vor allem ausserhalb des Dorfes – die Entrüstung bisweilen gross ist, hält sich der Unmut zumindest bei Oberdiessbachs Politikern in Grenzen: «Ich habe keine Freude, Christoph Joss als Ratskollegen zu verlieren. Aber ich freue mich, dass Antonietta Arnet Teil des Gremiums bleibt», sagt EVP-Präsident und Gemeinderat Hanspeter Schmutz, «eine Frau tut uns gut!»

Gleichzeitig weist Schmutz darauf hin, dass die SP damit einen Fehler ausbügle, der ihr vor acht Jahren passiert sei: Damals trat die gewählte Maria Blaser-Böhlen ihr Amt aus beruflichen Gründen nicht an und machte Platz für einen Mann.

FDP-Präsidentin Franziska Vogt lässt durchblicken, dass Joss’ Rücktritt nicht ganz überraschend kam. «Die SP hat alles in die Waagschale geworfen und mit allen Kräften versucht, zwei Sitze zu halten», sagt sie. «Nachdem diese Taktik nicht aufgegangen ist, ist das gewählte Vorgehen zwar kaum ganz wählergerecht, aber trotzdem verständlich.»

«Die SP hat alles in die Waagschale geworfen und mit allen Kräften versucht, zwei Sitze zu halten.»

Franziska Vogt, FDP

Niklaus Hadorn, langjähriger SVP-Gemeinderat, erklärt, dass er den Wunsch nach einer Frauenvertretung im Gemeinderat «durchaus nachvollziehen» könne. Das Vorgehen der SP taxiert indes auch er als «demokratiepolitisch heikel» und fügt an: «Wir könnten eine solche Rochade auf jeden Fall nicht machen. Das würde nicht goutiert.»

Arnet bleibt motiviert

«Ich bin mir durchaus bewusst, dass meine Arbeit in den kommenden vier Jahren noch genauer beobachtet wird als ohnehin», sagt Antonietta Arnet selber. Dass das Vorgehen der Partei heikel sei, sei allen bewusst gewesen.

«Wir haben auch sehr kontrovers diskutiert», sagt sie. «Allerdings habe ich bisher aus allen politischen Lagern mehrheitlich positive Rückmeldungen erhalten – nicht zuletzt auch auf meine Arbeit für die laufende Reorganisation der Schule.»

Ob Antonietta Arnet diese auch in den nächsten vier Jahren vorantreiben kann, ist indes noch offen: Der Gemeinderat verteilt die Ressorts am 27. November.

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