Ist es der Urner Bär?

Eriz

Die zuständigen Behörden­vertreter zeigen sich interessiert am weiteren Verlauf des Bärenbesuchs im Berner Oberland. Sie gehen davon aus, dass es sich um das bereits im Kanton Uri gesichtete, ausgesprochen scheue Tier handelt.

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Bruno Petroni

Der kantonale Jagdinspektor ­Niklaus Blatter zeigt sich ob der Rückkehr des Bären nach fast 200 Jahren hin- und hergerissen: «Als Berner empfinde ich das natürlich als ein historisches und beeindruckendes Ereignis. Aber in der Funktion des Jagdinspektors habe ich andererseits auch eine Schutzverantwortung.» So müsse die Lage jetzt weiter genau beobachtet werden. «Wir müssen nun abwarten, ob der Bär im Gebiet bleibt oder weiterzieht. Wenn er bleibt, müssten wir den örtlichen Herdenschutz im betreffenden Gebiet verschärfen.» Die Herdenschutzmassnahmen wirken laut Blatter für den Bär ebenso wie für den Wolf.

Keine weiteren Sichtungen

Immerhin kann offenbar davon ausgegangen werden, dass es sich beim jungen Braunbären um ein ziemlich scheues Tier handelt und für die Zivilisation somit kaum Gefahr besteht: «Schon nur die Tatsache, dass es seit Freitag zu keinen weiteren Meldungen einer Sichtung des Bären mehr gekommen ist, untermauert diese These», führt Jagdinspektor Niklaus Blatter weiter aus.

«Auf Jugendwanderschaft»

Die Berner Verantwortlichen sind in Kontakt mit ihren Urner Amtskollegen, um herauszufinden, ob es sich beim im Eriz gesichteten Bären um jenes Tier handelt, welches sich während der letzten zwei Jahre im Kanton Uri aufgehalten hat. Auch der Bündner Jagdin­spektor Georg J. Brosi steht den Berner Kollegen bei Bedarf beratend zur Seite: «Mein Zuständigkeitsgebiet erhält schon seit über zehn Jahren immer wieder Besuch von mehreren aus Italien kommenden Bären.

Und es handelt sich dabei ausnahmslos um junge Männchen, welche bis zu ihrer Geschlechtsreife auf ‹Jugendwanderschaft› gehen und dann später in ihre angestammten Gebiete zurückkehren», erklärt Jagdinspektor Brosi auf telefonische Anfrage. Dabei sei jedes Tier im Umgang mit der Zivilisation ein Individuum: «Der eine Bär bleibt jeglicher Zivili­sation fern. Ein anderer kann neben keinem Bienenhäuschen vorbeiziehen, ohne dieses auf den Kopf zu stellen und zu plündern; wieder ein anderer hat eher Appetit auf Kleintiere, ein weiterer gar auf Schafe.»

Grundsätzlich seien es aber Abfälle und Nahrungsmittel, die den Bären in Richtung Zivilisation locken würden, so der Bündner Jagdinspektor.

Thema in der Politik

Der eidgenössische Jagdinspektor Reinhard Schnidrig sagt derweil: «Wir gehen davon aus, dass es derselbe Bär ist, der zuvor in Uri gesichtet worden ist; alles andere wäre eine grosse Überraschung.» Dieses Tier habe sich als sehr scheu erwiesen. Seit Bekanntwerden seines Aufenthaltes in der Schweiz habe es nur einen einzigen Bienenstock geplündert.

Andreas Ryser von der Koordinationsstelle für Raubtieröko­logie und Wildtiermanagement beobachtet die Entwicklung nach der Bärensichtung mit grosser Spannung und Interesse: «In erster Linie ist es aber die Wildhut, welche die Informationen und Fakten sammelt, während wir im Hintergrund eher koordinativ tätig sind und bei Bedarf beispielsweise Proben genetisch auswerten. Wir helfen aber gerne aus, wo wir können.»

Schnell reagierte am Montag SVP-Grossrat Samuel Krähenbühl, welcher in einer parlamentarischen Anfrage seine Bedenken an den Regierungsrat richtet: «Was gedenkt der Regierungsrat zu tun, um allfälligen Schaden durch Risse abzuwenden; und was will er gegen den sehr grossen Hirsch­bestand unternehmen, welcher mutmasslich die Grossraubtiere anlockt?»

Berner Oberländer

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