Mit Schmerzen und etwas Applaus

Frutigen

Das einheimische Getu organisierte am Wochenende zum dritten Mal die Oberländischen Gerätemeisterschaften. Für die mehr als 1100 Turnerinnen und Turner ging es um mehr als Bestnoten.

Oberländische Geräteturnmeisterschaften 2019: Bodenübung in der Widi-Halle.

Oberländische Geräteturnmeisterschaften 2019: Bodenübung in der Widi-Halle.

(Bild: Corina Kobi)

Die vielseitig verwendbare Widi-Halle zeigt sich am Sonntagmorgen in grellem Licht. Grund dafür sind die aus der halben Schweiz angereisten Geräteturnerinnen und -turner, obwohl sie mit dem Berner Oberland praktisch nichts zu tun haben. Bereits vor acht Uhr morgens bevölkert sich die mit vielen Matten und Geräten versehene Halle, und die Zuschauertribüne füllt sich langsam. Bis zur Rangverkündigung bieten die in fünf Abteilungen antretenden Sportler ihr Können, was vom Publikum manchmal mit nur spärlichem Applaus belohnt wird.

Volle Konzentration

Es ist zwar eine Augenweide, den in glänzenden Turnkostümen sich bewegenden Mädchen bei ihren Übungen zuzuschauen. Doch es geht nicht immer ohne Schmerzen ab. Plötzlich muss sich der für diesen Anlass eingeteilte Rettungssanitäter Benjamin Liechti um ein zehnjähriges Mädchen kümmern, das sich an der rechten Schulter verletzt hat. «Eigentlich passiert sehr wenig, nur wenn der Wettkampfgeist durchbricht», meint er. Und OK-Chef Jürg Gerber ist der gleichen Meinung, weist aber darauf hin, dass einige Mädchen erstmals an einem solchen Anlass sind und daher sehr konzentriert und kribbelig seien.

Jedenfalls sieht man bei den Übungen schon Unterschiede. Wie wettkampfrelevant diese sind, fällt jedoch nur dem Kampfgericht auf. Noten von 8,35 bis 9,70 lösen sich permanent ab. Wie in einer grossen Pause im Schulhaus sitzen während der Wettkampfunterbrechungen die Mädchen beieinander und diskutieren. Nicht über Freunde, sondern über die gezeigten Leistungen und Benotungen. Nach den Küren am Boden und am Reck, beim Pferdsprung und an den Schaukelringen ist die Luft raus, und es darf statt Sportlernahrung auch mal eine Bratwurst sein, so wie bei Céline Schenk aus Frutigen.

Routiniert beim Interview

Die 11-jährige Schülerin zeigt sich bei ihrem ersten Interview gewieft und antwortet nur nach längerem Überlegen. «Ich turne seit drei Jahren und habe viel Spass daran. Heute lief es nur mittelmässig, doch war der Anlass speziell, und ich war aufgeregt.» Trotzdem hat sie in der Klasse K3 im Vierkampf mit einer Note von 34,60 den 59. Rang, und dies bei 146 Klassierten, erzielt. Und was Freude und Hoffnung macht: Kinder und Jugendliche brauchen Bewegung und Ablenkung von schlechten Einflüssen, und Sport vermittelt für das spätere Leben sehr grosse Qualität.

Berner Oberländer

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