Hoffmatte kommt vors Volk

Thun

Neuer Widerstand gegen das Bauprojekt auf der Thuner Hoffmatte: Der Gwatt-Schoren-Buchholz-Leist hat für das Referendum gegen die vom Stadtrat bewilligte Zonenplanänderung über 1000 Unterschriften gesammelt.

So oder ähnlich soll die geplante Überbauung Hoffmatte dereinst aussehen. Über die entsprechende Zonenplanänderung befindet nun das Stimmvolk. Visualisierung: PD

So oder ähnlich soll die geplante Überbauung Hoffmatte dereinst aussehen. Über die entsprechende Zonenplanänderung befindet nun das Stimmvolk. Visualisierung: PD

Die vom Gwatt-Schoren-Buchholz-Leist gestartete Unterschriftensammlung dauerte nur eine Woche: In dieser Zeit kamen 1021 Signaturen gegen die Änderung von Zonenplan und Baureglement betreffend das Gebiet Hoffmatte zusammen – «der grösste Teil von Freitag bis Sonntag», sagte Leistpräsident René Feller am Montag bei der Übergabe der Unterschriften an die Stadt.

Feller betonte: «Der Impuls zum Referendum kam aus der Quartierbevölkerung.» Bei der Unterschriftensammlung hätten Leistmitglieder, der Verein Pro Schoren sowie Bewohner des Quartiers aber auch anderer Stadtteile mitgeholfen.

Mit der Änderung des Zonenplans und des Baureglements wollte die Stadt die Grundlage für ein neues Quartier schaffen. Östlich der Produktionshalle der Hoffmann Neopac AG sind 180 Wohnungen sowie ein von der Stiftung Wohnen im Alter (WiA) betriebenes Alterspflegeheim vorgesehen. Hinzu kommen eine Kindertagesstätte, ein Laden und öffentliche Frei- und Grünräume.

Das Areal ist eine Landreserve der Hoffmann Neopac AG und befindet sich heute in der Arbeitszone. Im Stadtrat war die Zonenplanänderung nicht unumstritten. Hanspeter Aellig (FDP) stellte einen Rückweisungsantrag: Das Projekt sei im Quartier nicht breit abgestützt, es drohe ein Referendum. Der Antrag wurde mit 32 zu 3 Stimmen abgelehnt. Nein-Stimmen gab es schliesslich zur Zonenplanänderung nicht – bei 24 Ja-Stimmen, aber 12 Enthaltungen.

Leist: «Viele Fragen offen»

Dass das Projekt nicht nur auf Gegenliebe stösst, hatte sich schon vor einem Jahr gezeigt: Damals gingen gegen die Überbauungsordnung inklusive Zonenplanänderung 13 Einsprachen ein – einige davon Sammeleinsprachen. Kritik gab es vor allem an der Höhe der Gebäude sowie zum Thema Verkehr. «Uns ist wichtig, dass die Anliegen der Quartierbevölkerung ernst genommen werden», betonte am Montag Leistpräsident René Feller. «Wir hatten den Eindruck, dass dies nicht der Fall war.

Die Mitwirkung haben wir als Pflichtübung der Stadt wahrgenommen.» Im Leist habe man stark gespürt, dass viele Fragen offen blieben – etwa zum Verkehr oder zur Höhe der geplanten Bauten in direkter Nachbarschaft zu einem nicht sehr dicht bebauten Quartier. «Die Frage ist: Wie dicht und in welcher Art soll in einem solchen Quartier gebaut werden?» Das Projekt nehme zu wenig Rücksicht auf das Bestehende. Deshalb wünsche sich der Leist eine Denkpause. Ein oft gehörtes Feedback bei der Unterschriftensammlung sei zudem gewesen: «Endlich macht jemand etwas!»

WiA müsste Plätze streichen

«Ein Referendum zu ergreifen, ist ein legitimes demokratisches Recht», sagte Thuns Stadtpräsident und Planungsvorsteher Raphael Lanz (SVP) auf Anfrage. Und: «Wir werden nach der Prüfung der Unterschriften die Bevölkerung sachlich über das Projekt informieren.» Er hoffe, «dass wir rasch Klarheit darüber erhalten, ob wir wie vorgesehen den in Thun benötigten Wohnraum für alle Generationen samt Alterspflegeheim der Stiftung WiA verwirklichen können».

Für die WiA kommt das Referendum nicht überraschend: «Wir haben damit gerechnet. Schon bei der Mitwirkung wurde klar, dass es Widerstand gibt», sagte Stephan Friedli, Vorsitzender der WiA-Geschäftsleitung. Werde das Projekt durch das Referendum lediglich verzögert, «dann können wir das stemmen», führte Friedli aus. Sollte das Thuner Stimmvolk hingegen die Zonenplanänderung bachab schicken, wäre das für die WiA laut Friedli «eine Katastrophe». Zur Erinnerung: Die Stiftung WiA betreibt die Standorte Martinzentrum und Sonnmatt.

Vorgesehen war zudem ein Neubau an der Weststrasse, was sich allerdings zerschlug. Die Folge ist, dass die WiA das sanierungsbedürftige Martinzentrum bei vollem Betrieb etappenweise sanieren muss – «das ist viel beschwerlicher und aufwendiger und vernichtet unnötig Stiftungskapital», so Geschäftsführer Stephan Friedli.

Würde nun auch das Hoffmatte-Projekt verunmöglicht, falle weiteres Kapital weg. «Dann müssten wir die Hälfte der heute 240 Betten abbauen.» Eigentlich müsse die Stiftung für die Stadt sicherstellen, dass genügend Pflegeplätze vorhanden seien. Friedli: «Es gibt heute schon ein Unterangebot, wir brauchen mehr Pflegeplätze. Bei Verhinderung des Hoffmatte-Projekts laufen wir Gefahr, dass genau das Gegenteil rauskommt.»

Dem Widerstand zum Trotz ist Stephan Friedli «zuversichtlich, dass die Bevölkerung das Projekt genehmigen wird». In diesem Fall würde die Stiftung Wohnen im Alter wie geplant im Frühling mit der Sanierung des Martinzentrums beginnen – und parallel dazu in den nächsten zweieinhalb Jahren das Hoffmatte-Projekt weiterplanen und danach realisieren.

Rasch vors Volk

Stadtschreiber Bruno Huwyler nahm die Unterschriften am Montag entgegen. Diese würden nun kontrolliert. Und wann kommt die Hoffmatte vors Volk? «Eine fixe Frist gibt es nicht», sagte Huwyler. Klar sei aber, dass dies beim nächstmöglichen Abstimmungstermin der Fall sein solle.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt