«Ich bin bodenständig geblieben»

Thun

In Sachen Kunst macht ihm keiner so schnell etwas vor: Bernhard Bischoff ist unter anderem Partner im international tätigen Berner Auktionshaus Kornfeld und der designierte Nachfolger von Eberhard W. Kornfeld.

«Thun hat auf mich abgefärbt»: Bernhard Bischoff lebt mit seiner Familie nach wie vor in seiner Heimatstadt, ist aber auf der ganzen Welt zu Hause.

«Thun hat auf mich abgefärbt»: Bernhard Bischoff lebt mit seiner Familie nach wie vor in seiner Heimatstadt, ist aber auf der ganzen Welt zu Hause.

(Bild: Patric Spahni)

Im Sommer 2013 wars, als ­Bernhard Bischoff einen Anruf von Eberhard W. Kornfeld erhielt. Be­reits zwei Tage später sass der Thuner im Wohnzimmer des legendären Kunsthändlers und Galeristen in Bolligen. «Bei einem Gespräch über Gott und die Welt bat mich Kornfeld, doch etwas bei ihm arbeiten zu kommen», erinnert sich Bernhard ­Bischoff an den schicksalhaften Moment vor vier Jahren zurück.

Doch der Thuner lehnte ab: «Ich sagte ihm, dass ich mit meinem Leben zufrieden sei und meine eigene Galerie gut funktioniere.» Dabei hatte Bischoff die Rechnung ohne die Hartnäckigkeit seines Gegenübers gemacht. Ein paar Tage später eröffnete ihm Kornfeld nämlich: «Sie werden mein Partner, Ihre Galerie müssen Sie aber aufgeben.»

Spätestens hier hätten die meisten wohl Hand geboten. Bernhard Bischoff jedoch wehr­te sich erneut, liess dann aber mit sich verhandeln und sagte schliesslich unter der Bedingung zu, dass er seine Galerie im Berner Progr behalten dürfe.

Respekt vor der Leistung

Die geschilderten Ereignisse sagen viel über den Menschen Bernhard Bischoff aus, der seinen Weg in der Kunstszene seit Jahren unbeirrt und konsequent geht.

Auf die Frage nach der Lebenshaltung, die dahinter steht, sagt der heute 43-Jährige: «Mich hat das Bodenständige in Thun sehr geprägt. Obwohl ich mich heute oft in der Welt der Reichen und Mächtigen bewege, bin ich ein unaufgeregter Mensch geblieben.» Er habe keinen Respekt vor Titel und Namen, dafür umso mehr vor Menschen, die etwas leisteten. «Dabei spielt es keine Rolle, ob sie Bundesräte, Bauern oder renommierte Kunsthändler sind.»

Bernhard Bischoff war sich selber nie zu schade, für wenig Geld zu arbeiten: Bereits als 13-Jähriger fungierte er als Platzanweiser in der Alten Oele und kam so erstmals mit Künstlern in Berührung. Als Gymnasiast begann er selber, Konzerte und Anlässe zu organisieren, was sich schnell herumsprach. Es kamen internationale Meisterkurse an der Musikschule Region Thun oder Stadtführungen hinzu.

Für den damaligen Stadtpräsidenten Hansueli von Allmen etwa richtete Bernhard Bischoff als 23-jähriger Student einen Anlass für 2000 Leute aus: «Ich habe dabei nichts verdient, aber unglaublich viele Erfahrungen sammeln können», sagt er heute rückblickend. Und hebt dann hervor, dass dies nur im kleinen Thun möglich gewesen sei, «wo man sich kannte und einander vertraute».

Fasziniert von der Kunst

Angetan war Bernhard Bischoff besonders von der bildenden Kunst. Nach einer Weihnachtsausstellung im Kunstmuseum suchte er in Telefonbüchern auf der Hauptpost im Bälliz die Adressen der Künstler heraus und nahm mit diesen Kontakt auf: «Ich wollte die Menschen hinter den Bildern kennen lernen», versucht er seine Faszination zu erklären.

Und allmählich sei er in die Szene reingerutscht. Mit der ­nationalen Kunstausstellung «Heartbreak Hotel – Vollpension» im Beau-Rivage gelang Bernhard Bischoff 1999 schliesslich der Durchbruch. Es folgten Engagements an der Expo.02 in Biel, bei Ausstellungen oder als Dozent an Hochschulen.

Kein einfacher Start

Jemand aus seinem Umfeld schlug Bernhard Bischoff schliesslich vor, eine eigene Galerie zu eröffnen. Dank seinem Vater, der den Umbau des Beau-Rivage leitete, konnte er dort Ende 2001 Räume mieten: «Ich war ein bisschen naiv und habe mir den Start einfacher vorgestellt», räumt Bernhard Bischoff heute ein. «Niemand hatte auf mich gewartet.» Er habe sich mit anderen Jobs über Wasser halten müssen, aber nie daran gezweifelt, dass dies sein Weg sei: «Ich habe es getan, weil ich es tun musste und tun wollte.»

2005 zog Bischoff mit seiner Galerie für Gegenwartskunst nach Bern. Seit 2010 ist diese im Progr zu Hause, wo Bischoff noch heute die Ausstellungen mit den Künstlern einrichtet oder wichtigen Kunden Exponate zeigt. Die Geschäftsführung allerdings hat er seit dem Wechsel zur Galerie Kornfeld an eine Mitarbeiterin abgegeben.

An einem guten Punkt

Geplant hat Bernhard Bischoff die Etappen seines Lebens nie: «Es kam einfach alles auf mich zu», versucht er die Entwicklung zu erklären. Dort, wo er derzeit steht, scheint es ihm zu gefallen: Er ist glücklich verheiratet und ist vor kurzem Vater geworden.

Und er hat eben an der Juniauktion der Galerie Kornfeld eine Zeichnung von Paul Gauguin für 7,2 Millionen Franken versteigert, was Hausrekord bedeutet und der zweithöchste Wert ist, welcher je für ein Kunstwerk in der Schweiz erzielt wurde. Und auch wenn Bernhard Bischoff betont, dass heute die Hälfte der Kunstwerke unter 1200 Dollar kosten, erfüllt ihn der hohe Preis mit Stolz, haben doch er und sein Team die Werke während eines Jahres auf der ganzen Welt zusammenge­tragen.

Aber etwas stimmt ihn auch ein wenig nachdenklich: «Heute mache ich Dinge, welche andere Menschen mit 60 Jahren machen», sinniert er. «Manchmal frage ich mich, was ich mache, wenn ich 60 bin.» Wer Bernhard Bischoff kennt, weiss, dass der Thuner das, was auf ihn zukommt, in die richtigen Bahnen lenken wird.

Berner Zeitung

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