Junge Bühne im Broadwayfieber

Thun

Mit dem Stück «Gerüchte... Gerüchte...» von Neil Simon wagt sich die Junge Bühne Thun mit brillanter Wucht an einen gefeierten Broadway-Klassiker.

<b>Wortgefechte satt</b> liefert sich das Ensemble Junge Bühne Thun in der neuen Produktion «Gerüchte... Gerüchte...» von Neil Simon.

Wortgefechte satt liefert sich das Ensemble Junge Bühne Thun in der neuen Produktion «Gerüchte... Gerüchte...» von Neil Simon.

(Bild: PD)

In Zeiten der Fake News gilt die Suche nach Wahrheit als erstrebenswertes Ziel. Doch welche Wahrheit ist die richtige? Vielleicht die von Chris Gorman (Elena Chiandusso)?

Als Nervenbündel lässt sie sich von Ehemann Ken (Raphael Rudin) gängeln, raucht auf Nikotinentzug sogar Q-Tipps und wirkt in der angespannten Situation wie ein gehetztes Tierchen. Ken wiederum hilft der Wahrheit lieber auf die Sprünge, indem er verharmlost und vertuscht.

Wo sind die Gastgeber?

In Neil Simons Stück «Gerüchte… Gerüchte…» bewegen sich die Protagonisten auf sehr glattem gesellschaftlichem Parkett: Das Bürgermeisterpaar Myra und Charlie Brock hat Freunde zum zehnten Hochzeitstag eingeladen. Nacheinander treffen die Gäste ein.

Zunächst das besagte Ehepaar Gorman, dann Claire und Lenny Ganz (Alexandra Stoll, Patrik Aebischer), die auf dem Weg zur Party einen Unfall mit Totalschaden des neuen BMW zu beklagen haben. Doch weder Schleudertrauma noch dicke Lippe können das Paar davon abhalten, zu ergründen, wo sich die Gastgeber aufhalten.

Im Gestrüpp der Lügen

Denn Myra ist spurlos verschwunden, Charlie hat sich angeblich ins Ohrläppchen geschossen und schläft valiumselig im ersten Stock. Anfangs bemühen sich die Freunde, das mysteriöse Verschwinden der Gastgeberin sowie den vermeintlichen Selbstmordversuch des Gastgebers voreinander zu vertuschen, um ihren Ruf zu wahren. Dabei verstricken sie sich zunehmend in einem Gestrüpp von Lügen.

Psychoanalytiker Ernie Cusack und seine Frau Cookie (Jeannine Greber, Lionel Romero Lanz) treffen ein, dann der ambitionierte Politiker Glenn Cooper mit seiner zickigen Frau Cassie (Joël Bourgin, Anna Reschetko). Als eine Wachtmeisterin (Aliena Schweizer) die Partygäste ins Gebet nimmt, treibt die Wahrheit seltsame Blüten.

Mit seinen brillanten Dialogen gilt das Stück als Klassiker von Erfolgsautor Neil Simon und wurde nach der Uraufführung Ende der 1980er-Jahre mehr als 600-mal am New Yorker Broadway aufgeführt.

Unter der Regie von Andreas Schibler entstand die Mundartfassung aus der Feder der Remise Bühni Jegenstorf, die an Rasanz und Komik nichts zu wünschen übrig lässt. Dabei erreicht das Ensemble ein darstellerisch hohes Niveau – das ist längst kein Laientheater mehr!

Die Textfülle würde, langsamer gesprochen, getrost für eine vierstündige Aufführung ausreichen. Trotz des Sprechtempos sind alle Akteure bestens zu verstehen.

Maschinengewehrartig liefern sich die Schauspielenden verbale Gefechte, die im Publikum für zahllose Lacher sorgen. Für eine Wortsalve von Elena Chiandusso spendet es gar einen Szenenapplaus.

Potenzial für eine Tournee

Auf der Suche nach der Wahrheit präsentieren sich die fein gezeichneten Charaktere auf ihre unverwechselbare Art. Die erfrischende Inszenierung der Jungen Bühne Thun zerzaust das Gehirn auf angenehme Weise.

Dieser Produktion würde eine Gastspieltournee gut zu Gesicht stehen. Aus dem Publikum fasste der 13-jährige Aaron zusammen: «Boah, mussten die aber viel Text lernen», und wunderte sich: «Komisch, ich hab mich keine Sekunde gelangweilt.»

«Gerüchte... Gerüchte...», Junge Bühne Thun, Komödie von Neil Simon, Kleintheater Alte Oele, Thun. Vorstellungen: 8.,.9., 11., 12., 13., 16., 17. Januar, 20 Uhr, sonntags 17 Uhr. Tickets www.theateralteoelethun.ch, Tel.: 079 552 29 17, in der Café-Bar Alte Oele oder an der Abendkasse.

Thuner Tagblatt

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