Mit Leib und Seele

Thun

In der Serie Angetroffen stellen wir heute Katharina Grunder vor, die Eigentümerin des Kleiderladens Monokel in Thun.

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Inmitten von weltweit operierenden Onlinegiganten, internationalen Ladenketten, regionalen Einkaufszentren und Grossverteilern gibt es sie noch: Die spezialisierten Kleingeschäfte mit qualifizierten Fachleuten. Eine solche Perle ist das Monokel an der Oberen Hauptgasse 52. Der Ruf von Katharina Grunder, der Besitzerin, eilt ihr seit Jahrzehnten voraus: «Wenn du eine perfekte Jeans suchst, geh zu Katharina. Ein Blick, und sie bringt dir die passendste. Du kannst in viele andere reinschlüpfen, doch du wirst beglückt mit jener heimkehren, die sie dir vorgeschlagen hat.»

Katharina Grunder ist Damenschneiderin, und das Monokel hat Peter Wüthrich 1970 als ersten Jeansladen in Thun eröffnet. Dass sich die gebürtige Emmentalerin und das einst legendäre Monokel in der Thuner Altstadt gefunden haben, ist Zufall. «1984 hat mich Peter als Verkäuferin angestellt – und ich bin hängen geblieben», erzählt sie im Monikel, welches ihr seit 2007 gehört und dessen Sortiment längst breit ist und auch Kleider aus biologisch hergestellten Stoffen bietet.

Für Katharina Grunder ist das Monokel eine Herzensangelegenheit. «Mich erfüllt der Kontakt mit Menschen, und wenn ich ihnen mit ihrer Wahl eine Freude bereite.» Es gebe kaum etwas Schöneres als den gemeinsamen Weg, bis Frau oder Mann und das passende Kleidungsstück sich finden. Dass sie bei ihrer Stammkundschaft auch etwa als stille Zuhörerin stark ist oder einen Rat weiss, ist für sie selbstverständlich.

Schon als Mädchen habe sie anhand von Mustern im Burda-Heft Kleider genäht. «Meine Freude entfachte definitiv Frau Zedi in meiner Lehre zur Damenschneiderin in ihrem Haute-Couture-Atelier in Bern. Wir verarbeiteten für betuchte Kundschaft schönste Stoffe, deren Laufmeter gut und gerne 370 Franken kosteten.» Aber: «Da die Wirtschaftlichkeit des Berufs schwierig ist, habe ich mich umorientiert.»

Als Partner Peter Wüthrich ihr das Monokel übergeben hatte, war das Umfeld längst anders als zu Beginn. «Früher frequentierten viele Leute die Hauptgasse, und die Geschäfte waren beständig.» Doch mit dem Onlineverkauf habe sich schleichend das meiste geändert. «Heute führen alle alles, und jeder jagt jedem die Kundschaft ab». Katharina Grunder hofft auf eine Trendwende, womöglich ausgelöst durch das Schlossberg-Parking. «Die persönliche Fachberatung könnte wieder zu einem gegenseitigen Gewinn werden.»

Thuner Tagblatt

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