Hotelfachschule ist bald auch ein Hotel

Thun

Die Hotelfachschule Thun richtet sich neu aus: Ab 2022 wird sie zu einem Bildungscampus mit eigenem Hotel und Longstay-Wohnungen.

Auf dem Areal der Hotelfachschule Thun soll ein Hotel zu Lehrzwecken entstehen.

Auf dem Areal der Hotelfachschule Thun soll ein Hotel zu Lehrzwecken entstehen.

(Bild: Patric Spahni)

Es sind gleich mehrere Projekte, mit welchen sich die Hotelfachschule Thun ein neues Profil verschaffen will: Zentral ist dabei ein «Laborhotel» mit 40 bis 50 Zimmern, das Businessgäste genauso wie Touristen anspricht. Die Schule will dort Trends und Technologien wie beispielsweise den Einsatz von digitalen Hilfsmitteln in der Hotellerie und Gastronomie mit verschiedenen Partnern testen.«In Amsterdam beispielsweise gibt es eine Hotelfachschule, welche ihre Zimmer grossen in­ternationalen Hotelketten zur Verfügung stellt. Diese können dann die Zimmer gemäss ihren ­Wünschen einrichten und die verschiedenen Neuerungen auf ­ihre Praxistauglichkeit hin überprüfen», erzählt Schuldirektor Christoph Rohn eine denkbare Variante. Gespräche mit Hotels oder anderen Partnern aus der IT-Branche oder dem Einrichtungsbereich seien aber bisher noch nicht geführt worden.

Damit, und darin sehen die Verantwortlichen einen grossen Pluspunkt des Projekts, wird der Bereich Hotellerie auch Teil der praktischen Ausbildung an der Schule. Bis anhin mussten die Studierenden die Kompetenzen in diesem Bereich ausschliesslich in auswärtigen Praktika erwerben.

Sparen und mehr Praxisbezug

Es ist wohl die grösste Veränderung, welche auf die Hotelfachschule Thun seit ihrer Gründung im Jahr 1986 zukommt: Die Verantwortlichen wollen die Institution um zusätzliche Geschäftsfelder erweitern und damit nicht nur Mehreinnahmen generieren, sondern auch Ausbildungsplätze mit mehr Praxisbezug schaffen: «Unsere neue Strategie wurde von verschiedenen Aspekten beeinflusst», sagt denn auch Christoph Rohn. «Zum einen hat sich der Arbeitsmarkt in der Hotel­lerie stark gewandelt, was auch höhere Anforderungen an die Ausbildungsstätten stellt.» Zum andern hätten die Sparmassnahmen des Kantons zu dieser Neuausrichtung geführt.

Zur Erinnerung: Die Schule muss ab dem Jahr 2021 jährlich auf eine halbe Million Franken öffentliche Gelder verzichten. Ursprünglich hatte der Regierungsrat im Rahmen des Entlastungspakets sogar den doppelten Betrag streichen wollen.

«Mehr Zimmer gewünscht»

Christoph Rohn gibt zwar zu, dass die subventionierte Schule mit dem Hotelprojekt in Konkurrenz zu anderen Betrieben, insbesondere dem Seepark auf der ge­genüberliegenden Strassenseite, tritt. Er sieht aber darin keinen Nachteil: «Wir wissen aus Gesprächen mit Hoteliers, dass auch sie im Dreistern- und Viersternbereich, den wir anstreben, ein grösseres Angebot an Hotelbetten wünschen.» Und er ergänzt, dass sich die Verantwortlichen auch einzelne Zimmer mit einem noch höheren Standard vorstellen können.

Ein weiteres künftiges Standbein der Hotelfachschule Thun sollen rund 40 sogenannte Longstay-Wohneinheiten sein. Wohnungen also, welche auswärtige Geschäftsleute für ein bis zwei Monate mieten können. «In Thun gibt es nichts Vergleichbares», sagt Christoph Rohn. «Andernorts wie in Bern ist die Nachfrage sehr gross. Wir sind überzeugt, dass wir damit auch in einer kleineren Stadt wie Thun Erfolg haben können.»

Realisiert werden sollen das Hotel und die Wohnungen in den bestehenden drei Nebengebäuden der Schule, wo bis heute rund 100 Studios für Studierende und externe Mieter untergebracht sind. Künftig wird es noch 40 solche Studios geben, wobei Studenten künftig auch Long­stay-Wohnungen mieten können. «Wir möchten die Gebäu­de aushöhlen und einen neuen Innenausbau machen», erklärt Rohn. «Wenn wir schon baulich eingreifen, werden wir aber sicher die gesamte Schule miteinbeziehen und unter Umständen auch Anpassungen am Hauptgebäude und an der Umgebung vornehmen.»

Gibts einen Wettbewerb?

Noch im laufenden Jahr wollen die Verantwortlichen die Detailplanung an die Hand nehmen, unter Umständen auch im Rahmen eines Architekturwettbewerbs. Die Bauarbeiten sollen Mitte 2019 beginnen und Ende 2021 abgeschlossen sein. Christoph Rohn ist sich dabei bewusst, «dass eine solche Baustelle während des laufenden Schulbetriebs auf jeden Fall zur organisatorischen Knacknuss wird».

Die Verantwortlichen rechnen derzeit mit einem «einstelligen bis tiefen zweistelligen Millionenbetrag» für die anstehenden Arbeiten. Investitionen, welche sie unter anderem auch mit dem vorhandenen Eigenkapital tätigen wollen.

Nicht ganz schmerzfrei wird dieser Strategiewechsel allerdings für die Studierenden: Die Schulgelder sollen in den kommenden Jahren schrittweise um insgesamt 5 bis 10 Prozent erhöht werden.

Thuner Tagblatt

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