Zum Hauptinhalt springen

Kindergärteler weggelaufen: Gericht hebt Verweis gegen Lehrerin auf

Drei Mädchen liefen während ihres Unterrichts vom Schulgelände – deshalb erhielt eine Lehrerin einen Verweis. Dem Verwaltungsgericht ist die Beweislage nicht stichfest genug. Es hebt den Verweis auf.

Die Erziehungsdirektion sah eine Verletzung der Obhutspflicht, durch die Lehrerin. Eine «hundertprozentige Überwachung» aller Kinder könne aber nicht gewährleistet werden, so das Verwaltungsgericht. (Symbolbild)
Die Erziehungsdirektion sah eine Verletzung der Obhutspflicht, durch die Lehrerin. Eine «hundertprozentige Überwachung» aller Kinder könne aber nicht gewährleistet werden, so das Verwaltungsgericht. (Symbolbild)
iStock

Eine Thuner Lehrerin kassiert einen Verweis wegen angeblicher Verletzung der Dienstpflicht, setzt sich daraufhin mit einer Beschwerde beim Verwaltungsgericht gegen Schulleitung und Erziehungsdirektion zur Wehr – und erhält recht, wie dem am Dienstag publizierten Gerichtsurteil zu entnehmen ist.

Der Vorfall, der die Lehrerin zum Gang vor das Verwaltungs­gericht bewegte, ereignete sich im Juni 2016. Besagte Lehrerin unterteilte an einem Vormittag ihre dreizehnköpfige Kinder­gartenklasse in zwei Gruppen. Während sie mit der einen Gruppe im Innenraum beschäftigt war, spielte die andere Hälfte der Kinder frei im Garten.

Dabei konnten drei Mädchen ihr Lieblingsspielzeug nicht finden. Eines der drei schlug deshalb vor, bei ihm zu Hause weiterzuspielen. Daraufhin verliessen die Mädchen den Garten, was wiederum andere Kinder der Lehrerin mitteilten.

Bevor diese sich auf die Suche nach den verschwundenen Schülerinnen machte, beauftragte sie den Hausmeister, der zufällig anwesend war, kurz auf die restlichen zehn Kinder aufzupassen.

Ihre Suche brach die Lehrerin schnell wieder ab: Die Mädchen waren nicht mehr zu sehen. Per Telefon erreichte sie anschliessend die Grossmutter einer der kleinen Ausreisserinnen, die das Trio dann in den Kindergarten zurückbrachte.

Lehrerin war in Beratung

Jener Vorfall bewegte die Schulleitung dazu, der Lehrerin einen Verweis zu erteilen. Dies aufgrund einer Vorgeschichte: Die Lehrerin habe sich zum Zeitpunkt des Vorfalls bereits in einem Beratungsverfahren befunden.

Dies, weil einige Monate zuvor die Klassenlehrerin, an deren Klasse besagte Lehrerin im Teilpensum unterrichtete, die Schulleitung auf die «unterschiedliche Wahrnehmung» der Zusammenarbeit zwischen den beiden Frauen hingewiesen hatte.

Die Schulleitung stellte daraufhin bei Schulbesuchen «verschiedene Mängel» fest, etwa in den Bereichen Organisation, Disziplin, Struktur und Kontrolle. Alle Parteien kamen überein, dass die betroffene Lehrerin eine Beratung besuchen und dort an jenen Punkten arbeiten solle.

Nicht handfest genug

Das Verwaltungsgericht stuft die Argumentation der Schulleitung, dass die Lehrerin sich in Beratung befunden habe und «trotzdem» drei Kinder aus ihrem Un­terricht weggelaufen seien, als wenig handfest ein. Die Schul­leitung zeige nicht auf, wie genau die Lehrerin ihre Pflichten verletzt habe.

Die gewählte Unterrichtsform in zwei Gruppen werde weder von der Schulleitung noch der Erziehungsdirektion beanstandet. Es werde auch nicht davon ausgegangen, dass jederzeit eine hundertprozentige Überwachung aller Kinder sichergestellt werden könne.

Obwohl eine andere Unterrichtsform an jenem Vormittag möglicherweise sinnvoller gewesen wäre, reiche dies nicht für einen Verweis. Damit heisst das Verwaltungsgericht die Beschwerde der Lehrerin gut.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch