Im Kampf gegen das Plastiksäckli

Thun

Vier Thuner Gymnasiasten haben ein wiederverwendbares Früchte- und Gemüsesäckchen entwickelt und treffen damit genau den Zeitgeist.

Innovatives Quartett (v.l.): Gian-Luca Hurni, Tim Krebs, Alessia Bänziger und Nicolas Stocker.

Innovatives Quartett (v.l.): Gian-Luca Hurni, Tim Krebs, Alessia Bänziger und Nicolas Stocker.

(Bild: Irina Eftimie)

Plastik kann sehr praktisch sein und nimmt in der heutigen Gesellschaft eine wichtige Rolle ein. Plastik hat aber fatale sozioökologische Auswirkungen. Jährlich werden rund 300 Millionen Tonnen Plastik produziert, und eine grosse Menge davon landet als Müll in den Weltmeeren, was wiederum schädlich für Tiere, Mensch und Umwelt ist.

Gian-Luca Hurni, Tim Krebs, Alessia Bänziger und Nicolas ­Stocker aus der Klasse 18gE vom Thuner Gymnasiumsstandort Schadau haben nun ein Produkt entwickelt, mit dem ein Schritt in Richtung Nachhaltigkeit gemacht werden kann. Im Rahmen von Young Enterprise Switzerland (YES) entwickelten die vier Gymnasiasten den wiederverwendbaren Fruitgetable Bag für den Kauf von Früchten und ­Gemüse.

Weg vom Plastik

Zum 18. Mal unterstützt YES auch in diesem Schuljahr 200 Miniunternehmen, unter denen sich auch Fruitgetable Bag be­findet. Die Idee zum recyclingfähigen Säckchen, dessen Name sich aus den englischen Wörtern «fruit» für Frucht und «vegetable» für Gemüse zusammensetzt, hatten die vier Schüler aber nicht im Wirtschaftsunterricht, sondern während der Wocheneinkäufe mit ihren Familien.

«Wir haben uns zuerst einmal gefragt, was uns im Alltag so nervt», sagt Gian-Luca Hurni. «Uns sind dann beim Einkaufen die Plastiksäckli aufgefallen, in die man Gemüse und Früchte packt und welche später nur im Abfall landen.»

Da die Gruppe den Kauf von Biogemüse und -früchten in Plastiksäckchen eher unlogisch fand, entstand bald die konkrete Idee vom wiederverwendbaren Säckchen. «Wir wollten ein Produkt, das wettbewerbsfähig, aber auch wirklich gut ist», sagt Hurni. Also haben sie ein Konzept entwickelt, bei dem nicht nur ökologische, sondern auch soziale Aspekte eine grosse Rolle spielen.

Regionale Produktion

Die Materialien für die Säckchen stammen deshalb aus dem Berner Oberland und Deutschland, das Etikett für die Preiskleber wird aus LKW- und Werbeplanen aus der Region hergestellt, und die Fruitgetable Bags werden in der geschützten Werkstätte der Bewo in Oberburg oder bei der Stiftung Gad in Biel produziert.

Die Säckchen der zwei ersten Produktionsserien sind bereits ausverkauft. «In den ersten sechs Stunden haben wir 300 Bags verkauft», sagt Tim Krebs. Insgesamt haben die jungen Unternehmer nun schon über 1000 Stück verkauft, wovon viele auch an Messen und anderen Veranstaltungen gekauft wurden. Dank des grossen Erfolgs, des intelligenten Konzepts und des ansprechenden Designs wurden die vier Gymnasiasten regionaler Sieger und haben es sogar ins Finale aller YES-Unternehmen geschafft.

Pläne für die Zukunft

Normalerweise würden die YES-Projekte nach einem Jahr abgeschlossen, sagt Tim Krebs. «Wenn es weiter so gut läuft, werden wir das Unternehmen weiterführen», sagt er. Das Führen eines Unternehmens und die Vorbereitung auf die Maturität seien jedoch nicht so einfach.

«Man wird halt ins kalte Wasser geworfen», sagt Gian-Luca Hurni. «Wir bekommen zwar zwei Lektionen dafür zur Verfügung gestellt, aber die Pausen werden meistens für unser Business genutzt. Es ist aber eher ein Hobby und nicht ein Muss.» Tim Krebs sagt: «Uns schwebt noch sehr viel vor, wir haben noch einige Ideen. Für das meiste fehlt uns aber einfach die Zeit.»

www.fruitgetablebag.ch

Thuner Tagblatt

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