Regen gibt es diesmal nur in Form von Konfetti

Thun

Gleich mehrere Jubiläen und eine Premiere durften die Thuner Fasnächtler am grossen Umzug durch die Innenstadt begehen. So ist aus der deutschen Zähringerstadt Freiburg die Ranzengarde Concordia mitmarschiert.

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«Bis heute Abend wissen wir dann, was uns da erwartet», sagt Christian Siegenthaler mit verschmitztem Lächeln. Der Oberlangenegger nimmt erstmals überhaupt mit den Triichlerfründen Edelweiss Oberlangenegg am Fasnachtsumzug durch die Thuner Innenstadt teil. «Wir sind schon gespannt, wie die Menschen entlang der Strassen und Gassen darauf reagieren werden», ergänzt Ueli Siegenthaler.

So ganz unbekannt ist ihm das närrische Treiben nicht, lebt er doch mittlerweile im luzernischen Schüpfheim, wo Fasnacht eine jahrhundertelange Tradition hat. Und lachend erklären die beiden: «Die Fasnacht geniessen wir nur heute – dafür umso intensiver.»

Pünktlich um 13.59 Uhr kündet der Böllerschuss an, was Tausende in der Thuner Innenstadt bei schon fast frühlingshaft warmem Wetter erwarten: Der grosse Fasnachtsumzug setzt sich vom Grabengut her langsam, aber stetig in Bewegung. Die Grönbachgusler Merligen sorgen mit ihren «schränzigen» Melodien und farbigen Kostümen für fröhliche Stimmung. Später wissen sie diese gekonnt in ihrem Zelt weiterzuziehen, das sie heuer zum 10. Mal hinter dem Rathaus Thun betreiben.

Bild auf Bild – eines farbenfroher als das vorangehende – präsentiert sich auf Thuns Strassen den Zaungästen. Diese horchen gespannt auf, als leise Töne erklingen: Die Ranzengarde Concordia aus Freiburg im Breisgau zieht die Blicke in ihren schmucken Uniformen auf sich. Trotz Parade­musik erweisen sich die Damen und Herren Gardisten dem närrischen Treiben nicht abgeneigt – fröhlich schäkern sie mit Kindern, die sie in farbigen Konfettiregen tauchen.

«Unsere Leute sind restlos begeistert», schwärmt Feldobrist Werner Hederer schon vor Umzugsbeginn. Der Chef der Freiburger Garde hat seine Truppe spontan in die Schweizer Zähringerstadt Thun geführt. «Ich war im Sommer mit meiner privaten Bustour hier und habe von der Fasnacht vernommen», blickt er zurück. Zwar hätten seine Gardisten – die Uniformen erinnern an die napoleonische Zeit um 1858 – zuerst ihre Zweifel gehabt. «Aber die Atmosphäre hier an der Thuner Fasnet isch un­glaublich!»

Dass die Ranzengarde wegen der Thuner Pflastersteine ohne Pferde und historische Kanone mitmarschiert, stört in Thun niemanden. Denn zu sehen gibt es mit den vielen Sujetwagen mehr als genug. Ein wahres Festgelage im antik-römischen Stil präsentieren die Schisshüsler und Rambazambaplus. Wie echte römische Legionäre zerren die Schisshüsler den schweren Wagen mit zwei feiernden Cäsaren die enge Freienhofgasse hoch. «Zunge bei Fuss» lautet ihr Motto – begleitet von schelmischem Grinsen.

Sein Grinsen bewahrt auch jenes Mitglied des Fasnachtskomitees Bassersdorf – Fakoba – das im selbst gebauten Wagen über eine halsbrecherische Achterbahn samt eingebautem Looping donnert – Runde für Runde, ohne Pause. Ohne Pause marschieren auch die Mitglieder der Harlekin-Clique aus Biel in ihren traditionellen niederländischen Holzschuhen. «Nööö, wir laufen darin viel besser als ihr Damen in euren hohen Stiefelabsätzen», kommentiert ein Mitglied ganz trocken die zweifelnde Frage, ob das nicht gar unbequem sei.

Schönstes Wetter geniessen auch die Eulachaffä Winterthur. «Vor fünf Jahren haben wir erstmals bei strömendem Regen und Eiseskälte die Thuner Fasnacht erlebt. Seither ist das hier unser Start in die Saison der fünften Jahreszeit», bilanziert Patrik Boder als Präsident. Dann zieht er von dannen – eine Handvoll Konfetti bereit für die nächste Kopfwäsche eines Zuschauers am Strassenrand.

Thuner Tagblatt

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