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Psychisch krank – Prozess abgebrochen

Einem Mann werden Sachbeschädigung, Drohung, Tätlichkeiten und Strassenverkehrs­delikte zur Last gelegt. Weil er diese infolge einer manisch-depressiven Erkrankung begangen hat, verlangte der Verteidiger eine Abklärung der Schuldfähigkeit.

Das Regionalgericht Oberland in Thun.
Das Regionalgericht Oberland in Thun.
Keystone

«Die Straftaten beging ich wegen meiner Krankheit und meines damaligen Zustands», sagte der 54-jährige Schweizer aus der Region Thun am Freitag bei der Einvernahme durch Gerichtspräsidentin Natalie Fritz am Regionalgericht Oberland in Thun. Er leidet an einer manisch-depressiven Erkrankung, die er medikamentös behandeln lässt.

Die Krankheit kann unter anderem Ausraster bewirken. Zum Zeitpunkt der Delikte Ende Februar und Anfang März 2016 habe er die Medikamente vorübergehend von sich aus abgesetzt, erklärte er weiter.

So kam es, dass der Beschu1ldigte absichtlich mit einem Personenwagen in das Garagentor und in die Garage einer Liegenschaft fuhr und dabei einen Schaden von rund 48 000 Franken an­richtete. Der Geschädigte hat sich als Privatkläger konstituiert. Mit diesem hat der Angeklagte eine Teilschuldanerkennung ver­einbart.

Betrunken am Steuer

Wenige Tage später fuhr der Mann in alkoholisiertem Zustand – er hatte 2,56 Promille – ein Auto, das er entwendet hatte. Daraufhin kollidierte er auf dem Parkplatz einer Autogarage mit zwei Fahrzeugen, fuhr mit dem gestohlenen Auto davon und verursachte erneut einen Verkehrsunfall.

Hierauf entfernte er sich zu Fuss von der Unfallstelle. Schliesslich konnte ihn die Polizei in deren Nähe anhalten. Der angerichtete Schaden beläuft sich auf rund 3500 Franken.

Hohe Strafen beantragt

Im Weiteren drohte der Mann einer Frau, eine Waffe auf sie zu richten, falls sie jemals wieder zu seinem Domizil kommen würde, und ohrfeigte sie. Zu guter Letzt bedachte er in einem Restaurant einen Mann mit Schimpfwörtern und schlug diesem mit der Faust ins Gesicht.

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Oberland, beantragt in ihrer Anklageschrift eine bedingte Geldstrafe von 224 Tagessätzen zu 80 Franken, ausmachend 17 920 Franken bei einer Probezeit von zwei Jahren sowie eine Verbindungsbusse von 4480 Franken und eine Busse von 1800 Franken. Zudem hätte der Beschuldigte die Verfahrenskosten zu übernehmen.

Schuldfähigkeit angezweifelt

Der amtliche Verteidiger bezweifelte mit Rücksicht auf die Krankheit die Schuldfähigkeit des Angeklagten. «Zu diesem Punkt gibt es unterschiedliche Meinungen in Gutachten von Fachleuten», argumentierte er. Damit sei eine gründliche Abwägung aller Fakten zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. Er beantragte deshalb den Beizug eines Sachverständigen als Experten.

Das sei ein wichtiger Puzzleteil in der Frage der Schuldfähigkeit des seit dem Sommer 2016 abstinent lebenden Mannes. Obwohl die Richterin etwas erstaunt war, dass der Verteidiger den Antrag erst jetzt stellte, entsprach sie diesem und brach die Verhandlung ab.

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