Thun

«Mamma Mia!» feierte ­Premiere auf der Seebühne

ThunDie Produktion der Thunerseespiele feierte am Mittwoch eine gelungene Premiere. Die Musicalkomödie mit den Abba-Welthits ist ein farbenfrohes Erlebnis, gespickt mit Slapsticks und verspielter Frivolität.

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Mamma mia! Ein herr­licher Sommertag in Griechenland, eine kleine Insel mit Strand und nebenan die Taverne von Donna (Monica Quinter). Und da wollen Tanja (Patricia Hodell), gertenschlank und aufgetakelt, und Rosi (Gigi Moto), leicht pummelig und mit Rucksack am Rücken, jetzt hin.

Rosi steigt flink aus dem Boot. Keuchend kraxelt ihr Tanja mit ihren pinkigen Stöckelschuhen nach. Umständlich zieht sie ihre beiden rosaroten Koffer über die Holzlatten des Anlegestegs und protestiert: «Heiland Stärne – wenn i gwüsst hätt, dass das Hotel uf der Akropolis steit, hätt i keni Pömps agleit.»

Erstmals produzieren die ­Thunerseespiele das Musical «Mamma Mia!» in Schweizerdeutsch und open air. Am Mittwoch feierten sie vor vollen Rängen Premiere. Die Komödie mit Abba-Welthits wurde 1999 in London uraufgeführt und 2008 verfilmt. «Mamma Mia!» erzählt von der alleinerziehenden Auswanderin Donna, die mit Rosi und Tanja als Trio Donna & the Dynamos in den Spätsiebzigern sang, und ihrer Tochter Sophie. Die 20-Jährige will nun heiraten, jedoch nicht, ohne sich ihren Traum zu erfüllen: ihren Vater zu kennen.

Aus der gelungenen Ge­samt­leistung des En­sembles stechen unter den 26 Profidarstellenden vor allem Monica Quinter und Judith von Orelli heraus. Nicht nur mit ihren tollen Stimmen, sondern auch, weil beide in der zwei Stunden und fünfzehn Minuten dauernden Vorstellung fast immer auf der Bühne sind: Donna als selbstbewusste Selfmadeun­ter­nehmerin; So­phie als liebliche Tochter, die für ihren Traum sogar stiehlt (das Tagebuch von Donna) und lügt (sie lädt im Namen von Donna die drei möglichen Väter zur Hochzeit ein). Eine der berührendsten Szenen ist, als Sophie ihre Mutter bittet, sie vor den Traualter zu führen.

Hervorzuheben sind weiter Patricia Hodell, die als flirtende Tanja schlicht umwerfend ist. Genauso wie Gigi Moto, die ihr Open-air-Debüt gibt und als tollpatschige Rosi die Herzen auf Anhieb gewinnt. Köstlich verleiben sich sowohl Eric Hättenschwiler (als Bill), der übrigens mit seinem Partner Dominik Flaschka, der bei «Mamma Mia!»

Regie führt, die Dialoge aus dem Englischen übersetzt hat, wie auch Nathaniel Schaer (als Harry), der sich beim Schlussapplaus an der Vorpremiere vom Montag den Fuss vertreten und daher am Mittwoch an der Premiere mit Krücken aufgetreten ist, die Rollen von zweien der drei mög­lichen Väter ein.

Mittelpunkt der Umgebung mit See und Bergen ist das dreiteilige Bühnenbild (Stephan Prattes), das sich auf 1300 Quadratmeter verteilt. Passende Details wie Fischernetze oder weisse Fassaden an der Taverne bilden mit Kostümbild (Kathrin Baumberger), Maskenbild (Ronald Fahm) und Natur­kulisse eine Einheit.

Die 24 Chormitglieder wirken als Kulisse – ob als fotografierende Touristinnen oder als griechische Fischer. Perfekt gelöst ist die mittige Taverne, die sich drehen lässt und mehrere Spielorte bietet. Die 17-köpfige Band – diesmal kein Orchester – bringt die Songs unter der Leitung von Iwan Wassilevski auf der dritten Etage des Containerlagers zum Klingen.

Die Kostüme passen, ob am Polterabend, wenn Donna, Tanja und Rosi in ihren schrillen Hippiekleidern und Rüschchen an den Schlaghosen die Flowerpower von damals versprühen. Oder wenn die Geister in Sophies Albtraum in morbiden Hochzeitskleidern und mit überdimensionalen Schädeln über die Bühne gruseln.

Munter sprudeln in der Komödie die Sketche und Songs. Wohl kaum jemandem auf der 2800-plätzigen Tribüne sind die Abba-Melodien fremd. Insgesamt trumpfen vor allem die Frauen auf im Stück, das sich mit einer über die gesamte Insellandschaft verteilenden Choreografie (Jonathan Huor) präsentiert. Sogar die unentwegt Kartoffeln schälende füllige Griechin (Chormitglied Doris Morgenthaler), die als stille Beobachterin fast durch das ganze Stück präsent ist.

Jedes Detail ist durchdacht. Auch die weisse Fahne, die Sophie am Anfang und am Schluss des Stücks schwingt. Die aufgemalten Buchstaben OXI weisen sowohl auf eine politische Bewegung in Griechenland als auch auf die rebellische Seite in Donnas Tochter hin.

Als Kritikpunkt eilten der Premiere die ins Berndeutsche übersetzten Abba-Songs voraus. Tatsächlich braucht es die Bereitschaft, sich dieser Begegnung zu stellen. Aber bereits bei den Hits «Chiquitita» oder spätestens bei «Dancing Queen», wenn die scharfen Dragqueens und Conchita-Wurst-Kopien in Glitzerteilen und Pfauenfedern oder Halbmasken über die Bühne stelzen, ist das Eis gebrochen. Das Publikum klatscht, schaukelt, summt, singt und stampft mit – und das Berndeutsche ist vergessen und verziehen.

Anlass zu einer Kritik geben dagegen Matthias Arn (als möglicher Vater Sam) und Angelo Canonico (als Sophies Liebe Sky). Sie vermögen stimmlich nicht immer zu überzeugen.

Mitunter eindeutig und dem Originaltext entsprechend zeigt sich Flaschkas Handschrift. Der Leiter des Theaters am Hechtplatz in Zürich ist bekannt für seinen Wortwitz und halbzweideutige Wortspiele. Dies zeigt sich in «Mamma Mia!» etwa in anrüchigen Wörtern wie «Schnäbi-Treger». Doch nie wirkt es vulgär oder zu obszön, vielleicht für einige frivol und zu gewagt, aber stets überwiegt die Lust an der Lust und am Spiel zwischen und unter den Geschlechtern.

Dominik Flaschka und Roman Riklin, der die Songtexte übersetzt hat, gelten als die derzeit erfolgreichsten Musicalmacher der Schweiz. Ab 28. September geht ihr nächstes Stück auf Tournee: «Supermarkt Ladies».

Immer wieder wartet «Mamma Mia!» mit vergnüglichem Slapstick auf – die visuelle Form von Komik. Die dafür wohl typischste Szene auf der Seebühne ist jene im Song «Wi wärs mit üs zwöi?». Rosi bezirzt Bill unter dem Getöse des Publikums, und sie lassen erst von sich, als Brautleute und Pfarrer auftauchen. Auf der Tribüne herrscht längst Hochstimmung.

Gekonnt bespielt werden auch Klischees wie etwa bei den drei möglichen Vätern: mit Bill, der jenes des Bündner Abenteurers bedient, mit Harry als spiessigem FC-St.-Gallen-Fan oder mit Sam als leicht versnobtem Zürcher.

Auf jeden Fall unterstützt die Dunkelheit die finale Klärung in der Geschichte. Die Scheinwerfer helfen mit, die Dinge ins richtige Licht (Christian Joller) zu rücken. Nicht nur wird die Band im Container durch die Lamellenstoren sichtbar, sondern die Träume aller erfüllen sich. «I wott, i wott, i wott, i wott, i wott», singt Donna im Brautkleid, und die weiterhin ledige Sophie setzt den Rucksack auf und schwenkt vor der Abreise die Fahne mit den gesungenen Worten: «I weis, es git Ängu / si tüe guets.»

Den Thunerseespielen ist es gelungen, die kleinräumige Indoor- in eine temporeiche, weltoffene Open-air-Version zu verwandeln und gleichzeitig Schweizer Dialekte und Sprachregionen miteinander zu ver­linken. Und vor allem, dass das Publikum die Songs von Abba auf dem Heimweg kaum mehr aus dem Kopf bringt.

Franziska Streun PS: Und wer die Abba-Hits wieder in Englisch hören und vor allem wissen möchte, wie es mit Donna, Sophie und Co. weitergeht: Im Kino läuft ab 19. Juli «Mamma Mia!», Teil zwei.

«Mamma Mia!»wird noch bis zum Donnerstag, 30. August, gespielt. Videoaufnahmen zum Stück sind auf der Website Thunerseespiele.ch aufgeschaltet. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 11.07.2018, 22:41 Uhr

O-Ton

«Wir haben am Strand getanzt und gemüntschelet und dann haben wir Punkt, Punkt, Punkt . . . ganz früecher hei si äbe no Punkt-Punkt-Punktet. Chunsch druus?»
Sophie liest ihren Freundinnen Lisa und Ali aus dem Taschenbuch ihrer Mutter Donna vor.

«Heilandstärne – wenn i gwüsst hätt, dass das Hotel uf der Akropolis steit, hätt i keni Pömps agleit.»
. . . protestiert Tanja und zieht in ihren roten Pumps ihre beiden rosafarbenen Koffer über den Steg an der Anlegestelle.

«Ich bin jitz vernetzt, verkablet und ver­weelanet.»
Donna erklärt ihrer Freundin Rosi, was ihr künftiger Schwiegersohn Sky für sie getan hat.

«U jitz wirden i eifach so usegmobbt – vore Ejakulation!»
Donna weint sich bei ihren Freundinnen Tanja und Rosi aus. Sie befürchtet, dass ihre Tochter Sophie ihr nie verzeiht und sie verstösst.

«Isch mir doch Schnurz, Houptsach, si sy bis zur Hochzyt beschäftiget. Herrgottstärne, machs eifach!»
Donna will, dass Skys Freund Eddie das Boot für die Hochzeitsgäste aus dem Hafen fährt.

«Füdlibacke zäme­chlemme, u wes lätz geit, i hane guete ­Aawaut.»
Tanja erzählt Harry, einem der drei möglichen Väter von Sophie, was ihr Vater ihr einst vor dem Traualtar zugeflüstert hat.

«Hoppla du, jetzt ­muesch aber brämsa . . .»
Bill versucht, sich aus Rosis ­Armen zu retten, die ihn provokativ umschlingen.

«I finds grossartig. I ha dänkt, das i nie wird Chind ha, und jetzt hani wenigschtens en Drittel vo de Sophie.»
Harry freut sich über die Neuigkeit, zu den drei möglichen ­Vätern von Sophie zu gehören.

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