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Ran an die Bouletten!

Als Olli kennen viele Kleinkunstfans Judith Bach vom Duo Luna Tic. Mit ihrem ersten Soloprogramm «Claire alleene» lockte sie ihr Publikum im Theater Alte Oele in ein tiefes Terrain.

Berliner Schnauze in Thun: Judith Bach als Claire in der Alten Oele.
Berliner Schnauze in Thun: Judith Bach als Claire in der Alten Oele.
Carolina Piasecki

«Hat das Blümlein einen Knick, war der Schmetterling zu dick.» Mit ein paar niedlichen Reimen, einem glucksenden Lachen und einem Strahlen mit blendend weisser Beissleiste steckt Judith Bach als Claire ihr Publikum in der Alten Oele in Thun schon zu Beginn in die Tasche. Eine Bühne ganz für sie alleine, freut sie sich. Da hiesse es jetzt: Ran an die Bouletten! Ihr Herz scheint offen wie ein Scheunentor, in das sie blicken lässt. «Als Teenie war ich zu nichts zu gebrauchen und zu allem fähig», verkündet Claire mit verschmitztem Blick. Das warme Lachen, das den ausverkauften Zuschauerraum des Theaters Alte Oele erfüllt, bekräftigt: Das erste Soloprogramm von Judith Bach funktioniert.

Oma Fritzes Lieblingslied

Noch ist nicht ganz klar, wohin die Reise gehen soll. Wird es klamaukig? Der rutschende Rock, den die Künstlerin immer wieder in Richtung Achseln zieht, oder das vernuschelte Wort Obstsmoothie könnten drauf schliessen lassen. Oder bahnt sich ein Liederabend an? Bestens bei Stimme und Fingerfertigkeit am betagten Klavier singt Claire eigene Lieder, und immer wieder klingt der UFA-Hit von 1932 «Irgendwo auf der Welt gibts ein kleines bisschen Glück» an. «Denn det is Oma Fritzes Lieblingslied jewesen», klärt Claire auf. Um die Grossmutter, die eigentlich Friederike hiess, ranken sich so manche Erinnerungen. «Sie sah aus wie icke, nur mit Falten, und erzählte mir das Märchen von Schneeweisschen und Rosenkohl.»

«Mach dein Ding!»

Das ist noch lustig, doch im Laufe des Programms lockt die Künstlerin ihr Publikum in ein melancholisch-tiefes Terrain. «Haben Sie sich gewünscht, was Sie gewählt haben?», will sie von den Anwesenden wissen. Oma Fritz habe immer Zeit für sie gehabt und sie in ihrem Tun bestärkt: «Mach dein Ding.» «Wo bleibt eigentlich die Musik, wenn man sie gehört hat?», sinniert Claire, und «Ratschläge sind auch Schläge, sag icke». Doch bevor es allzu beklemmend wird, singt die Künstlerin «Lach dir einen Ast, setz dir druff und baumle mit de Beene» oder «Der Hintern bleibt auf alle Fälle hinten». Zwischendurch schwingt sie sich mit ihrem Tagebuch bewaffnet aufs Klavier und lässt ein Stückchen Tupfenschlüpfer aufblitzen.

«Als Teenie war ich zu nichts zu gebrauchen und zu allem fähig.»

Claire alias Judith Bach in der Alten Oele in Thun

Im letzten Teil wagt sich ­Claire zur Freude der Zuschauerinnen und Zuschauer ans Berndeutsche. In Baalin ginge man zum Bäcker mit «Ick kriege fünf Schrippen. Die kriegt man dann auch – direkt in die Fresse». Hierzulande höre sich das ganz anders an, weiss die Absolventin der Scuola Dimitri und mimt eine Einheimische mit all den üblichen Merssivielmals und Äxgüsis eines Schweizer Gipfeli-Kaufvorgangs.

Das Liebeslied über eine Deutsche und einen Thuner Matrosen endet traurig. Denn als die beiden die Sprache des anderen gelernt hatten, war es mit der Liebe vorbei. «Liebe ist, wenn man aussieht wie ein Kartoffelsack, und du angeschaut wirst wie ne heisse Fritte», lacht die kleine grosse Frau. Dann erklingt nochmals «Irgendwo auf der Welt gibts ein kleines bisschen Glück ...», bis ein begeisterter Applaus losbricht, in den sich eine grosse Portion Zuneigung geschlichen hat.

www.judithbach.net

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