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Nun ist der Gletscher abgebrochen

Die Gefahr durch grosse Eisabbrüche beim Hängegletscher an der Westflanke des Eigers ist gebannt. In den letzten 24 Stunden sind knapp 20‘000 Kubikmeter Eis in verschiedenen Abbrüchen abgestürzt. Die vorsorglichen Sicherheitsabsperrungen konnten aufgehoben werden.

chh
Am Donnerstag 10.50 Uhr bricht ein grösseres Stück des Gletschers ab. Im Bild links die Bahnstrecke der Jungfraubahn.
Am Donnerstag 10.50 Uhr bricht ein grösseres Stück des Gletschers ab. Im Bild links die Bahnstrecke der Jungfraubahn.
Webcam/Jungfraubahnen
Dieses Bild wurde vor dem Gletscherabbruch aufgenommen.
Dieses Bild wurde vor dem Gletscherabbruch aufgenommen.
zvg/Jungfraubahnen
Der Hängegletscher am 23.08.16.
Der Hängegletscher am 23.08.16.
Bruno Petroni
Von hier oben...
Von hier oben...
Bruno Petroni
...drohen über 20 000 Kubikmeter abzubrechen.
...drohen über 20 000 Kubikmeter abzubrechen.
Bruno Petroni
Der Hängegletscher bein Eiger: Hier sind rund 80'000 Kubikmeter Eis instabil.
Der Hängegletscher bein Eiger: Hier sind rund 80'000 Kubikmeter Eis instabil.
Bruno Petroni
Jeden Tag rutscht der 3400 Meter über Meer liegende Hängegletscher ein bisschen weiter vor sich hin.
Jeden Tag rutscht der 3400 Meter über Meer liegende Hängegletscher ein bisschen weiter vor sich hin.
Bruno Petroni
Roter Pfeil: Der Hängegletscher, der mehr als 15 cm pro Tag rutscht. Gelber Pfeil: Der bekannte Eiger-Pilz, von welchem oft auch die Basejumper ins Tal springen.
Roter Pfeil: Der Hängegletscher, der mehr als 15 cm pro Tag rutscht. Gelber Pfeil: Der bekannte Eiger-Pilz, von welchem oft auch die Basejumper ins Tal springen.
Bruno Petroni
Eindrücklich: Der rutschende Hängegletscher, rechts davon Jungfrau (in den Wolken), Mürten, Eigergletscher, Lauberhorn, hinten Thunersee, Thun, Bern, Jura.
Eindrücklich: Der rutschende Hängegletscher, rechts davon Jungfrau (in den Wolken), Mürten, Eigergletscher, Lauberhorn, hinten Thunersee, Thun, Bern, Jura.
Bruno Petroni
Diese zwei Britischen Bergsteiger wollten das grosse Schneefeld unterhalb des Abbruchs traversieren. Sie konnten noch rechtzeitig von ihrem Vorhaben abgebracht werden.
Diese zwei Britischen Bergsteiger wollten das grosse Schneefeld unterhalb des Abbruchs traversieren. Sie konnten noch rechtzeitig von ihrem Vorhaben abgebracht werden.
Bruno Petroni
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Die labilen und absturzgefährdeten Eismassen am Hängegletscher in der Westflanke des Eigers sind in den letzten Stunden in einzelnen, kleineren Teilabbrüchen abgestürzt. Die Bewegungen des Gletschers sind auf die normalen Werte gesunken. Die Infrastrukturanlagen im Bereich Eigergletscher waren durch die Abbrüche nicht betroffen. Ab sofort sind wieder alle Wanderwege offen, die vorsorglichen Sperrungen wurden aufgehoben.

Früherkennung dank Überwachungssystem

Der aktuelle Eisabbruch war mit rund 20‘000 Kubikmeter prognostiziert worden. Ereignisse dieser Grössenordnung kommen erfahrungsgemäss rund einmal pro Jahrzehnt vor. Das Ereignis konnte im vorliegenden Fall rechtzeitig erkannt werden: Seit März 2016 ist ein modernes Überwachungssystem im Einsatz. Ein interferometrisches Radarsystem misst permanent die Geschwindigkeiten des Gletschers, die sich vor etwa zehn Tagen von den üblichen 5 Zentimetern pro Tag auf über 60 Zentimeter pro Tag erhöht haben.

Mit dem gleichen Radar konnten schon im März und im April dieses Jahres mehrere kleinere Abbrüche einige Tage im Voraus erkannt werden. Im Winter steht zudem ein Lawinenradar im Einsatz, welches die Züge der Jungfraubahn bei einer grossen Lawine rechtzeitig an einem sicheren Ort stoppt.

Die Radar-Messungen werden von Glaziologen regelmässig beobachtet und interpretiert. Die Gefahrenbereiche und zu ergreifende Massnahmen sind in einem Sicherheitsdispositiv festgehalten. Aufgrund der Messdaten am Sonntag wurden die gefährdeten Bereiche bei der Station Eigergletscher aus Sicherheitsgründen gesperrt. Mit dem Rückgang der Geschwindigkeiten nach den Abbrüchen von heute Morgen konnte die Sperrung wieder aufgehoben werden. Dies berichteten die Jungfraubahnen am Donnerstagnachmittag.

Normale Erscheinung

Gemäss Prof. Martin Funk von der Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie (VAW) an der ETH Zürich ereignen sich vom Hängegletscher an der Westflanke des Eigers regelmässig Eisabbrüche und Eislawinen. Im Gegensatz zu Schneelawinen können Eislawinen zu jeder Jahreszeit vorkommen.

Ein Eisabbruch entsteht, wenn ein Teil des Hängegletschers abbricht und bergab stürzt. Bei solchen hochgelegenen Hängegletschern wie am Eiger sind Eisabbrüche ganz normale Erscheinungen. Kleine Abbrüche erfolgen häufiger als Grosse. So kommen Ereignisse mit ein paar tausend Kubikmetern Eis mindestens einmal pro Jahr vor. Hingegen sind Ereignisse ab 10'000 Kubikmetern Volumen seltener. Der letzte grosse Abbruch mit nahezu 100'000 Kubikmetern Eis geschah im August 1990.

(pd)

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