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Nicht ohne Seitenhieb gegen das Stadtparlament

Für die Thuner Verkehrsbetriebe STI sind Investitionen in neue Technologien nicht ganz ohne. Nicht zuletzt weil die Suche nach einem neuen Betriebsstandort nicht Fahrt aufnimmt.

Stefan Kammermann
Die Verkehrsbetriebe STI wollen das Angebot ausbauen.
Die Verkehrsbetriebe STI wollen das Angebot ausbauen.
Georg Stalder

«Angebotskonzept 2022/25», so lautete kurz gesagt das Motto des STI-Apéros vom Dienstag in der Hotelfachschule Thun. Um es vorwegzunehmen: Gleich zu Beginn konnte sich STI-Verwaltungsratspräsident Hans Rudolf Zaugg vor rund 120 Leuten aus Politik und Wirtschaft einen Seitenhieb in Richtung Thuner Stadtrat nicht verkneifen. An der letzten Sitzung Anfang Februar nahm das Thuner Parlament ein Postulat an, das die Umstellung auf klimaneutralen öffentlichen Verkehr anregte.

«Nach Ansicht einiger Politikerinnen und Politiker hat die STI den Trend der Zeit, insbesondere in Bezug auf Elektromobilität, nicht erkannt, ja sogar verpasst», meinte er, um gleich auf mehrere Punkte hinzuweisen. So sei die STI seit über zehn Jahren erfolglos auf der Suche nach einem neuen Betriebsstandort.

«Würden Sie an einem Standort in neue Technologien investieren, wenn nicht klar ist, wie lange dieser Standort noch zur Verfügung steht?», fragte er in die Runde. Zudem sei nach eigenen Abklärungen eine vollständige Umstellung auf E-Mobilität im Schwäbis derzeit gar nicht möglich.

«Ich freue mich darauf, dass die Thuner Politik im Rahmen der Klima- und Energiestrategie erkennt, dass ein Umsetzen ihrer Wünsche an die STI nur mit entsprechendem politischem Willen geschehen kann», so der Verwaltungsratspräsident weiter. Er machte auch keinen Hehl daraus, dass der Stadtrat dereinst auch die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen sollte, so wie dies zum Beispiel in Schaffhausen und zum Teil auch in Bern der Fall sei, und auch den nötigen Baugesuchen zustimmen sollte.

Viel Lobbyarbeit

Wie schwierig es im Kontext der unterschiedlichen Begehrlichkeiten ist, im öffentlichen Verkehr mit der Zukunftsentwicklung Schritt zu halten, zeigte Jürg Marti, Präsident der regionalen Verkehrskonferenz Oberland-West und Gemeindepräsident von Steffisburg, auf. An der Idee einer S-Bahn-Haltestellte Thun-Nord und einer tangentialen Buslinie für die Agglomeration Thun wird seit 2011 auf den Ebenen Bund, Kanton und Region geplant.

Immerhin hat es die Idee nach viel Lobbyarbeit auf dem Politparkett in das Strategische Entwicklungsprogramm Bahninfrastruktur 2030/35 des Bundes geschafft. «Die Region ist nun gefordert und muss ihre Planung vorantreiben», betonte Marti. So gelte es nun die notwendigen Teilprojekte und Verantwortlichkeiten zu definieren. Zum Konzept gehört zum Beispiel ein Versuchsbetrieb einer durchgehenden Tangentiallinie Steffisburg–Thun-Südwest voraussichtlich ab 2025. Mit Umsteigemöglichkeit beim Bahnhof Steffisburg und auch mit Blick auf die S-Bahn-Haltestelle Thun-Nord.

Tangentiale Linien

«Verkehrsprobleme wie in Thun gibt es auch in Luzern», hielt Beat Nater, Leiter Markt und Vertrieb Verkehrsbetriebe Luzern, fest. Wie in Thun fahren dort fast alle Buslinien zum Bahnhof. «Aber nur 28 Prozent der Fahrgäste wollen auf den Zug», sagte er. Tangentiale Linien seien deshalb die Zukunft. Luzern setzt mit Erfolg auch auf Doppelgelenk-Trolleybusse.

Wie Jürg Lehmann, Leiter Angebot STI Bus AG, zum Schluss ausführte, beantragt das Busunternehmen beim Kanton einen Ausbau einiger Stadtlinien mit Frühkursen und unter anderem auch das Schliessen von Taktlücken nach Heimberg und im Westen Thuns.

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