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Ist das Schulfest heute noch aktuell?

Uetendorfer aus vier Generationen sprechen über ihre Beziehung zum traditionellen Dorffest, das am Sonntag stattfindet.

Das Schulfest Uetendorf auf einem Bild aus dem Jahr 1920.
Das Schulfest Uetendorf auf einem Bild aus dem Jahr 1920.
zvg

Das Uetendorfer Schulfest wird heuer zum mindestens 100. Mal abgehalten. Grundlage für diese Annahme liefert das Bild aus dem Jahr 1920. Es ist eine Trouvaille aus den Alben von Margrit Beutler-Fankhauser (79). Sie berichtet, dass bereits ihre Eltern am Schulfest teilgenommen hätten. Sie selber erinnert sich daran, wie die Schulklassen damals, nach Altersstufen getrennt, in den drei Restaurants im Dorf Lieder vorsingen mussten.

Für Hedi Neuenschwander-Messerli (79), ebenfalls Spross einer alteingesessenen Familie, ist das Haarewaschen am Samstag vor dem Schulfest in bester Erinnerung geblieben: «Damals, ohne warmes Wasser aus dem Hahn, fand diese Prozedur mit einem Becken auf dem Küchentisch statt.» Für beide Damen war jedoch das Tanzen in der 9. Klasse der Höhepunkt: «Zu unserer Zeit durften die Schulabgänger am Schulfest zum ersten Mal öffentlich in den Ausgang», so Beutler mit einem verschmitzten Blinzeln.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Gestaltung des Fests stetig verändert: Der Festbetrieb und die Angebote vor und nach dem Umzug wurden immer wieder der Nachfrage angepasst. Einst feierte die Bevölkerung nach dem Umzug im Dorf und in der Riedernturnhalle. Diese starke Bindung hat sich in den letzten Jahren verändert. Sandra Allenbach-Roth (44) bedauert denn auch, dass das Gesellige im Dorf heute nicht mehr denselben Stellenwert habe wie früher: «Das war für uns jeweils das Treffen des Jahres, heute spürt man das Gefühl der Zusammengehörigkeit nicht mehr so stark.»

Lisa Schnyder (33) dagegen freut sich auf den nächsten Sonntag: «Es ist schön, wenn diese alte Tradition erhalten bleibt.» Bei Ulrich Jenni (60) ist die Freude für das Schulfest durch seine Enkelkinder neu erwacht: «Obwohl ich bedaure, dass das Schulfest zu sehr kommerzialisiert wird, ist der 28. April in der Agenda fixiert», so Jenni.

Emotionen und Herzblut

Die Emotionen für das Schulfest sind je nach Generation unterschiedlich: Die Kleinsten können Tage vor dem Umzug vor Aufregung kaum noch schlafen. Ehemalige erinnern sich an spezielle Umzugssujets, Tanzanlässe oder an den ersten Kuss hinter dem Busch. Von der speziellen Stimmung gepackt wurde auch Gemeindepräsident Albert Rösti: «Das traditionelle Schulfest von Uetendorf bedeutet mir auch als Zugezogenem sehr viel. Seine Bedeutung habe ich vor allem im Schulalter unserer Kinder kennen gelernt. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit dem gewählten Sujet auseinander und basteln jeweils stunden-, wenn nicht tagelang daran.»

Noch eine Portion mehr Leidenschaft zeigt OK-Präsident Marc Sommer: «Für das Schulfest gebe ich Herzblut! Als Einheimischem ist es mir ein grosses Anliegen, dass diese Tradition noch lange erhalten bleibt», so Sommer.

Zusammen mit der Schule

Als Mitglied der Schulkommission ist es Sommer wichtig, dass das Fest im Einvernehmen mit den Lehrpersonen organisiert werden kann. Die Schulleitung hält fest: «Alles in allem lässt sich sagen, dass die Schule am Schulfest von einer breiten Öffentlichkeit sehr viel Aufmerksamkeit bekommt und ein positives Bild nach aussen transportieren kann.»

Neben der positiven Grundhaltung wird der Aufwand für den Anlass heute aber auch kritisch hinterfragt: «Bei den Lehrpersonen ist der Materialaufwand für den Umzug immer wieder ein Thema. Es braucht viel Material, und vieles davon landet gleich nach dem Umzug im Container», so die Schulleitung. Dennoch: Insbesondere für die Kinder der unteren und mittleren Klassen sind das Basteln und die Teilnahme am Umzug nach wie vor ein Highlight. Bei den Schülern der Oberstufe nimmt die Lust am Mitmachen ab.

Diese Tendenz kann von Zuschauern seit Jahren beobachtet werden. Wegen der langen Tradition und weil viele von ihnen seit dem Kindergarten mit dabei waren, akzeptieren die Jugendlichen den Festumzug jedoch nach wie vor als gegeben und machen deshalb auch am nächsten Sonntag mit.

Unter ihnen ist Rony Spöri (14). Er findet die Schulfest-Idee gut: «Cool, dass wir für den Umzug in der Klasse etwas gemeinsam erarbeiten.» Für Kollege Tim Lüthi (13) ist das Beste am Fest der freie Montag danach. Bevor Tim und alle anderen Schüler ausschlafen können, werden sie gemeinsam mit rund 690 Kindern und Jugendlichen aus 36 Klassen am Umzug teilnehmen – mit ihnen rund 150 Vertreter aus mehreren Dorfvereinen und heuer auch der Feuerwehr Uetendorf plus.

Nach vielen Jahrzehnten erstmals nicht dabei ist der Frauenverein: «Wir konnten leider keine Mitglieder mehr finden, die am Umzug mitlaufen wollten», so Präsidentin Doris Vuille. Die Tradition wird trotzdem weiterleben. Nach dem Umzug ziehen die Familien zum Kinderspielfest im Riedernareal, kaufen ein Zvieri oder plaudern mit Besuchern über alte und neue Zeiten. Aus allen Rückmeldungen ergibt sich die Antwort auf die von dieser Zeitung gestellte Frage von selbst: «Ja, das Schulfest ist auch anno 2019 noch aktuell.»

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Heute Mittwoch werden Schüler aus 13 Klassen an vielen Türen läuten, um ihre Schulfestbleistifte zu verkaufen (3 Franken pro Stück). Zusammen mit dem Erlös aus den Sammelbüchsen, die Mittelstufenschüler am Umzug tragen werden, gibt das OK Schulfest das Geld an die Schule für spezielle Projekte weiter. 2018 konnten der Schule auf diese Weise 10'000 Franken übergeben werden.

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