Kirche mahnte zu mehr Anstand

Thun

Drängelnde Männer und phlegmatische Frauen: Der Thuner Kirchenvorstand appellierte im April 1867 an den Anstand der Kirchen­besucher.

Der Thuner Kirchenvorstand ermahnte die Gläubigen im April 1867 zu mehr Anstand während und nach den Gottesdiensten. Im Bild aus dem Jahr 1900 sind die Stadtkirche und das Aarebecken zu sehen.

Der Thuner Kirchenvorstand ermahnte die Gläubigen im April 1867 zu mehr Anstand während und nach den Gottesdiensten. Im Bild aus dem Jahr 1900 sind die Stadtkirche und das Aarebecken zu sehen.

(Bild: Hans Gustav Keller, Stadtarchiv Thun)

Im April 1867 fühlte sich der Kirchenvorstand offenbar genötigt, via Zeitung an den Anstand der Kirchengänger zu appellieren. «Der Kirchenvorstand von Thun sucht mit Recht den kirchlichen Anstand zu wahren und zu fördern; darum fordert er die männlichen Gemeindegenossen auf, beim Hinausgehen aus der Kirche den Frauen den Vortritt zu lassen, wie sichs auch gehört», hiess es im «Thuner Blatt».

Doch auch die Frauen kamen nicht ungeschoren davon: «Wie wärs, wenn jetzt die Frauen sich dafür bemühten, beim Gebet in der Kirche aufzustehen, ehe dasselbe begonnen hat; denn das ist sicher, dass jetzt der Anfang jedes Ge­betes durch das Aufstehen der weiblichen Zuhörerschaft gestört wird.»

Was vor 150 Jahren sonst noch für Schlagzeilen sorgte:

3. 4. 1867 Lebensmittelpreise in Thun. Anken in Ballen à 1 Pfd. Fr. –.90 bis –.95. Kartoffeln per Zentner 4.50 bis 4.80. 13 bis 14 Eier für 60 Cts.

3. 4. 1867 Sonntag fand der offizielle Schluss der Gewerbeschule statt, die im Herbst 1866 in Thun eröffnet worden war. Die zahlreichen Anmeldungen berechtigten damals zu sehr schönen Erwartungen, die leider nicht alle in Erfüllung gingen. Bei gar vielen ist der Eifer im Lauf des Winters erlahmt. Die dreissig verbliebenen Schüler zeigten aber ansprechende Leistungen.

3. 4. 1867 In der Nacht vom 1. auf den 2. April hat Polizeidiener Hoffmann in Thun drei gefährliche Individuen arretiert, welche eine bedeutende Menge gestohlener Bett- und Kleidungsstücke auf sich trugen.

3. 4. 1867 Der zum Burger von Thun angenommene Herr Sulzbach, Bankier in Frankfurt, hat der Burgergemeinde das schöne Geschenk von 1000 Franken übermacht; 500 Franken der Waisenanstalt und 500 Franken dem Stipendienfonds zur Er­ziehung fähiger armer Burgerknaben.

6. 4. 1867 Die diesjährigen öffentlichen Jahresprüfungen des Progymnasiums finden Montag, Dienstag und Mittwoch, 22., 23. und 24. April statt. Für das neue Schuljahr sind zwei Freistellen offen und zu vergeben.

6. 4. 1867 Mein Büro befindet sich nun im Plainpied des Hauses von Herrn Hürner auf dem Viehmarkt vis-à-vis der Wirtschaft Werthmüller. R. Jost, Commissionär.

6. 4. 1867 In einem Gasthof in Thun wird eine Kellnerin von angenehmem Äusseren, die französisch spricht und gute Zeugnisse aufweisen kann, gesucht. Sie könnte sogleich eintreten. Nachfrage bei der Exped. d. Blts.

6. 4. 1867 Nach dem Generalbericht der Kantonalbank hatte die Filiale in Thun neben der Hauptbank im abgelaufenen Jahr den grössten Geschäftsverkehr.

6. 4. 1867 Bei Unterzeichnetem könnte ein intelligenter Knabe braver Eltern den Barbierberuf erlernen. G. Müller, Chirurg in Thun.

10. 4. 1867 Die Liedertafel des Männerchors vom letzten Sonntag übertraf an Tüchtigkeit und Gediegenheit wohl alle früheren, die doch öfters auch flott vom Stapel gelaufen sind.

10. 4. 1867 Die Buchhandlung H. Blom empfiehlt ihre Musikalienleihanstalt für Klavier- und Gesangsmusik. Es werden auch Abonnements für wöchentliche und monatliche Wechslung angenommen.

10. 4. 1867 Händschels fotografisches Atelier. Veranlasst durch das zunehmende Vertrauen, erbaute ich bei Herrn Siegen­thaler ein Atelier, durch seine Grösse geeignet für die Aufnahme von Familien, Vereinen und Gesellschaftsgruppen. Bequemes Wartezimmer.

10. 4. 1867 Die Aufnahmeprüfungen für die Mädchensekundarschule für neu eintretende Schülerinnen werden am 20. April im Schulhaus auf dem Platz abge­halten.

13. 4. 1867 Wirtschaftseröffnung «Tivoli» an der neuen Kasernenstrasse, Sonntag, 14. April. Es ­ladet höflichst ein der Wirt. F. Immer.

13. 4. 1867 Wegen in hiesiger Stadt vorgekommener Kinderblattern hat der Unterzeichnete mit den diesjährigen Impfungen begonnen und wird jeden Montag um 2 Uhr dieselben fortsetzen. Der Kreisimpfarzt: Dr. G. Immer.

17. 4. 1867 Für nur 70 Franken eine garantiert gute amerikanische Nähmaschine (la Reine), neuste Erfindung. Dieselbe ist portativ und leicht an jedem gewöhnlichen Tisch zu befestigen. Eignet sich besonders zum Familiengebrauch. Buchhandlung H. Blom.

17. 4. 1867 Wegen baldigem Ablauf der Amtsdauer wird die Stelle des Gemeindeschreibers mit einer jährlichen Besoldung von Fr. 1500 zur freien Bewerbung ausgeschrieben.

17. 4. 1867 Der Termin zur Eingabe von Bauplänen für den hiesigen Schulhausneubau ging am 15. d. zu Ende. Es wurden im ganzen 29 Pläne eingesandt, worunter einige recht schöne. Nachdem das bestellte Preisgericht sich darüber entschieden, werden dieselben zur Besichtigung ausgestellt.

20. 4. 1867 An die Stelle des zum Gemeindekassier ernannten Hrn. Lehrer Hänni wurde Hr. Loosli als Lehrer der obersten Klasse der Primarschule gewählt.

20. 4. 1867 Casino Thun. Die Mitglieder werden darauf aufmerksam gemacht, dass sie von nun an jeden Donnerstag nach 8 Uhr abends Zeitschriften der Gesellschaft nach Hause erheben können. Die Lektüre muss aber vom Bibliothekar eingetragen werden und nach acht Tagen zurückgebracht werden.

24. 4. 1867 Unterzeichnete macht dem Publikum Anzeige, dass sie sich hier etabliert und als eingeübte, von der Sanitätsbehörde Zürich patentierte Schröpferin diesen Beruf auch hier ausüben wird, nach Verlangen in Privathäusern oder in Ihrer Wohnung. Frau Santschi bei Hrn. Senn, Bäcker beim Berntor, 2 Treppen hoch.

27. 4. 1867 Der April hat dieses Jahr seine Launen mit allen Tonarten an uns ausgelassen, mit Sturm und Sonnenschein, Regen und Schnee. Nun hat er uns letzten Donnerstag auch noch ein tüchtiges Gewitter gebracht.

27. 4. 1867 Von nun an wohnt ­Notar Engemann wieder in seinem Wohnhause, gegenüber der Trog’schen Apotheke.

27. 4. 1867 Zimmermann & Cie. Marchands-Tailleurs, haben ihr Warenmagazin samt Wohnung in das neu erbaute Haus des Hrn. Spring neben der Allmendbrücke verlegt.

Quelle:Stadtarchiv Thun.

mbs

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt