Milch aus dem Automaten

Steffisburg

Evelyne und Hansruedi Peter nehmen bei der Landi Steffisburg einen für die Schweiz neuen Milchautomaten in Betrieb. Rund 120'000 Franken haben sie dafür investiert.

Landwirt Hansruedi Peter zapft zum Start seines Automaten die Steffisburger Milch gleich selber.

Landwirt Hansruedi Peter zapft zum Start seines Automaten die Steffisburger Milch gleich selber.

(Bild: Stefan Kammermann)

Ein kleiner Junge wirft ein paar Münzen in den Automatenschlitz und drückt auf den Knopf. Die Glasflasche, die er in ein Fenster stellt, hat er gleich nebenan mit einem Einfränkler aus dem Automaten geholt. Im Nu ist die Flasche voll. Deckel drauf und fertig.

Genau so funktioniert der Milchautomat, der am Freitag vorgestellt wurde und ab Samstag, am Tag der Schweizer Milch, beim Landi-Laden in Steffisburg in Betrieb ist. Der Automat ist der erste seinesgleichen in der Schweiz und stammt aus Deutschland. Dort hat er nach einem schwierigen Start im Jahr 2016 Fuss gefasst. «Aktuell sind in Deutschland mehrere Hundert solcher Geräte in Betrieb», erklärte Markus Fograscher von der Milch Concept GmbH aus dem deutschen Weilheim vor Ort.

Vom Konzept überzeugen liessen sich Evelyne und Hansruedi Peter. Sie führen den Hof Schlafhus in Steffisburg als Familien­betrieb mit 25 Kühen mit IP-Produktion. «Bislang wurde unsere Milch per Lastwagen abgeholt und als Industriemilch verarbeitet», sagte Hansruedi Peter. Rund fünfzig Rappen pro Liter waren der Lohn dafür. «Das ist ziemlich wenig», so der Landwirt weiter.

Kurze Wege

Mit dem neuen Automaten hofft der Bauer, rund ein Drittel seiner Milchproduktion nun direkt an die Leute zu bringen. Dazu hat er gegen 120'000 Franken in die Automatentechnik investiert. Sie beginnt gleich bei ihm auf dem Hof. Dort werden jeweils 200 Liter frische Milch pasteurisiert und im entsprechenden Tank gleich im Milchautomaten installiert.

Damit am Automaten immer Milch fliesst, sorgt eine Überwachung, die dem Landwirt per Handy meldet, wenn Nachschub nötig ist. «Der Vorteil sind die kurzen Wege und die Regionalität», hielt Hansruedi Peter fest. Zumal es vom Hof bis zur Milchtankstelle nur etwa drei Kilometer seien.

Die Milch von seinen Kühen gibt der Landwirt über den Automaten für einen Franken und siebzig Rappen ab. Auch Halb­literflaschen lassen sich dort füllen. Die Flaschen können am Automaten sowohl als Glas- wie auch als PET-Flasche gelöst werden und lassen sich immer wieder verwenden und im Automaten auffüllen.

«Ihr habt Mut gezeigt»

«Dieser Milchautomat gibt der Landwirtschaft ein Gesicht», meinte Steffisburgs Gemeindepräsident Jürg Marti (SVP). Dies fördere das Vertrauen zwischen Konsument und Produzent. Und weiter: «Ihr habt Mut gezeigt.»

«Unser Ziel ist es, am Tag 140 Liter Milch über den Automaten direkt zu verkaufen», sagte Hansruedi Peter zum Schluss. Auf der Etikette der Milchflaschen steht logischerweise «Steffisburger Milch».

Thuner Tagblatt

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