In den Magen statt in den Müll

Steffisburg

Ein Drittel aller Nahrung landet im Abfall. Ein Spitzenkoch zeigte am Thementag Zivilcourage, Littering, Vandalismus der offenen Kinder- und Jugendarbeit Steffisburg auf, wie man diese Zahl mit Genuss reduzieren kann.

«Die eigenen Sinne sind ein besseres Messinstrument als die aufgedruckte Zahl.» Urs Messerli plädiert für einen vernünftigen Umgang mit Ablaufdaten.

«Die eigenen Sinne sind ein besseres Messinstrument als die aufgedruckte Zahl.» Urs Messerli plädiert für einen vernünftigen Umgang mit Ablaufdaten.

(Bild: Flavia von Gunten)

Braune Bananen, matschige Beeren und hartes Brot – statt im Müll landen diese Lebensmittel auf dem Teller. Spitzenkoch Urs Messerli zeigt den Teilnehmenden des Workshops «Vom Abfalleimer in den Kochtopf», wie sie aus ­vermeintlich ungeniessbaren Zutaten ­feine Gerichte kreieren können.

Am Samstagmorgen holten die Organisatoren des Workshops bei verschiedene Läden aus der Region Lebensmittel ab, die sonst im Abfall gelandet wären. Entsprechend spontan überlegt sich Mes­serli die Rezepte: «Suppen und Ragouts sind ideal, um nicht mehr ganz frisches Gemüse zu verwerten. Es spielt keine Rolle, welche Sorten man kombiniert.» So brutzelt auf dem Herd ein Eintopf aus Blumenkohl, Karotten und Kartoffeln. Gewürzt mit viel Curry – ein Trick des Kochs, die gelbe Farbe mache fleckiges Gemüse attraktiv, verrät Messerli.

Wie gross der Einfluss unserer Augen ist, wenn wir über die Geniessbarkeit urteilen, erlebt Workshop-Teilnehmer Adrian Dummermuth aus Unterlangenegg: «Auf den ersten Blick ekelten mich die Zutaten. Ich bin froh, dass ein Fachmann mich anweist, was ich mit den welken Früchten anstellen soll.»

Den eigenen Sinnen trauen

Kuchen, Kompotte und Smoothies seien perfekte Speisen für die Verwertung überreifer Früchte, meint Urs Messerli. Er plädiert dafür, Resten gar nicht erst entstehen zu lassen: «Nur einkaufen, was man benötigt!» Wichtig sei auch die korrekte Lagerung der Lebensmittel und ein flexibler Umgang mit Haltbarkeitsdaten: «Die eigenen Sinne sind ein besseres Messinstrument als die aufgedruckte Zahl.»

Gewalt im Alltag

Tipps en masse kann sich die Bevölkerung nicht nur in der Küche, sondern auch in einer Unterführung nahe der Kirche holen. Dort tummeln sich vier Jugendliche, eingedeckt mit Zigaretten und Bier. Plötzlich drängt ein Mann eine Frau aus der Gruppe an die Wand, presst ihr eine Bierflasche an den Mund, zwei Erwachsene greifen ein. Auf Kommando von Philipp Frei löst sich der Pulk auf, die Jungschauspieler fallen aus ihrer Rolle.

Anhand von solchen gestellten Szenen will Frei den Besuchenden des Workshops «Zivilcourage – hautnah erlebt» zeigen, wie sie am besten reagieren, wenn sie im Alltag auf Gewalt treffen. «Zuerst das Geschehen beobachten, wenn nötig die Polizei alarmieren. Erst danach selber eingreifen, denn die eigene Sicherheit steht an ­erster Stelle», rät der Experte.

Die Teilnehmer der Veranstaltung sind interessiert, stellen viele Fragen. Das freut Stefan Christen, Jugendarbeiter und Organisator des Thementages: «Viele Leute konnten wir heute für Zivilcourage, Littering und Vandalismus sensibilisieren. Entsprechend zufrieden sind wir mit der Veranstaltung.» Zwar stehe jedes der drei Themen für sich, ein verbindendes Element hätten sie aber: «Jeder Mensch trägt mit seinem eigenen Handeln Verantwortung für sich und die Mitwelt.»

Thuner Tagblatt

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