Parkplatz-Pilotprojekt bei Thuner Schulen

Thun

Die Regelung gilt vorerst für ein Jahr: Bei den Schulanlagen Schönau und Pestalozzi stehen künftig Parkplätze für Anwohner und Gewerbler mit Zonenparkkarte zur Verfügung.

Die Schulanlage Schönau in Thun: Unter anderem hier dürfen Anwohner künftig parkieren.

Die Schulanlage Schönau in Thun: Unter anderem hier dürfen Anwohner künftig parkieren.

(Bild: Patric Spahni)

Parkplätze: Sie sind in Thun eines der am heftigsten diskutierten Themen vor den Wahlen vom 25. November. Während in der Innenstadt oberirdische Parkplätze aufgehoben werden, gibt es für Anwohnerinnen und Anwohner sowie Gewerbetreibende in Quartieren ab dem 1. November zusätzliche Parkiermöglichkeiten.

Der Gemeinderat teilte am Montag mit, dass er den Perimeter der Zonenparkkarten Seefeld/Bahnhof und Westquartier erweitert – und zwar auf die Parkplätze der beiden Schulanlagen Schönau und Pestalozzi. Parkieren ist dort mit der entsprechenden Karte von 17.30 bis 7 Uhr morgens erlaubt. Bei der Schulanlage Pestalozzi ist die Zonenparkkarte Seefeld/Bahnhof nötig, bei der Schulanlage Schönau die Zonenparkkarte Westquartier.

Die Bezugsbedingungen und Kosten für die Karten bleiben unverändert. Es handelt sich um ein Pilotprojekt: «Nach einem Jahr wertet die Stadt Thun den Versuch aus und entscheidet über das weitere Vorgehen», heisst es in der Medienmitteilung weiter.

Stadtrat gegen Regierung

Anstoss für die neue Regelung gab ein Postulat, das Reto Schertenleib (SVP) und Mitunterzeichnende 2014 im Stadtrat eingereicht hatten. Sie forderten die Erweiterung des Perimeters für Zonenparkkarten auf die öffentlichen und zeitweise allgemein benutzbaren Plätze der Schulanlagen.

In der Beantwortung des Postulats erteilte der Gemeinderat dem Anliegen allerdings eine Absage. Die Begründung: Eine Lockerung des bisherigen Systems würde die Vereine negativ tangieren. «Viele Vereinstätigkeiten spielen sich in Schulanlagen ab. Wenn Vereinsmitglieder ihre Fahrzeuge nicht mehr auf den Schulanlagen abstellen können, suchen sie nach Ersatzparkmöglichkeiten», hiess es damals in der Gemeinderatsantwort. Die Regierung befürchtete mehr Suchverkehr in den Quartieren.

Betroffen wären zudem auch die Schulen selber: Für Lehrkräfte endeten die Arbeitszeiten nicht nach dem Unterricht, zudem fänden Schulanlässe und Elterngespräche regelmässig ausserhalb der ordentlichen Schulzeiten statt. Der Gemeinderat beantragte, das Postulat anzunehmen – und als erfüllt abzuschreiben. Der Stadtrat sah es jedoch anders: Eine Mehrheit lehnte es ab, das Postulat abzuschreiben.

Damals keine Einigkeit

Warum jetzt die Kehrtwende des Gemeinderats? Sicherheitsvorsteher Peter Siegenthaler (SP) erklärt auf Anfrage, dass man sich innerhalb der Verwaltungsabteilungen damals nicht einig gewesen sei. «In unserer Direktion waren wir immer der Meinung, man könnte dies so umsetzen.» Es habe nach dem überwiesenen Postulat einen Gemeinderatsentscheid gebraucht – «in Respekt vor dem Stadtratsbeschluss»: «Wir haben gesagt, wir führen diesen Versuch durch und werten nach einem Jahr aus, ob er sich bewährt oder nicht.» Solange man es nicht versucht habe, verfüge die Stadt auch nicht über Erfahrungen.

Bestehen die Bedenken punkto Suchverkehr, Vereins- und Schulanlässen denn nicht mehr? «Doch, natürlich, sie sind nicht aus der Luft gegriffen», antwortet Siegenthaler. Sollten sie sich bestätigen, «dann müssten wir auf den Entscheid zurückkommen». Er wolle auch nicht stur sein: «Wenn sich die Regelung überhaupt nicht bewährt, warten wir nicht bis im Herbst 2019 und brechen den Versuch ab.» Grundsätzlich sei das Pilotprojekt aber auf ein Jahr ausgelegt.

«Höchst erfreut» über den Entscheid des Gemeinderats ist Postulant Reto Schertenleib. Es habe zwar lange gedauert, manchmal brauche es aber in der Politik eben «chli Schnuuf». Schertenleib sagt weiter: «Ich bin fast sicher, dass der Versuch erfolgreich ausfallen wird.».

Thuner Tagblatt

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