Küsste er die 14-Jährige mit Zunge?

Oberland

Ein Mann wurde in Thun wegen sexueller Handlungen mit Kindern zu einer bedingten Geldstrafe und zu einer Busse verurteilt. Im Falle von Pornografie erfolgte ein Freispruch.

Der Beschuldigte soll sich dem Mädchen mehrmals von hinten genähert haben (Symbolbild/iStock)

Der Beschuldigte soll sich dem Mädchen mehrmals von hinten genähert haben (Symbolbild/iStock)

Einem 41-jährigen Schweizer aus dem Oberland wurden von der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Oberland, mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern sowie Pornographie zur Last gelegt. Er soll im Juli 2017 ein 14-jähriges Mädchen mehrfach umarmt und ihm dabei Zungenküsse verabreicht und mit ihm ausgetauscht haben. Im Weiteren wird ihm vorgeworfen, dass er sich dem Mädchen mehrfach von hinten genähert, es umarmt und mit den Armen über den Kleidern an seinen Brüsten berührt und angefasst habe.

Zudem wurde im August 2017 auf einem beschlagnahmten Handy ein Video mit verbotener Pornografie festgestellt. Darauf nahm eine männliche Person sexuelle Handlungen an einem Esel vor. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine bedingte Geldstrafe von 240 Tagessätzen bei einer Probezeit von zwei Jahren, verbunden mit einer unbedingten Busse von 60 Tagessätzen.

Waren es Zungenküsse?

Das Mädchen hatte bereits während längerer Zeit bei dem Beschuldigten im Stall mitgeholfen. Dabei entwickelte sich ein Vertrauensverhältnis, das allerdings dann zu weit ging. Am Donnerstag hatte sich nun der Mann vor dem Regionalgericht Oberland in Thun zu verantworten. Waren es Zungenküsse oder nur harmlose Müntschi? So lautete die Kardinalfrage.

Während der Beschuldigte von Anfang an bestritten hatte, dass es sich um Zungenküsse gehandelt habe, machte das Mädchen anderslautende Aussagen. Es begründete dies auch damit, dass der Mann ihm geraten habe, nichts von ihren Handlungen zu erzählen, da er sich sonst strafbar mache. Das angebliche Betasten der Brüste über die Kleider könne zufällig bei Arbeiten im Stall entstanden sein, machte er geltend.

Keine sexuellen Motive

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten analysierte den Begriff des Zungenkusses. Er kam zum Schluss, dass es sich im vorliegenden Fall nicht um solche gehandelt hatte. In Bezug auf das Betasten der Brüste sprach er von Zufälligkeiten. Dem Mann könnten keine sexuellen Motive zur Last gelegt werden. Das Video mit der pornografischen Handlung, dessen Absender nicht bekannt sei, sei kurz nach Erhalt gelöscht worden. Der Anwalt beantragte in beiden Fällen Freisprüche und die Entschädigung seines Mandanten.

In Bezug auf den Vorwurf der Pornografie erfolgte ein Freispruch. Hingegen sprach die Gerichtspräsidentin den Mann der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern schuldig. Sie verurteilte ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 160 Tagessätzen zu je 50 Franken bei einer Probezeit von zwei Jahren und zu einer Verbindungsbusse von 2000 Franken. Zudem muss er Verfahrenskosten von 2150 Franken zahlen.

Thuner Tagblatt

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