Immer auf Achse, immer im Schuss

Interlaken

In der Serie «Angetroffen» stellen wir diese Woche Carlos Varela vor. Der 35-jährige Portugiese kellnert in der Brasserie 17 in Interlaken und ist auch privat ständig in Bewegung.

«Schlafen ist nicht so mein Ding», sagt Carlos Varela.

«Schlafen ist nicht so mein Ding», sagt Carlos Varela.

(Bild: Nathalie Günter)

Nathalie Günter@nathalieguenter

Wenn Kellner Carlos Varela in der Brasserie 17 in Interlaken am Arbeiten ist, bekommt der Gast das portugiesische Temperament ab und an zu spüren. Manchmal etwas laut, ab und zu singend, immer «tifig» ist der Südländer in den Gasträumen an der Rosenstrasse unterwegs und lässt die Redaktorin unweigerlich kurz an Speedy Gonzales, die «schnellste Maus von Mexiko», denken.

Vier-, fünfmal im Jahr könne es sein, dass er am Tag arbeite. Viel lieber mache er aber die Abendschicht, dann könne er den ganzen Vormittag aufs Velo oder aufs Snowboard. «Schlafen ist nicht so mein Ding», sagt Carlos und lacht. Dann flitzt er gleich mit einer Bestellung weiter.

Downhillbiken im Sommer und Snowboarden im Winter sind Carlos Hobbys. Dafür reist der 35-Jährige auch mal für zwei ­Tage nach Frankreich, genauer nach Châtel. Die Hobbys haben ihn schon mehrmals arbeitsuntauglich gemacht. «Ich hab mir schon fünfmal die Schulter ausgehänkt, zweimal mit dem Velo, zweimal beim Boarden und einmal beim Surfen», zählt Carlos auf.

Die Zahl Fünf trifft auch anderswo in Carlos’ Leben zu: Er spricht Portugiesisch, Spanisch, Französisch, Englisch und Deutsch. «Und Schweizerdeutsch verstehe ich mittler­weile auch sehr gut.» Dreht sich um und begrüsst asiatische Hostelgäste mit «Can I help you? Check-in?».

Deutsch hat Varela bei unseren österreichischen Nachbarn gelernt. «Ich habe in Seefeld und im vorarlbergischen Bludenz ­gearbeitet.» Und sich über, natürlich, fünf Stationen – Abwascher, kalter Koch, Frühstückskoch, Patisserie und Service – hochgearbeitet. «Jetzt sprichst du genug gut Deutsch und kannst ins Oberland kommen», habe ein Bekannter, mit dem er in Portugal im Dörfchen Vila Verde de ficalho aufgewachsen sei, gewitzelt.

Zuerst arbeitet er in Wengen in der Crystal-Bar. «Irgendwann wurde mir Wengen etwas zu klein.» Eine Bekannte, ebenfalls aus dem gleichen Dorf, empfiehlt ihm 2014, sich doch mal in der Brasserie zu bewerben. «Ich habe einen Abend Probe gearbeitet.» Dann heisst es: Der bleibt. Wobei bleiben wohl das falsche Wort ist, den Carlos ist immer in Bewegung. Genug der Fragen, die Bestellungen müssen raus, Carlos eilt mit einem vollen Tablett und einem ­schelmischen Grinsen im Gesicht davon.

Berner Oberländer

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