Nun über 100 Flüchtlinge – Thuner sammeln Winterkleider

Thun

Das erste Bundesverfahrensasylzentrum im Kanton Bern ist seit Freitag in Betrieb. Bis jetzt leben gut 100 Flüchtlinge vorübergehend auf dem Waffenplatz. Thun4­Refugees ist am Mittwoch von 12 bis 16 Uhr vor Ort.

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«Wie wir bei unseren Begegnungen mit den Flüchtlingen am vergangenen Wochenende festgestellt haben, fehlen den jungen Männern vor allem warme Winterkleider und Schuhe», erzählt Jörg Weidmann, SP-Co-Präsident und wie andere rund 50 Personen ein Vertreter der losen Interessengruppe Thun4Refugees.

«Einige Asylsuchende waren nur mit Sandalen bekleidet, und die meisten haben vermutlich nur diejenigen Kleider, die sie gerade am Leibe tragen.» So ist es auf der Facebook-Gruppenseite zum Aufruf gekommen, am Mittwoch von 12 bis 16 Uhr vor das Zentrum zu kommen und Winterkleider für Männer abzugeben.

«Wir waren erfreut über die rund 50 Gleichgesinnten, die in diesen Tagen bei uns vorbeigeschaut und uns ihre Solidarität bekundet haben», ergänzt Martin Lüthi alias Heinrich Gartentor, Künstler und einer der Mitinitianten von Thun4Refugees, auf Anfrage.

«Unsere Idee war ein warmer Empfang der Flüchtlinge und eine Art ergänzende Start­hilfe.» Es sei nicht die Idee, straff organisiert und getrennt von den Bundesasylbetreibern und der Stadt Thun Unterstützungshilfe anzubieten.

Gut 100 Flüchtlinge sind bis jetzt in Thun angekommen

Das temporäre und insgesamt 600-plätzige Bundesverfahrensasylzentrum in zwei Panzerhallen auf dem Waffenplatz in Thun ist seit vergangenem Freitag in Betrieb. «Bis heute sind von den grenznahen Empfangszentren etwas über 100 Flüchtlinge nach Thun zur Abklärung ihres Asyl­gesuches weitergeleitet worden», sagt Adrian Arbogast, im Auftrag der ORS Service AG operativer Leiter des Bundesmandates und damit zuständig für alle Bundeszentren und deren Aussenstellen wie etwa das Verfahrenszentrum in Thun.

«Im Moment sind wir in Thun vor allem daran, die Abläufe zu koordinieren, das neue Personal einzuarbeiten und den Flüchtlingen mit einer guten Einführung und Betreuung eine gewisse Sicherheit zu vermitteln», erklärt er die momentane Situation.

Von der Gruppe Thun4Refugees hatte Arbogast bislang noch nichts gehört. «Die Angebote und Anfragen werden vom zuständigen Staatssekretariat für Migration gesammelt und geprüft», begründet er seine Unkenntnis. Auch er respektive die ORS Service AG, welche mit der Betreuung der Asylsuchenden in den Zentren beauftragt sei, leite Angebote von extern an dieselbe Stelle weiter.

Heute: Abgabe von Winterkleidern vor dem Zentrum

Thun4Refugees will die Winterkleider den anwesenden Asyl­suchenden und schliesslich im Zentrum heute direkt abgeben. «Es braucht vor allem warme Jacken, Schuhe in den Grössen 39 bis 46, Mützen und Handschuhe», gibt Jörg Weidmann die ­gefragten Kleider an, welche er auch auf der Facebook-Seite angegeben hat.

Ebenso seien internationale Gesellschaftsspiele wie Pokerkarten, Schach und Mühle willkommen, jedoch auch Comics in englischer oder französischer Sprache. «Toll wären natürlich auch ein Töggelikasten und ein Pingpongtisch.»

Weiterhin ist grundsätzlich die Hotline-Nummer 058 465 47 44 für jegliche Art von Anliegen, Angeboten und Meldungen die richtige Anlaufstelle. Sie wurde eigens für die Bevölkerung eingerichtet. «Diese wird durch die Securitas AG betreut, welche auch während 24 Stunden vor Ort ist», erklärt Adrian Arbogast.

Des Weiteren können sich Interessierte auch bei der Stadt melden, welche für gemeinnützige Beschäftigungsprogramme und für die Sicherheit im öffentlichen Raum zuständig ist.

Der dafür temporär als neuer Beauftragter für Freiwilligenarbeit im Asyl­wesen zuständige Heinz Bucher nimmt weiterhin per E-Mail über heinz.bucher@thun.ch und dienstags von 9 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr auf der Nummer 033 225 84 50 Meldungen entgegen.

Im Zentrum ist zum Schutz kein eigenes Handy erlaubt

Was sowohl von der losen Gruppe wie auch von einigen Flüchtlingen als unverständlich bezeichnet wird, ist der Umstand, dass die Asylbewerber während ihres Aufenthaltes im Bundesverfahrenszentrum ihr eigenes Handy abgeben müssen.

Daher hat Thun4Refugees nach einem speziellen Angebot gesucht und informiert auf der Facebook-Gruppenseite: «Das Zentrum Akut wird ab Januar voraussichtlich wöchentlich an einem Nachmittag die Türen öffnen für Austausch und Internetzugang», schreibt etwa Alice Kropf, SP-Stadträtin und ebenfalls Vertreterin von Thun4Refugees.

Nun brauche es noch funktionstüch­tige Laptops. «Diese können vom 24. bis zum 27. Dezember ab 11 Uhr im Akut an der Seestrasse 20 vorbeigebracht werden.»

Diese Regelung begründet Adrian Arbogast mit der Hausordnung des Staatssekretariats für Migration, die für alle Bundeszentren in der Schweiz gelte. «Das SEM ist für den Schutz und die Privatsphäre der Flüchtlinge in den Zentren verantwortlich», erklärt er.

«Indem sie ihre eigenen Handys abgeben, kann das Bundesamt gewährleisten, dass niemand innerhalb des Zentrums fotografiert und womöglich verraten werden kann», nennt er ein Beispiel. Die Anwesenden würden jedoch für ihre eigene SIM-Karte zum Telefonieren am ­Empfang ein Handy auslehnen können.

«Was jedoch ausserhalb des Zentrums gemacht oder geboten wird», sagt Adrian Arbogast, «liegt nicht mehr in un­serem Verantwortungsbereich – und schliesslich sind die Zen­trumsbewohner keine Gefan­genen.»

Am Mittwoch nimmt die Gruppe Thun4Refugeessaubere Männerwinterkleider entgegen: 12 bis 16 Uhr bei der Einfahrtsstrasse zum Bundesasylzen­trum (Kreisel Allmendstrasse/General-Wille-Strasse, die General-Wille-Strasse runter, nach 100 Metern gehts rechts hoch bei den grünen Abschrankungen).

Thuner Tagblatt

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