«Ich habe Polo Hofer als feinen Menschen kennen gelernt»

Thun

Der freischaffende Fotograf Christian Helmle kennt Polo Hofer seit den 70er-Jahren und hat immer wieder für die verstorbene Mundartrock-Legende gearbeitet. Im Interview erzählt er von seinen Begegnungen mit «Polo National».

  • loading indicator

Sie haben Polo Hofer in seiner Karriere immer wieder abgelichtet. Wie haben sich Ihre Wege gekreuzt?Christian Helmle:Ich habe Rumpelstilz-Drummer Küre Güdel gut gekannt, er war ein Freund von mir. In Thun gab es einen Klub, die Bibi-Ranch, wo die Stilze nach Konzerten manchmal auftauchten. So lernte ich Polo kennen.

Also privat, nicht geschäftlich.Genau. Ich war dann mehrmals bei ihm in Bern zu Besuch, wo er mit seiner ersten Frau Trudi gewohnt hat. Da ist es häufig spät ­geworden, man hat philosophiert, über das «Tibetische Totenbuch» und solche Dinge. Und am Morgen ging es direkt ins Bahnhofbuffet.

Wann begann das mit den Polo-Fotos?Als ich zu fotografieren begann, ging ich häufig an Konzerte. Es war Polo, der mich anfragte, ob ich Fotos von Auftritten machen könnte, aber auch Porträts für Pressematerial. Hierfür haben wir uns an einem nebligen Tag im Schnittweiher Steffisburg getroffen (vgl. Bild oben links). Über Jahre hinweg liefen wir uns immer wieder über den Weg. Doch irgendwann habe ich den Kontakt etwas verloren. Polo wurde zum «Megastar», plötzlich war jeder sein Freund.

Zuvor haben Sie für Polo Hofer ein Plattencover gestaltet – jenes von «Polovinyl», der ersten Schmetterband-Scheibe.Das war 1984 im Selve-Areal Thun. Ich habe zu dieser Zeit mit Leuchtzeichen experimentiert. Polo bekam das mit und wollte diese Technik unbedingt auf seinem Cover. Den Albumtitel hat er mit der Taschenlampe geschrieben, und ich habe mit Langzeit­belichtung aufgenommen. Das Bild vereint heute zwei Historien. Die Selve ist Vergangenheit, und auch Polo gibt es nicht mehr.

Wie wirkte er auf Sie?Ihn privat zu erwischen, war schwierig. Wenn es um Pressebilder ging, hat er sein Image gepflegt. Ich habe ihn auch häufig an Konzerten getroffen, backstage mit ihm etwas getrunken. Privat habe ich ihn als feinen und tiefgründigen Menschen kennen gelernt. Wenn die Showtime-Maske abgelegt war, konnte man mit ihm über alles reden, auch über Philosophisches. Die Show hingegen brauchte er als Selbstschutz. Schliesslich hat ihn jeder angerempelt, und dafür hatte er auch nicht immer den Nerv.

Hatten Sie zuletzt noch Kontakt mit ihm?Nein. Letztes Jahr – ich wusste nicht, dass er krank war – hatte ich ihm per Mail eine Galerie mit Fotos von früheren Zeiten geschickt. Aber es kam keine Re­aktion.

Wie haben Sie von Polos Tod erfahren?Am Montagabend hörte ich es in den Nachrichten.

Wie haben Sie reagiert?Sein Tod kam ja angesichts seiner Krankheit nicht ganz unerwartet. Im ersten Moment blieb ich irgendwie gelassen. Doch in der Nacht habe ich gemerkt, dass mir Polos Tod doch nahegeht. Er war der Auslöser von so vielem.

Christian Helmle (geboren 1952) ist Fotograf und wohnt in Thun, wo er auch aufgewachsen ist. www.christianhelmle.ch