«Lanz ist ein Verwalter, ich bin ein Gestalter»

Thun

Im Interview erklärt Stadtpräsidentskandidat Matthias Zellweger, weshalb er sich Wahlchancen ausrechnet und was er in der Thuner Politik ändern möchte.

Der 51-jährige Architekt und Unternehmer Matthias Zellweger fordert den Stadtpräsidenten Raphael Lanz heraus.

Der 51-jährige Architekt und Unternehmer Matthias Zellweger fordert den Stadtpräsidenten Raphael Lanz heraus.

Matthias Zellweger, ist Ihre ­Kandidatur ernst gemeint oder ein Jux?Matthias Zellweger:Sie ist sehr ernst gemeint, und ich gehe sie mit grosser Motivation an.

Aber sie kommt doch sehr ­überraschend.Für mich nicht, da ich sie schon seit langem geplant habe.

Was heisst das?Vor zwei Jahren zog ich die Kandidatur in Betracht, in diesem Frühling sah ich sie als Möglichkeit an, und im Juni entschied ich mich definitiv dazu, anzutreten. Die Anmeldung der Kandidatur erfolgte schliesslich diesen Montagmorgen um 8 Uhr.

Und was treibt Sie an?Die Freude an der Politik und an der Stadt Thun.

Das kann nicht alles sein. Sie ­kritisieren ja indirekt auch die Arbeit des bisherigen Stadt­präsidenten . . .Es ist keine direkte Kritik, sondern das Erkennen von Mankos in der Exekutive.

Von welchen Mankos sprechen Sie?Der heutige Gemeinderat macht eine sehr langweilige, volksfremde Politik.

Das müssen Sie erklären.Das Gremium kommuniziert schlecht. Ein Beispiel ist die Schule Seefeld.

Was würden Sie denn besser machen?Ich bin mir gewohnt, dass mein Auftraggeber mein Kunde ist. Ihn einzubeziehen, hat bei mir erste Priorität. Und nicht meine Karriereplanung.

Ist das gleichzeitig Ihr Hauptwahlkampfthema?Ja, die Kommunikation und wie man den Kunden ernst nimmt, ist ein zentrales Thema.

Was würde sich denn mit einem Stadtpräsidenten Matthias ­Zellweger ändern?Ich würde direkter und offener auf die Leute zugehen. Das ist das Hauptproblem der vorherrschenden Parteienideologie, wo man einem Dogma unterliegt. Als Parteiloser kann ich auf alle Parteien zugehen und für eine Lösung vermitteln.

Auf was müsste man sich in Thun sonst noch gefasst ­machen?Auf eine viel bürgernähere Politik. Wir müssen in der Stadt Thun mehr gestalten als ver­walten.

Haben Sie in dem Fall Visionen für Thun?Ja, ich habe die Vision, dass wir die Leute besser ansprechen und für unsere Kunden effektiv Lösungen finden wollen.

Haben Sie ein Beispiel für eine Vision?Bürgerinnen und Bürger wie die Politiker sollten sich bewusst werden, dass Kinder unsere Zukunft bedeuten, und ihr Handeln danach ausrichten. Die Verantwortlichen sollten sich bei ihren Projekten stets vorstellen, dass sie mit einem Kind an der Hand über eine Blumenwiese gehen und ihm die Welt erklären. Wer an Kinder denkt, hat langfristige Gedanken.

Das müssen Sie noch erklären.Es geht mir darum, dass die Stadt bei jedem Entscheid auch das Thema der weiten Zukunft miteinbezieht und damit vom kurzfristigen Denken, das nur einen selber betrifft, wegkommt.

Und das machen der jetzige ­Gemeinderat und der Stadt­präsident nicht?Nein.

Gleichwohl: Sie werden sich mit Ihrer Kandidatur an Raphael Lanz und dessen treuer SVP-Wählerschaft die Zähne ­ausbeissen . . .Nein, ich vertrete eine komplett andere Politik und bin auch ein ganz anderer Typ. Raphael Lanz ist der trockene Verwalter, der in einer rechtskonservativen Partei gefangen ist. Ich bin ein lebendiger Gestalter. Diese unterschiedlichen Ausgangslagen werden ­sicher auch Thema des Wahlkampfs werden.

Sie machen ganz sicher der FDP, der Sie mal angehört haben, keinen Gefallen. Carlos Reinhard wird wichtige Stimmen an Sie verlieren.Ja, ich bin vor zwei Jahren aus der FDP ausgetreten und seit Jahren nicht mehr parteipolitisch aktiv. Es ist logisch, dass meine Stimmen irgendwoher kommen, wohl eher nicht von ganz rechts oder ganz links, sondern aus der liberalen Mitte, die bis zu den Grünen reicht. Damit könnte es für Kandidaten, welche auf Reststimmen angewiesen sind, eng werden. Ich denke da in erster Linie an Carlos Reinhard, dann an Konrad Hädener, und schliesslich könnte es auch Andrea de Meuron treffen.

Noch eine Frage zum Schluss: Was machen Sie, wenn Sie nicht gewählt werden?Dann arbeite ich einfach weiter. Bisher hatte ich keine Zeit, mich stärker politisch zu engagieren. Jetzt will ich den Wählern eine echte Alternative bieten.

Weitere Infos zur Kandidatur: www.matthias-zellweger.ch.

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