Opern-Feuerwerk in der Kirche

Sigriswil

Brillante, junge Stimmen erfüllten zur 25. Internationalen Opernwerkstatt die Kirche von ­Sigriswil. Die Opernsängerin, Musikmanagerin und Dozentin Verena Keller präsentierte zum Jubi­läum Sängernachwuchs aus aller Welt.

Eindrucksvoll: Der Pole Lukasz Hajduczenia starb auf der Bühne operngerecht dramatisch bei der Aria aus «Der Teufel von Loudun» von Penderecki.<p class='credit'>(Bild: Patric Spahni)</p>

Eindrucksvoll: Der Pole Lukasz Hajduczenia starb auf der Bühne operngerecht dramatisch bei der Aria aus «Der Teufel von Loudun» von Penderecki.

(Bild: Patric Spahni)

«Hojotoho! Hojotoho! Heiaha! Heiaha! Helmwige! Hier! Hierher mit dem Ross!» Mit einem rasanten Walkürenritt auf schwarzen Stühlen meistern acht junge Sängerinnen die erste Szene aus ­Richard Wagners «Walküre», aus der auch der Ausspruch «Ruhig Brauner» stammt.

Die Choreografie der 25. Internationalen Opernwerkstatt unter der Regie von Monique Wagemakers hält das Publikum in der Kirche Sigriswil in Atem, denn kein Blatt Papier passt zwischen die 21 Arien und Szenen mit schauspielerischem Anspruch. Unter der musikalischen Leitung von Yannis Pouspourikas und der einfühlsamen Pianobegleitung von Vsevolod Dvorkin und Svetlana Smirnova entzündet sich ein Opernfeuerwerk in schillernden Farben.

Künstler aus neun Ländern

Als einziger Schweizer im Ensemble aus neun verschiedenen Ländern wagt sich der Churer Martin Roth an Alban Bergs «Wir arme Leut» aus der Oper Wozzeck. Die zeitgenössische Atonalität, die Bergs Gesamtwerk kennzeichnet, auch wenn der Komponist den Begriff ablehnte, meistert der satte Bariton mit Bravour.

Lange Zeit zum Auf-der-Bühne-Zusammenbrechen hat Roth nicht, denn die israelische Sopranistin Shiri Hershkovitz versetzt die fast voll besetzte Kirche glockenhell mit Händels «Tornami a vagheggiar» vom 20. ins 18. Jahrhundert. Die Zeitreise führt flugs ins 19. Jahrhundert, als der georgische Bariton Aluda Todua «Io morrò, ma lieto in core» von Guiseppe Verdi unter die Haut gehend intoniert.

Mozarts Quartett aus dem «Don Giovanni» kommt als strahlende und verspielte Interpretation von den Sängerinnen aus Russland, Israel, Polen und Südafrika daher.

Als einer der Stars des Abends kann getrost der russische Bass Oleg Budaratskiy hervorgehoben werden. Nebst vollem Buffobass besitzt der Künstler volle Bühnenpräsenz und Schauspieltalent, das er bei Godunows «Warlaam», Mozarts «Leporello» oder zusammen mit seiner stimmgewaltigen Landsmännin Anastasia Zaytseva (Sopran) zum höchsten Vergnügen des Publikums einzusetzen weiss.

Glanzleistung des Ensembles

Aus Aserbeidschan stammt die Sopranistin Elnara Mammadova, die sehr berührend aus Puccinis «La Bohème» «Quando m’en vo» vortrug. Einen Höhepunkt lieferte fast das ganze Ensemble mit «Make Our Garden Grow» aus «Candide» von Leonard Bernstein.

Mit stehenden Ovationen und lautem Jubel huldigte das begeisterte Publikum den Glanzleistungen der jungen Sängerinnen und Sänger, nachdem sie auf mitreissende und ergreifende Weise Verdis «Tutto nel mondo è burla» aus der Oper «Falstaff» gesanglich zelebriert hatten.

Das Festival für junge Stimmen stehe unter dem Patronat von Bundesrat Alain Berset, hob die Festivaldirektorin Verena Keller hervor und betonte, wie wichtig es sei, junge Talente zu fördern. Nicht ohne Stolz setzte sie hinzu: «Die Opernwerkstatt diente in den vergangenen 25 Jahren nicht selten als Sprungbrett für grosse Bühnen.»

In weiteren Rollen:Yarden Kiperman (Israel), Maria Lobanova (Russland), Eleonora Lue (Israel), Miriam Rawashdeh (Ukraine), Natalia Ritter (Russland), Carina Schmieger (Deutschland), Lukas Hajduczenia ((Polen), Esewu Nobela (Südafrika).

Thuner Tagblatt

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