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Ohne Play-back und doppelten Boden

Alles von Hand, gespielt, gesungen und erzählt: Die Marionettenbühne Wengen versteht es, auf ungekünstelte Art mit ihrer Spielweise Kinder und Eltern zu verzaubern.

Sie ziehen die Fäden bei der Marionettenbühne Wengen (v. l.): Martin Niedermann (Erzähler und Liedermacher), Barbara Niedermann, Heidi Allenspach, Andi Waser, Angelika Brockholt und Peter Morgenegg (Beleuchtung).
Sie ziehen die Fäden bei der Marionettenbühne Wengen (v. l.): Martin Niedermann (Erzähler und Liedermacher), Barbara Niedermann, Heidi Allenspach, Andi Waser, Angelika Brockholt und Peter Morgenegg (Beleuchtung).
Peter Wenge

«I rede u singe, wie mier der Schnabel gwachse isch», und so erzählt Martin Niedermann auch die ewig neue Geschichte von Hänsel und Gretel. Seine sonore Stimme passt sich den Figuren an. Ob Vater Holzhacker, Gretel oder die krächzende Hexe, für alle findet er den richtigen Ton. Auf bescheidene, für Kinder verständliche Art umspielt er die brutalen Passagen – Kinder werden von ihrer Mutter zum Tode verurteilt und im Wald entsorgt.

Mit einfachen melodischen Liedlein – die nach zweimal Durchsingen jeder kleine «Stüngel» mitsingen kann – nimmt er der düsteren Szene im finsteren Wald ihre Schärfe: «Hänsel, liebe Hänsel, la mi nid allei.» – «Nei, Gretl, liebi Gretl, i bringe di wider hei.» Hänsels Stimme sorgt für etwas Zuversicht in der trostlosen Umgebung …

Seit 18 Jahren unterwegs

Alles ist von Hand gemacht. Die liebevoll gestalteten Puppen, das Dekor, die Texte, die Lieder und das Gitarrenspiel als Hintergrund. Kein Play-back, kein digitaler Hintergrund verzehrt das märchenhafte Bild. Selbst der schwarze Vorgang wird von Hand geöffnet. Einzig der Strom für das Licht und den Mondschein ist importiert … Seit 18 Jahren sind die Ma­rionet-tenkünstler aus Wengen schon unterwegs.

Mit Sack und Pack reisen ihre Künstler in der Novemberzeit vom stillen Bergdorf nach Unterseen. Und der Erfolg ist ihnen sicher. Ist es ihre bedächtige Weise, auf die kleinen Gäste einzugehen? Oder sorgen die sympathischen Puppen, die bunt gestaltete Bühne für den märchenhaften Zauber? Wie viel Zeit die Vorbereitungen benötigen, spielt für die Puppenspielkünstler eigentlich keine Rolle. Im Gegenteil, es ist eine Investition in eine kreative, ehrenamtliche Arbeit.

Die moderaten Eintrittspreise decken ihre Spesen und ermöglichen den Unterhalt und die Herstellung von Puppenfiguren für neue Inszenierungen. Wer die Sonntagsvorstellung – sie war ausverkauft – verpasst hat, dem bietet sich die Chance am Mittwoch noch einmal, der Entsorgung der Hexe beizuwohnen oder sich vom feinen Geschmack des Lebkuchen­häuschens verführen zu lassen.

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