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Jugendliche in Sexfalle gelockt – Therapie für Täter verlängert

Für einen 2013 zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilten Sexualtäter wird die stationäre Massnahme um vier Jahre verlängert. Grund ist die bestehende Rückfallgefahr.

Ein damals 47-Jähriger chattete von 2009 bis 2011 unter dem Namen Anita mit jungen Männern zwischen 15 und 17 Jahren. Im Anschluss kam es mit einigen der Jugendlichen zu sexuellen Handlungen.
Ein damals 47-Jähriger chattete von 2009 bis 2011 unter dem Namen Anita mit jungen Männern zwischen 15 und 17 Jahren. Im Anschluss kam es mit einigen der Jugendlichen zu sexuellen Handlungen.
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Der Fall erregte seinerzeit schweizweit Aufsehen. Dies, weil es sich um eine exemplarische Causa handelte und von der Polizei in diesem Zusammenhang Tipps gegen sexuelle Übergriffe im Internet gegeben wurden.

Was war geschehen? Von 2009 bis 2011 lockte ein damals 47-Jähriger im Berner Oberland junge Männer in die Sexfalle. Als Mädchen mit dem Namen Anita getarnt, knüpfte er via Facebook und MSN-Chat Kontakte zu 44 Jungs im Alter zwischen 15 und 17 Jahren.

Im August 2011 konnte der Mann dank eines anonymen Hinweises verhaftet werden. Er musste sich wegen versuchter oder vollendeter sexueller Nötigung in 21 Fällen, wegen versuchter oder vollendeter sexueller Handlungen mit Kindern in 28 Fällen sowie wegen Erpressung, versuchter oder vollendeter Nötigung und Pornografie vor Gericht verantworten.

Das Regionalgericht Oberland in Thun verurteilte den Mann im Juni 2013 zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren und einer stationären Therapie. Den grössten Teil seiner Strafe kassierte er für seine Taten mit jenen 5 der 44 Opfer, die er zu Oralsex nötigen konnte – insgesamt kam es zu 48 solcher Treffen.

Rückfall wahrscheinlich

Gestern stand der Mann aus dem Oberland erneut vor Gericht. Die Vollzugsbehörde, die Bewährungs- und Vollzugsdienste, hatte Antrag auf Verlängerung der stationären Massnahme gestellt.

Das geschieht, wenn bei einem Verurteilten die Gefahr besteht, dass er nach einer Entlassung gleiche oder ähnliche Straftaten begeht. Das in Fünferbesetzung unter Gerichtspräsidentin Dorothea Züllig von Allmen tagende Kollegialgericht hatte nun zu beurteilen, ob die Massnahme verlängert werden solle oder nicht.

Ehe ging in die Brüche

Neben dem Verurteilten, der sich vom Richterkollegium einige Fragen gefallen lassen musste, wurde auch ein Sachverständiger befragt, der ein psychiatrisches Gutachten verfasst hatte. Dieser schilderte den Mann als einen, der jahrelang ein sexuelles Doppelleben geführt habe.

Die Ehe ist mittlerweile in die Brüche gegangen. Ob eine Rückfallgefahr bestehe, konnte der Experte nicht schlüssig beantworten. Eine Verlängerung der stationären Massnahme um zwei Jahre sei denkbar. «Das Ganze ist eine tragische Geschichte. Der Mann sollte den Willen aufbringen, seine Triebhaftigkeit in den Griff zu bekommen und ein neues Leben aufzubauen», betonte der Gutachter.

Kein unbeschriebenes Blatt

Staatsanwältin Carol Scherrer stufte die Rückfallgefahr als hoch ein und beantragte eine Verlängerung der stationären Massnahme um die maximal zulässigen fünf Jahre. Sie wies unter anderem auf die einschlägigen Vorstrafen hin. Der Täter hatte bereits dreimal Sexualdelikte begangen. «Er hat gegenüber seinen Opfern einen wahren Psychoterror ausgeübt», argumentierte sie weiter.

«Es gilt, belastende und entlastende Umstände mit gleicher Sorgfalt zu gewichten», sagte der amtliche Verteidiger. Dabei wies er auf die gemäss verschiedenen Gutachten in letzter Zeit festgestellten Fortschritte bei der Therapierung hin. Er erachtete eine Verlängerung der stationären Massnahme um lediglich 15 Monate als angemessen.

Mit seiner Argumentation drang er beim Gericht nicht durch. Dieses sprach eine Verlängerung von vier Jahren, das heisst bis zum Juni 2022, aus. Zudem hat der Täter Verfahrens- und Anwaltskosten von rund 7700 Franken zu tragen. Ob das Urteil angefochten wird, konnte der Verteidiger gegenüber dieser Zeitung noch nicht sagen.

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