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Jetzt ist das Kirchenvolk gefragt

Der Grosse Kirchenrat hat die Initiative «Pro Joki» in einer geheimen Abstimmung abgelehnt. In der vorgängigen Debatte waren sich die Ratsmitglieder alles andere als einig darüber, was die nun anstehende Abstimmung bewirken wird.

Im nächsten Jahr entscheiden die Mitglieder der Thuner Kirche, wie es mit der Johanneskirche weitergehen soll.
Im nächsten Jahr entscheiden die Mitglieder der Thuner Kirche, wie es mit der Johanneskirche weitergehen soll.
Patric Spahni
«In der Kasse der Gesamtkirchgemeinde droht ein riesiges Loch. Das Geld würde anderen Kirchgemeinden fehlen». Willy Bühler, Kleiner Kirchenrat
«In der Kasse der Gesamtkirchgemeinde droht ein riesiges Loch. Das Geld würde anderen Kirchgemeinden fehlen». Willy Bühler, Kleiner Kirchenrat
Patric Spahni
«Wir stimmen heute auch darüber ab, wie wir miteinander umgehen. Ich befürchte, dass die Gräben tiefer werden könnten.» Dora Kaiser, Strättligen
«Wir stimmen heute auch darüber ab, wie wir miteinander umgehen. Ich befürchte, dass die Gräben tiefer werden könnten.» Dora Kaiser, Strättligen
Patric Spahni
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Es war der letzte Strohhalm, an welchen sich die Befürworter der Initiative «Pro Joki» klammerten: Marianne Tschabold von der Kirchgemeinde Strättligen stellte zum Ende der Debatte den Antrag auf eine geheime Abstimmung. Wohl in der Hoffnung, dass der eine oder andere der Delegierten der Vorlage unter diesen Umständen doch noch zustimmen könnte.

Doch dieses Vorgehen brachte nicht die erhoffte Wirkung: Von den anwesenden 28 Parlamen­tariern sprachen sich lediglich 7 für die Initiative des Vereins Pro Kirchen Strättligen aus, welche die beschlossene Entwidmung der Johanneskirche rückgängig machen will. Selbst die zwölf Vertreter der Kirchgemeinde Strättligen standen nicht geschlossen hinter dem Begehren.

«Wir brauchen Klarheit»

Vielleicht lag es daran, dass die Meinungen bereits lange vor der Sitzung vom Montagabend gemacht waren. Vielleicht auch an den deutlichen Worten, die Willy Bühler als Präsident des Kleinen Kirchenrats an das ­Gremium richtete: «Nach den vielen kontroversen Diskussionen brauchen wir jetzt Klarheit und Einheit», sagte er. «Es ist eine Tatsache, dass unsere finanziellen Mittel nicht dafür reichen, alle Kirchen auf Thuner Boden zu erhalten.» Sonst drohe der Gesamtkirch­gemeinde eine Verschuldung, was auch negative Auswirkungen auf die anderen Thuner Kirch­gemeinden haben werde.

Willy Bühler versuchte auch diejenigen zu beschwichtigen, welche das Vorpreschen des Kleinen Kirchenrats im August 2016 als undemokratischen Akt empfunden hatten. Damals hatte der Rat die Entwidmung der Kirche zur Abstimmung vorgeschlagen, ohne die Wünsche der betroffenen Kirchgemeinde zu berücksichtigen. «Wir werden unser Vorgehen selbstverständlich mit der Kirchgemeinde Strättligen absprechen», sagte Bühler gestern. Gespräche mit möglichen Partnern oder Interessenten für die Umnutzung der Kirche seien aber nur dann möglich, wenn die Kirche, wie beschlossen, vom Verwaltungs- ins Finanzvermögen überführt werde und ein Endtermin für die Nutzung des Gebäudes feststehe.

«Und weil sich auch die Ausgangslage nicht geändert hat, empfehlen wir dem Grossen Kirchenrat, die Initiative abzulehnen und damit den Weg für die Volksabstimmung frei zu machen», schloss er sein Votum.

«Lage hat sich verändert»

«Die Ausgangslage hat sich sehr wohl verändert», entgegnete ihm Marianne Tschabold in der anschliessenden Debatte. «Die Initiative, über welche wir heute debattieren, wurde eingereicht. Und beim Verwaltungsgericht ist eine Beschwerde hängig.» Auch ihre Kollegin Dora Kaiser freut sich über das Zustandekommen der Initiative: «Sie beweist, dass unsere Kirche lebt.» Die Vertreterin der Kirchgemeinde Strättligen kündigte an, dass sie dem Volksbegehren zustimmen werde, weil sie verhindern wolle, dass die Gräben durch einen Abstimmungskampf noch tiefer würden. «Wir stimmen heute nicht nur über die Initiative ab, sondern auch darüber, wie wir miteinander umgehen», sagte sie. Auch Fernand Portenier unterstützte dieses Votum: «Gehen wir doch selbstbestimmt auf Feld 1 zurück», rief er die Versammlung auf. Es seien so viele Halbwahrheiten erzählt worden, dass die Annahme der Initiative der einzig sinnvolle Schritt sei.

Appell an die Verantwortung

Doch diese Voten verhallten im Raum. Spätestens dann, als Hans Haldimann von der Kirchgemeinde Goldiwil-Schwendibach an das Gewissen der Ratsmitglieder appellierte und diese daran erinnerte, dass die ganze Kirchgemeinde eine Verantwortung trage, wenn in der Johanneskirche ein Betonelement herunterfalle, waren die Meinungen gemacht. Heinz Leuenberger, der ehemalige Gemeinderat und Vertreter der Kirchgemeinde Thun-Stadt, hatte deshalb leichtes Spiel, als er die Versammlung bat, ihren Entscheid vom August 2016 nicht mehr umzustossen und dem Volk das letzte Wort zu überlassen.

Bereits am 29. Januar will der Kleine Kirchenrat dem Parlament das weitere Vorgehen skizzieren. Die Abstimmung muss in den nächsten neun Monaten stattfinden.

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