Integration in Spielform

Thun

Vorschulkinder können neu Sprachspielgruppen besuchen und so spielerisch die hiesige Sprache und Kultur aufnehmen. Anna Weigert und Eva Roth wissen wie.

Anna Weigert (l.) spielt, singt und spricht im Markuszentrum mit den Kindern; Eva Roth begleitet ihre Gruppe in der Sprachspielgruppe Rägeboge.

Anna Weigert (l.) spielt, singt und spricht im Markuszentrum mit den Kindern; Eva Roth begleitet ihre Gruppe in der Sprachspielgruppe Rägeboge.

(Bild: Damaris Oesch)

«Für Kinder ist spielen Bildung», sagt Eva Roth überzeugt. «Spielen ist die Basis der Bildungsbiografie des Kindes.» Deshalb ist die 49-Jährige begeisterte und überzeugte Spielgruppenleiterin. Ihre Gruppe Rägeboge ist für Kinder optimiert, die mit einer Fremdsprache aufwachsen.

Für diese ist der frühe Zugang zur deutschen Sprache äusserst wichtig. «In der Sprachspielgruppe können die Kinder die Sprache spielerisch aufnehmen», betont auch Anna Weigert. Sie leitet ab diesem Herbst die Sprachspielgruppe der reformierten Gesamtkirchgemeinde Thun. «Spielerisches Lernen steht über allem», sagt die passionierte Leiterin.

Individuelle Förderung

Wie das genau funktioniert? Sprachförderung getarnt als Spielgruppe? Das sei eben gerade falsch. «Wir begleiten die Kinder sprachlich, während sie frei spielen», sagt Anna Weigert. «Ein Kind sollte nicht merken, dass Sprachförderung stattfindet», ergänzt Eva Roth. Der Alltag in der Sprachspielgruppe richtet sich deshalb sehr individuell nach den Bedürfnissen der Kinder.

Eine Sprachspielgruppe wird immer von zwei ausgebildeten Leitpersonen durchgeführt. Dadurch habe man viel mehr Zeit, auf jedes Kind einzeln einzugehen. Mit Versen, Reimen und Liedern übe man ausserdem die deutsche Sprachmelodie ein.

Klar richtet sich das neue Angebot vor allem an Kinder fremder Muttersprache. Aber auch deutschsprachige Kinder dürfen und sollen mitmachen. «Ideal ist eine völlig durchmischte Gruppe», weiss Eva Roth.

Die Sprachspielgruppenleiterinnen bringen ein vertieftes Bewusstsein für die deutsche Sprache mit. Sie versuchen, den Kindern durch Repetition, Alltagskommunikation und richtiges Wiederholen falscher oder fremdsprachiger Sätze die Sprache näherzubringen.

«Es ist schön zu sehen, wie Kinder, die beim Eintritt in die Gruppe kein Wort Deutsch sprechen, sich nach einem Jahr fast schon fliessend unterhalten können», berichtet Anna Weigert.

Beitrag zur Integration

«Sprache ist der Schlüssel zu allen Bereichen unserer Gesellschaft», sagt Anna Weigert. So leiste die Sprachspielgruppe einen erheblichen Beitrag zu erfolgreicher Integration: «Es ist wichtig, Kinder aus anderen Verhältnissen so früh wie möglich in unser System einzugliedern.»

Eva Roth ergänzt, dass auch so die Chancengerechtigkeit gewährleistet werden könne. Deshalb sind die neuen Sprachspielgruppen ein gemeinsames Angebot der Bildungslandschaft Thun, des Kompetenzzentrums Integration Thun – Oberland (KIO) und des Amts für Bildung und Sport der Stadt.

Die Sprachspielgruppen entstanden aus einer gemeinsamen Initiative der Stadt Thun, den Spielgruppen der reformierten Gesamtkirchgemeinde Thun und der Spielgruppe Rägeboge.

«Die Sprachspielgruppe ist ein geschützter Rahmen, in dem die Kinder sich ausprobieren und spielerisch unsere Sprache und Kultur erleben dürfen», fasst Eva Roth das Ziel ihres neuen Angebots zusammen.

Anna Weigert spielt, singt und spricht jeweils am Montag- und Freitagnachmittag im Markuszentrum mit den Kindern; Eva Roth begleitet ihre Gruppe von Montag bis Donnerstag (jeweils vormittags) in der Sprachspielgruppe Rägeboge. Es gibt noch freie Plätze. Weitere Informationen: www.thun.ch/bildungslandschaft

Thuner Tagblatt

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