Kanton kürzt Beiträge um 25 Prozent

Thun/Oberland

Der Kanton spart auch bei der Integration – und zwar 23,7 Prozent. Die Region Thun und das gesamte Oberland trifft dies mit 74 000 Franken. Wo und wie dieser Betrag eingespart werden kann, prüft die Stadt Thun derzeit.

Alltag im Kompetenzzentrum Integration Thun-Oberland (KIO): Carolina Paz (links) berät die Kosovarin Jmeri Fixhrije. Wie und wo nach der Kürzung des Kantons über 74 000 Franken eingespart werden können, wird im Moment erarbeitet.

Alltag im Kompetenzzentrum Integration Thun-Oberland (KIO): Carolina Paz (links) berät die Kosovarin Jmeri Fixhrije. Wie und wo nach der Kürzung des Kantons über 74 000 Franken eingespart werden können, wird im Moment erarbeitet.

(Bild: Markus Hubacher)

«Alle Ansprechstellen Integration im Kanton Bern haben in den letzten drei Jahren in dessen Auftrag einen Fachbereich aufgebaut, den er nun in einem halben Jahr um ein Viertel reduzieren soll», sagt Fred Hotel, Leiter Fachstelle Integration Thun, Amt für Bildung und Sport (vgl. Kasten). In dieser Funktion leitet er unter anderem das Kompetenzzentrum Integration Thun-Oberland (KIO), welches Beratungen in und um Thun und im Oberland durchführt und auch die Ansprechstelle Integration (AI) stellt. «Die geplante Kürzung von 23,7 Prozent bedeutet, dass wir bei der AI 74 000 Franken einsparen müssen.» Das heisst: «Ab 2018 – sofern die Stadt Thun überhaupt den Zuschlag für den neuen Leistungsauftrag für Thun und das Oberland erhält – müssen wir Angebote und vermutlich auch Stellen kürzen.»

Wichtig ist ihm noch zu betonen, dass diese Sparmassnahmen im Integrationsbereich nicht Teil des Entlastungspaketes sind, mit welchem der Kanton jährlich 185 Millionen Franken einsparen will und über welches der Grosse Rat im November befinden wird.

Neue Offerte, neuer Vertrag

«Der Kanton gibt vor, dass beim Diskriminierungsschutz gespart werden soll und vor allem bei den Beratungen, welche die gesetz­lichen Vorgaben ergänzen, wie ­etwa Aufbau- und Ver­netzungs­arbeiten im Oberland oder zwischen Kirchen, Privaten und Sozialämtern», sagt Fred Hodel. «Alle AI-Stellen müssen dieses Mal in ihrer jährlichen Offerte für den Leistungsvertrag nun angeben, wie sie die Aufgaben mit weniger Geld erfüllen wollen.» Der Kanton entscheide jedes Jahr neu und könne für die Umsetzung seiner Integrationspflichten einen Verein, eine Stadt oder eine Gemeinde bestimmen.

Die Kürzung löse wie erwähnt neben Budgetanpassungen wohl auch personelle Massnahmen im KIO aus. «Im KIO teilen sich aktuell sechs Personen 290 Stellenprozente», sagt Hodel. «Im Moment erarbeiten wir die Möglichkeiten, wo und wie wir die 74 000 Franken einsparen können.» Die gesamte Organisation müsse neu aufgestellt werden. Sicher komme es bei Beratungen zwangsläufig zu Wartezeiten, und die Vernetzungsarbeiten würden reduziert. «Wenn also zum Beispiel eine Portugiesin erfahren will, welche Weiterbildung ihr bei uns aufgrund ihrer Ausbildung möglich ist, oder ein Kroate Hilfe beim Ausfüllen eines Gesuchs braucht, müssen sie länger auf eine Beratung warten», erklärt er.

Betrifft Asylsuchende nicht

«Die Verteilung der Arbeiten hängt aber nicht nur von den Verbleibenden und den gesetzlich vorgegebenen Aufgaben ab, sondern steht auch im Zusammenhang mit der Zuwanderung», erklärt Hodel. Gemeint sei damit etwa der Familiennachzug. Beim Integrationsgesetz geht es um Ausländerinnen und Ausländer, die regulär in die Schweiz einreisen, und nicht um den Asylbereich. Dieser Bereich ist durch das Asylgesetz geregelt. In Thun und im Oberland erfüllt diese Aufgaben die Asylkoordination Thun. Sie ist dem Sozialdienst angegliedert und wird neu organisiert: ab 2018 in Form des kürzlich gegründeten Vereins Asyl Berner Oberland, ABO genannt (wir berichteten). «Unsere Schnittstellen im Asylbereich beschränken sich auf einzelne Bereiche, etwa auf die Fördermassnahmen in den Schulen oder die Bereitstellung von Kursräumen», stellt Hodel klar.

Unverändert bleiben auch die Aktivitäten der Stadt, welche ihr das eigene Integrationsleitbild vorgibt. «Dazu gehören die Infoabende Durchblick oder dass Kursanbieter im KIO Räume benutzen dürfen.» Unabhängig von der Kürzung steht die Integration bei der Fachstelle unverändert im Mittelpunkt. «Zwar wird meist vom Asylbereich gesprochen», sagt Hodel, «doch die regulär unter uns lebenden Menschen ausländischer Herkunft sind der weitaus grösste Teil der Migrationsbevölkerung.»

Thuner Tagblatt

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt