Reisen ohne schlechtes Gewissen?

Fliegen schadet der Umwelt, Bahnfahren ist teuer und umständlich. Ja was denn nun, fragte sich Lina vom «Pfeffer»-Team, hat beide Varianten getestet – und Alternativen gefunden.

Das Gepäck immer in Reichweite: Einer der Vorteile des Zugreisens.

Das Gepäck immer in Reichweite: Einer der Vorteile des Zugreisens.

(Bild: Raisa Durandi)

Während meiner Sommerferien trat ich zwei Reisen an: einmal nach Stockholm mit dem Flugzeug und einmal nach Italien mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Vor allem mit der im Moment viel diskutierten Klimadebatte wird das ökologische Reisen immer populärer.

Die Vorbereitungen vor einer Reise sind immer mit einem gewissen Stressfaktor verbunden. Hat man auch alles dabei? Klappt alles? Diese Fragen stellt sich wohl jeder immer wieder, egal, wie er in die Ferien fährt oder fliegt. Man macht sich dann doch irgendwann auf den Weg zum Bahnhof oder Flughafen und bemerkt meistens erst dort, was man alles nicht eingepackt hat.

Am Flughafen beginnt dann das Anstehen für den Check-in, die Kofferabgabe, die Zollkontrolle, und am Ende wartet man doch immer noch eine Stunde am Gate. Fährt man jedoch mit der Bahn, so ist es sehr wahrscheinlich, dass man sehr schnell einen Anschluss hat und die Reise direkt losgeht.

Die Reise

Befindet man sich schliesslich im Flugzeug, so macht man es sich so bequem wie möglich, lauscht halbherzig den Sicherheitsanweisungen der Stewardess, und dann startet man. Und zugegeben, das Gefühl, abzuheben, zu fliegen und Tausende von Metern über dem Boden zu sein, ist immer wieder überwältigend und unbeschreiblich. Daran kann auch die wenige Beinfreiheit oder das quengelnde Kind zwei Reihen weiter hinten nichts ändern.

Im Zug hingegen wird zuerst das Gepäck verstaut, und dann sucht man seinen reservierten Platz, auf dem, mit etwas Glück, nicht bereits jemand anderes sitzt und das Aufstehen verweigert. Obwohl das Reisegefühl selbst nicht vergleichbar ist, birgt das Zugfahren doch andere Qualitäten. So kann man sein eigenes Picknick mitnehmen, ausserdem hat man oft mehr Platz zum Arbeiten, Spielen oder einfach nur Geniessen. Gerade mit Kindern kann das Reisen per Zug sehr angenehm sein, sofern man nicht zu oft umsteigen muss.

Nach der Ankunft

Trifft man nach der Reise am Zielort ein, so kann man per Bus oder Bahn meist direkt oder sehr nahe zum Hotel fahren. Kommt man per Flugzeug, so muss man meist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder per Taxi zum Hotel fahren.

Zeit, Distanz – und Kosten

Umwelttechnisch gesehen ist es wohl allen klar, dass man am besten ganz aufs Fliegen verzichten sollte. Und das umweltfreundliche Reisen mit der Bahn hat durchaus gewisse Vorteile: So hat man zum Beispiel sein Gepäck immer selbst dabei, hat mehr Platz und meist ein kleineres Problem, sollte man mal einen Zug verpassen.

Wieso reist dann nicht jeder umweltfreundlich? Dazu gibt es verschiedene Gründe. Zum einen wären dies zeitliche; hat man nur eine Woche Ferien, ist es sehr schwierig, umweltfreundlich in ein weit entferntes Land zu reisen. Dies könnte aber auch mit genügend Zeit zu einem Problem werden, da noch nicht alle Länder ein gut ausgebautes ÖV-Netz besitzen.

Und der wichtigste und leider auch schwerwiegendste sind die Kosten. Wieso sollte ich für fünfhundert Franken per Zug nach London fahren, wenn ich per Flugzeug für weniger Geld in kürzerer Zeit dort sein könnte? Für viele ist es eine Frage des guten Gewissens. Jedoch ist es verständlich, dass in Anbetracht dieser Faktoren viele Reisende, gerade Menschen, die beruflich rund um die Welt aktiv sind, sich immer wieder fürs Fliegen entscheiden.

Weitere Alternativen

Auch für mich als Jugendliche ist es eine schwere Entscheidung. Möchte man in meinem Alter per Zug in ein anderes Land reisen, ohne mitten in der Nacht an einem riesigen Bahnhof zu stranden oder zehnmal umsteigen zu müssen, so wird dies eher schwierig. Dazu kommt, dass schon nur die Hinreise schnell einmal ein kleines Vermögen kostet. Es ist also durchaus verständlich, weshalb auch viele junge Menschen das Fliegen vorziehen.

Doch zum Glück gibt es weitere Alternativen. So kann man eine Reise zum Beispiel auch in zwei Tagen absolvieren und hat dabei vielleicht sogar noch mehr von den Ferien. Und: Müssen Ferien immer im Ausland sein? Wie wäre es, die Schweiz mal genauer zu erkunden? Fängt man erst einmal an zu recherchieren, ist man überrascht, wie viel ein so kleines Land zu bieten hat. Man könnte sich zum Beispiel anstatt in Italien auch mal im Tessin sonnen.

Es gibt also viele Gründe, weshalb man besser aufs Fliegen verzichten sollte und dies auch kann. Aber werde ich deshalb nie mehr fliegen? Wohl kaum. Doch ich werde in Zukunft bestimmt weniger fliegen und möglichst darauf verzichten. Denn mit einem guten Gewissen machen Ferien gleich doppelt Spass. Beim klimafreundlichen Reisen geht es wie überall nicht darum, alles perfekt zu machen, sondern das zu machen, was möglich ist. Ganz nach einem bekannten Sprichwort: «Viele kleine Leute in vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.»

Lina Weber (16) wohnt in Goldiwil und besucht das Gymnasium Thun im Seefeld. Sie spielt Gitarre, liest und fotografiert.

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